Immer mehr Bürokratie
EU-Firmen befürchten Rückschlag in China

China ist gerade für deutsche Firmen extrem wichtig. Doch im weltweiten Schlüsselmarkt nehmen Regulierung und Gängelei zu. Das sorgt für erhebliche Probleme. So manches Unternehmen überdenkt sein Engagement.
  • 3

PekingDie europäische Wirtschaft hält den chinesischen Markt für wichtiger als je zuvor, leidet jedoch zunehmend unter Ungleichbehandlung durch den Staat. "In der Wahrnehmung der ausländischen Unternehmen wirken die Praktiken der Regierung zunehmend unfair", sagt Davide Cucino, Präsident der EU-Handelskammer in China, am Mittwoch in Peking bei der Vorstellung der aktuellen Geschäftsklimaumfrage unter europäischen Unternehmen.

Die zunehmende Gängelei in einigen Branchen heißt jedoch nicht, dass die Unternehmen generell unzufrieden sind. Den Umfrageergebnissen zufolge konnten über 70 Prozent der Unternehmen seit dem vergangenen Jahr ihre Gewinnmargen im Chinageschäft deutlich steigern. Knapp 80 Prozent sehen die Zukunft des Marktes optimistisch, 60 Prozent planen weiterhin erhebliche Investitionen.

Doch zugleich nimmt die Sorge um das Verhalten der Regierung zu. Es sieht zwar immer noch eine Mehrheit der Unternehmen in ihrem Geschäftsalltag keine konkrete Diskriminierung. Doch der Anteil von Firmen, die das Verhalten der Regierung mit Sorge sehen, nimmt schnell zu. Derzeit erwarten 46 Prozent der Unternehmen, dass die Lage in den kommenden zwei Jahren schlechter wird. "Wir verlangen keine Vorzugsbehandlung, erwarten aber für unsere Investitionen zumindest gleiche Regeln für alle", sagt Cucino.

Hintergrund ist ein Wandel in der Einstellung der Chinesen gegenüber den westlichen Investoren. Nachdem die globale Wirtschaftskrise an China abgeperlt ist, wurde das Land zur weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft, zum größten Automarkt und generell zur gewinnbringendsten Absatzregion. Das hat das Selbstbewusstsein der chinesischen Regierung gegenüber dem Westen gestärkt. Sie zeigt jetzt offener, worauf es ihr eigentlich ankommt: Techniktransfer und größere internationale Anerkennung der eigenen Unternehmen. Bestimmte Investitionen sind nur noch möglich, wenn die westlichen Unternehmen ihre Geschäftsgeheimnisse offen legen.

Diese Strategie funktioniert. Die europäischen Unternehmen empfinden zunehmend chinesische Konkurrenz auch in Bereichen, in denen sie sich bis vor kurzem noch unangreifbar fühlte - wie etwa dem technischen Entwicklungsstand. "Die Unternehmen befürchten für die Zukunft noch deutlich mehr Wettbewerbsdruck", sagt EU-Kammerpräsident Cucino. Die Qualität und das Design der chinesischen Produkte haben in den vergangenen Jahren deutlich aufgeholt, zudem sind ihre Markennamen im In- und Ausland bekannter.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

Kommentare zu " Immer mehr Bürokratie: EU-Firmen befürchten Rückschlag in China"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Dem kann ich mich nur anschließen
    Wenn die Unternehmen, gerade auch die deutschen Firmen, so dämlich sind und das schon seit Jahren, und ihre Tecnik preisgeben, müßte man sie eigentlich vor Gericht stellen, da sie die Zukunft Deutschlands aufs Spiel setzen.
    Die Gier hatte Vorrang, das war es. Man wollte billigst produzeiren um sich die Taschen vollstopfen zu können.
    China wäre heute nicht so weit, wenn es nicht schon seit Jahren von europ. Unternehmen abkupfern würde.

  • Welch ein Wunder aber auch! Wie doof muss mann denn sein um das zu begreifen bzw. zu durchschauen? Japan hat es damals mit Reengineering gemacht, das brauchen die Chinesen gar nicht, denn willst Du hier produzieren musst Du mir alles dafür notwendige zeigen!?!?!?! Kurzfristiger Erfolg = langfristiger Nachteil durch gleichwertige Produkte zu niedriegen Preis! Der Wert eines Unternehmens spiegelt sich nicht nicht in seinem Aktienkurs sondern auch in seinen Innovationen und Gedankengut. Das wird verschleudert und zugänglich gemacht den Chinesen gegenüber. Also Manager dieser Welt, weniger "Erfolgsorientiert" mehr zur Nachhaltigkeit und Beständigkeit des Unternehmens beitragen! Der Wissenstransfer muss gestoppt werden damit die Unternehmen und Deutschland eine Zukunft hat.

  • Das ist dann wohl der Preis für den Ausverkauf deutscher Hochtechnologie auf freiwilliger Basis. Als Gegenleistung durften ein paar billige Arbeitssklaven unter erbärmlichen Bedingungen beschäftigt werden. Im eigenen Land sind die Arbeitsschutzgesetze ja soooo streng!

    Als Folge wurde in Deutschland der Arbeitsmarkt, die Sozialsysteme und die Zukunft unserer Kinder ruiniert. Ich kann nur hoffen, dass die Chinesen weiter Druck ausüben (im Idealfall enteignen) damit das endlich aufhört.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%