In deutschen Sozietäten bahnen sich strukturelle Veränderungen an – US-Law-Firms als Vorbild
Aufstieg zum Partner wird für Junganwälte immer schwerer

Junganwälten in Deutschlands Großkanzleien wird die finanziell lukrative Partnerschaft immer später angeboten. Zusätzlich führen immer mehr Kanzleien Buch über den Umsatz ihrer Mitarbeiter und üben dadurch Druck aus. Experten beurteilen die Entwicklung als eine strukturelle Veränderungen in den Kanzleien, die sich noch verschärfen wird.

HB DÜSSELDORF. In Deutschlands Großkanzleien staut sich zunehmend Frust an. Die angestellten Junganwälte, die Associates, müssen immer länger darauf warten, dass ihnen die finanziell lukrative Partnerschaft angetragen wird. „Es gibt hier jede Menge ältere Associates, die schon so lange in der Kanzlei sind, dass sie bald in die Partnerschaft aufgenommen werden müssten. Aber die wenigsten haben eine realistische Chance“, beklagt ein Associate aus dem Büro einer internationalen Großkanzlei in Düsseldorf.

Eine Entwicklung, die auch professionelle Marktbeobachter bestätigen: „Die Partneraufnahme wird in den Großkanzleien immer restriktiver“, sagt Christoph H. Vaagt, Geschäftsführer Deutschland bei der Kanzleiberatung Hildebrandt. Die Leverage, also das Verhältnis zwischen Partnern und Associates, steigt in den meisten Kanzleien an und liegt nicht selten bei 1:3 – was heißt, dass drei Associates einem Partner zuarbeiten. „Das ist eine strukturelle Veränderung in den Kanzleien, die sich noch verschärfen wird“, glaubt Vaagt.

Der Grund: Die Sozietäten streben nach der hohen Profitabilität der Top-Law-Firms in London und New York. Immer mehr Kanzleien führen Buch über den Umsatz ihrer Mitarbeiter – und machen Druck, wenn die Zahlen nicht stimmen. Es käme vor, berichtet Kanzleiberater Vaagt, dass Partner die Vorgabe erhielten, drei Mill. Euro zu erwirtschaften – selbst wenn der erzielte Umsatz momentan noch bei 500 000 Euro oder einer Million läge.

Die Partnern, die die Anforderungen nicht erfüllen, müssen mittlerweile genauso zittern wie leistungsschwache Associates. So prüfte etwa die Großkanzlei Linklaters kürzlich den Equity-Status von 19 Partnern, und trennte sich anschließend von denen, die nicht profitabel genug arbeiteten. „Die Partnerschaft ist nicht mehr eine Beziehung auf Lebenszeit, sondern eine Verbindung, die auf wirtschaftlichem Erfolg basiert“, sagt Vaagt. Für Roland Maaß vom Frankfurter Sitz der US-Kanzlei Latham Watkins ist die Überprüfung der Profitabilität eine wirtschaftliche Notwendigkeit. „Natürlich vergleichen wir Leistungen, schließlich sind wir keine Wohlfahrtsveranstaltung. Aber unsere Anforderungen werden allen Mitarbeitern offen gelegt. Das ist ein faires Vorgehen.“

Transparenz und Fairness haben sich noch lange nicht überall durchgesetzt. Fehlt sie, wird häufig Arbeit auf die Associates abgewälzt. „Natürlich gibt es noch Kanzleien, in denen sich der Partner zurücklehnt und den Associate machen lässt. Solange ihm deren Umsatz zugeschrieben wird, hat er ja nichts zu befürchten“, sagt der Recruitingmanager einer Großkanzlei. Latham Watkins halten – wie viele angelsächsische Kanzleien – Stundenvorgaben für ein gutes Instrument, um Transparenz und Gerechtigkeit zu schaffen: „So wälzt niemand Arbeit auf andere ab“, sagt Maaß. Partner und Associates müssen bei Latham 1 900 abrechenbare Stunden nachweisen. Deutsche Sozietäten stehen solchen Vorgaben dagegen oft skeptisch gegenüber. Sie halten dies für den Niedergang des „Freiberuflerdaseins“.

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