Inflation
Russlands Wirtschaft läuft heiß

Die russische Wirtschaft wächst unvermindert stark. Die Inflation allerdings schmälert das Einkommen. Die Teuerung treibt die Russen in den Konsum. Experten erwarten einen noch stärkeren Preisanstieg.

MOSKAU. Wenn Dmitrij Medwedjew am 7. Mai sein Amt als neuer Präsident Russlands antritt, kann er sich auf eines verlassen: Die Wirtschaft des Landes wächst in diesem Jahr unvermindert stark – im ersten Quartal mit 8,1 Prozent. Wirtschaftsministerin Elwira Nabiulina sah sich deshalb schon veranlasst, ihre Wachstumsprognose für das Gesamtjahr von 7,1 auf 7,6 Prozent zu erhöhen.

Kehrseite der Medaille ist allerdings eine hohe Inflation, die bereits das verfügbare Einkommen der Russen schmälert: Seit März vergangenen Jahres kletterte die Teuerungsrate auf 13,3 Prozent. Und die Erwartung, dass es der Regierung in Moskau gelingt, die Inflation zu drücken, ist gering. Russlands Bürger, die sich in Umfragen eher besorgt über den Preisauftrieb als über Demokratiedefizite äußern, lassen sich an der Ladentheke dennoch nicht von der Teuerung bremsen. Der Konsum wächst schneller denn je, innerhalb eines Jahres um stolze 16,5 Prozent.

Experten der Deutschen Bank sehen darin aber nicht den puren Optimismus der Bürger, trotz der auf gut sechs Prozent gesunkenen Arbeitslosenquote. Vielmehr dürfte die Erwartung, dass die Teuerung – zum wiederholten Male in den vergangen 15 Jahren – die Ersparnisse wieder auffressen könnte, viele Russen zum Ausgeben animieren. Nach dem Motto: Wir geben das Geld aus, solange es noch etwas wert ist. Hinzu kommt: Die künstlichen Preisobergrenzen bei gewissen Lebensmitteln sollen nach der Amtsübergabe von Wladimir Putin an Medwedjew wieder fallen. Eine noch rasantere Preisrally könnte die Folge sein.

„Wir müssen lernen, mit der Inflation zu leben“, sagt Sergej Guriew, Direktor der New Economic School in Moskau. Dazu brauche es neue Wege, mit ihr umzugehen: Unternehmen sollten bessere Möglichkeiten bekommen, sich gegen die Teuerungsrisiken abzusichern. Die Regierung müsse die Inflation differenzierter anpacken. „Der Effekt auf die niedrigen Einkommensschichten ist wesentlich höher als auf den Durchschnitt“, so Guriew. Es mache daher keinen Sinn, allgemein Preise zu diktieren. Wichtiger sei es, dort zu unterstützen, wo Hilfe wirklich nötig sei, fordert der Ökonom.

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