Indus entlässt verkaufsbereite Mittelständler peu à peu aus der Verantwortung
Alteigentümer sorgen für Stabilität

Ein kluger Unternehmer wird den Zeitpunkt erkennen, an dem er sich von seinem Unternehmen trennen muss. „Das kann ganz unterschiedliche Gründe haben. Eine ungelöste Nachfolgefrage, ein Streit zwischen Gesellschaftern oder eine gezielte Desinvestitionsentscheidung kommen ebenso in Betracht wie handfeste wirtschaftliche Probleme. Meistens kommen mehrere Gründe zusammen“, berichtet der Stuttgarter Wirtschaftsanwalt und Unternehmensberater Brun-Hagen Hennerkes über die Motivation, ein Familienunternehmen in fremde Hände zu geben.

DÜSSELDORF. Als potenzielle Käufer kommen zum einen industrielle Partner, beispielsweise direkte Wettbewerber aus dem In- und Ausland, in Frage. Aber ab einer gewissen Größenordnung werden Familienunternehmen auch für Kapitalbeteiligungsgesellschaften interessant. Dabei besteht für diese so genannten VentureCapital-Gesellschaften, zu Deutsch „Wagniskapitalgesellschaften“, der Charme einer Übernahme fast ausschließlich in der Hoffnung auf eine spätere komplette oder teilweise Veräußerung der Beteiligung – und zwar mit erheblichem Gewinn.

Wer – nicht nur aus sentimentalen Gründen – an der dauerhaften Erhaltung seines Lebenswerkes interessiert war, hatte bei einem Unternehmensverkauf bisher kaum andere Wahlmöglichkeiten. Doch da stößt die Indus Holding AG aus Bergisch-Gladbach mit ihrem Geschäftsmodell genau in diese bestehende Lücke. Denn sie ist an einer vollständigen Übernahme mittelständischer Unternehmen interessiert, ohne einen späteren Verkauf anzupeilen. Allein der – auch künftige – wirtschaftliche Erfolg der inzwischen 39 Unternehmen unter dem Dach der Mittelstandsholding war der Grund für ihre Akquisition.

Bei der Auswahl setzt die Indus Holding AG vornehmlich auf erfolgreiche Nischenanbieter der „Old Economy“. Automobilzulieferer, Maschinenbaufirmen oder Medizintechnikhersteller bilden den Kern der Beteiligungen. Ausdrücklich „keine IT-Unternehmen“ wie Indus-Chef Helmut Ruwisch mit Blick auf die unstete Entwicklung der noch jungen Branche betont.

Seit knapp einem Jahr im Portfolio der Indus befindet sich beispielsweise die MBraun Inertgassysteme GmbH aus Garching bei München. Unternehmensgründer Gerhard Hinrichs nimmt stufenweise Abschied von seinem Unternehmen, das unter anderem Arbeitsstationen für die Arbeit mit Schutzhandschuhen in einer kontrollierten Atmosphäre, so genannte Glove-Boxes, produziert. Zu den Kunden von MBraun gehört die US-Weltraumbehörde Nasa genauso wie die Weltkonzerne Siemens und General Electric (GE) sowie zahlreiche Universitäten. Mit 125 Mitarbeitern erwirtschaftet MBraun einen Jahresumsatz von 32 Mill. Euro.

Für Hinrichs, der innerhalb seiner Familie keinen geeigneten Nachfolger fand, läuft der Ausstieg nach Plan: Für eine gewisse Übergangszeit wird er noch die Geschäfte weiterführen, sich dann an der Suche nach einem neuen Geschäftsführer beteiligen und danach noch einen Beratervertrag erfüllen. So wird der 61-Jährige auch nach dem Ausscheiden aus dem operativen Geschäft dazu beitragen, das Unternehmen stabil zu halten. „Der Betriebsübergang ist eine ganz schwierige Phase“, bestätigt Indus-Chef Ruwisch. Der Abnabelungsprozess dauert mehrere Jahre, damit die lange gepflegten persönlichen Kontakte und das Know-how des Alteigentümers nicht verloren gehen.

Eine ganz spezielle Lösung fand sich für den Osnabrücker Autozulieferer Kieback GmbH & Co. KG. Unternehmensgründer Horst Kieback konnte sich durch den Verkauf des Herstellers von Autoteilen für Prototypen und Kleinserien an die Indus Holding AG die Finanzierung seines Lebensabends sichern, während Sohn Jörg die Firma als angestellter Geschäftsführer weiterführt. So merken die Geschäftspartner gar nicht, dass sich an den Eintumsverältnissen etwas geändert hat.

Jörg Kieback hält diese Kombination von Kieback und Indus für „ideal“. Denn dadurch, dass sich die Holding um alle Finanzierungs- und Steuerfragen kümmere, spare er „Zeit und Nerven“. Eine „riesige Entlastung“ spürt der 40-Jährige , zudem habe seine Familie einen „fairen Preis“ erzielen können und trotzdem eine Absicherung des Unternehmens für die nächsten Jahrzehnte erreicht.

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