Industrielle Massenproduktion
Biowirkstoffe revolutionieren industrielle Produktion

Immer mehr Biotechnik-Verfahren halten Einzug in die industrielle Massenproduktion. Vor allem bei der Herstellung von Kosmetika, Arzneien und Lebensmitteln kommen sie verstärkt zum Einsatz. Das Paradebeispiel für Anwendungen der so genannten "weißen" Biotechnologie ist die Herstellung eines Pflanzenkraftstoffs.

BREMEN. Getreide in Kraftstoff zu verwandeln, ist das Kapital von Claus Sauter. Der Vorstandsvorsitzende der Verbio Vereinigte BioEnergie AG in Leipzig forscht seit Jahren am Ersatzbenzin. "Wir sind der einzige Produzent, der Ethanol aus Roggen herstellt", sagt Sauter über seinen besonderen Ansatz. Möglich werde das durch einmalige biotechnische Verfahren, die das Unternehmen selbst entwickelt hat. Darüber, wie das genau funktioniert, hüllt sich der Verbio-Chef in Schweigen: "Ich kann nur soviel verraten: Unsere Technik kommt nicht von der Stange. Und genau das ist der entscheidende Wettbewerbsvorteil."

Mit der Herstellung von Biodiesel, Bioethanol und Biogas konnte Verbio seinen Umsatz im ersten Halbjahr 2008 gegenüber dem Vorjahr um 47 Prozent auf 299 Mill. Euro steigern. Damit zählt das Unternehmen mit 385 Mitarbeitern zu Deutschlands größten Biospritproduzenten.

Die Herstellung des Pflanzenkraftstoffs gilt als Paradebeispiel für Anwendungen der so genannten "weißen" Biotechnologie, bei der biotechnische Verfahren in der industriellen Massenproduktion zum Einsatz kommen: Um Bioethanol zu gewinnen, helfen beispielsweise genetisch veränderte Mikroorganismen. Sie steuern die nötige Fermentation von Zuckern aus Mais, Getreide oder organischen Abfällen.

Auch in anderen Branchen arbeiten Unternehmen fieberhaft an der Umstellung auf biotechnische Herstellungsverfahren: Noch liegt ihr Anteil in der chemischen Industrie erst bei rund fünf Prozent. In den nächsten fünf Jahren könnte er schon auf 10 bis 20 Prozent steigen, schätzt das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Die Unternehmensberatung McKinsey prognostiziert gar, dass bis zum Jahr 2030 ein Drittel der Chemieprodukte auf Bio-Basis entstehen könnte. Das Volumen für Bio-Kunststoffe könne dann bei 10 Mrd. US-Dollar liegen.

"Das Wachstum der industriellen Biotechnologie ist nicht mehr aufzuhalten", bestätigt auch Gerhard Kreysa, Geschäftsführer der Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie. Hauptgrund sei die schnell voranschreitende Erforschung der Stoffwechselprozesse in den Zellen. "Mit den Methoden der Gentechnik gelingt es immer besser, in den Mikroorganismen bestimmte Stoffwechselwege zu favorisieren und andere zu unterdrücken", sagt Kreysa. Und das Innovationspotential der mikrobiologischen Stoffproduktion sei noch lange nicht ausgeschöpft. "Die heute auf fossilen Rohstoffen beruhenden Produktstammbäume der chemischen Industrie sind im Prinzip alle auf Biomasse umstellbar", berichtet er. "Die Marktdurchdringung industrieller Biotechnologie nimmt rapide zu." Am häufigsten komme sie bei Biopharmazeutika, Feinchemikalien, Zusätzen für Nahrungs- und Futtermitteln und bei Biopolymeren zum Einsatz. Enorme Erfolge seien insbesondere bei der biotechnologischen Produktion von Aminosäuren für die Lebensmittelindustrie zu verzeichnen.

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