Infrastruktur
Polen benötigt deutsches Know-how

Polen treibt mit Nachdruck den Ausbau seiner Infrastruktur voran. Vor der Fußball-Europameisterschaft 2012 muss das Verkehrsnetz noch stark erweitert werden. Zudem fehlen noch Hotelkapazitäten. Auch für ausländische Firmen ergeben sichgute Geschäftschancen. Deutsches Know-how, Ausrüstungen und Baubedarf sind gerade bei technisch anspruchsvollen Vorhaben gefragt.

WARSCHAU. Die verkaufte Produktion der polnischen Bauwirtschaft (Betriebe ab zehn Mitarbeiter) erreichte nach Angaben des Hauptamtes für Statistik (GUS) in den ersten sieben Monaten 2007 einen Wert von 29,4 Mrd. Zloty (Zl; rund 7,9 Mrd. Euro; 1 Euro = rund 3,7 Zl). Davon entfielen rund 24,8 Mrd. Zl auf Hoch-, Tief- und Wasserbauprojekte (+31,2 Prozent).

Im Bereich der Verkehrsinfrastruktur bietet der allmählich voranschreitende Autobahnbau noch ein breites Betätigungsfeld für die Bauindustrie. Wie aus dem Ende August 2007 vom Ministerium für Regionalentwicklung vorgestellten Programm hervorgeht, soll das grundlegende Autobahnnetz bis 2013 entstehen, zwischen 2014 und 2020 folgt der Bau weiterer Schnellstraßen. Am Autobahnbau werden auch ausländische Firmen beteiligt. Die Ausschreibungen tätigt die Generaldirektion der Landstraßen und Autobahnen, Generalna Dyrekcja Drog Krajowych i Autostrad (GDDKiA). Im Rahmen von PPP sollen Teilstücke der A2 (Berlin - Warschau) und A1 (vom Zentrum in Richtung Schlesien) gebaut werden. Die Liste der 350 Schlüsselprojekte im Wert von 42,5 Mrd. Euro ist im Amtsblatt Monitor Polski veröffentlicht. Auch die Eisenbahn soll bis 2012 modernisiert und das Schienennetz erneuert werden.

Auch die polnischen Städte investieren in ihre Verkehrsinfrastruktur. Die Stadt Warschau plant nicht nur die Verlängerung der ersten U-Bahnlinie, sondern auch den Bau einer zweiten für 1,8 Mrd. Euro, die rechtzeitig zur im Jahr 2012 in Polen stattfindenden Fußballeuropameisterschaft fertig werden und zu dem geplanten neuen Fußballstadion führen soll. Daneben werden Schnellbahnlinien geschaffen. Nach Warschau und Krakau werden auch in Lodz Schienen von 16 km Länge erneuert und zehn moderne Fahrzeuge für über 90 Mill. Zl beschafft. Die Gesamtkosten belaufen sich hier auf 300 Mill. Zl, wozu die EU 100 Mill. Zl beisteuert. Die Warschauer Stadtpräsidentin Hanna Gronkiewicz-Waltz möchte die Netze der Straßen- und Regionalbahnen verknüpfen und führte bereits eine gemeinsame Fahrkarte für verschiedene Bahnen ein.

Polens Flughafenkapazitäten müssen ausgebaut werden, um dem Ansturm der Billigflieger gerecht zu werden. Die Zahl der Passagiere überstieg im 1. Halbjahr 2007 8,6 Mill., das waren 27,4 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres; 2010 sollen es bereits etwa 25 Mill. sein. Daher möchte fast jede Wojewodschaft ihren eigenen Flughafen haben. Neun Airports sollen neu gebaut und die bestehenden erweitert werden. Das ehemalige Militärflugfeld Modlin im Nordwesten Warschaus soll künftig Low cost carrier- und Charter-Fluggäste abfertigen. Verschiedene ausländische Investoren zeigen sich an den Flughafen-Projekten interessiert.

Polen will seine Gaszulieferungen diversifizieren, um angesichts der geplanten Ostsee-Pipeline unabhängiger von Einfuhren aus Russland zu werden, deren Anteil an den Gesamtimporten bei 85 Prozent liegt. Über eine geplante neue Pipeline von Dänemark nach Polen soll norwegisches Gas eingeführt werden. Der Gasverbrauch beläuft sich auf rund 13,0 Mrd. bis 13,5 Mrd. cbm jährlich.

Eine neue Hafenanlage für Flüssiggas, Gazoport, mit einer Jahreskapazität von etwa 5 Mrd. cbm ist in Swinoujscie (Swinemünde) geplant. Sie soll Anfang 2011 in Betrieb genommen werden. Mit der Projektierung wurde die Firma SNC Lavalin Polska beauftragt. Allein der Gazoport wird nach neuesten Schätzungen umgerechnet rund 450 Mill. Euro kosten. Um das Gas zu den Abnehmern zu transportieren, sind im Inland außerdem Pipelines für etwa 650 Mill. Euro zu legen, so dass die Gesamtkosten 1 Mrd. Euro übersteigen. Verantwortlich für das Projekt ist die Gesellschaft Polskie LNG des Konzerns Polnische Erdölförderung und Gaswirtschaft (Polskie Gornictwo Naftowe i Gazownictwo, PGNiG). PGNiG will daneben bis 2015 rund 5 Mrd. Zl in die Erhöhung der Gasförderung im Inland investieren.

Die Pläne zum Bau des ersten Atomkraftwerkes in Polen werden allmählich konkreter. Investor soll der neue Energie-Koloss um die Stromleitungsnetze PSE mit dem vorläufigen Arbeitsnamen Polska Grupa Energetyczna (PGE) werden. Das 2020 zu übergebende Atomkraftwerk soll 13 Mrd. bis 14 Mrd. Zl kosten. Für seinen Bau fehlt aber noch ein Beschluss der Regierung. Insgesamt will PGE innerhalb von knapp zwei Jahrzehnten rund 120 Mrd. Zl für verschiedene Projekte aufbringen. Dabei geht es vor allem um den Bau neuer Kraftwerksblöcke und die Modernisierung des Starkstromleitungsnetzes. Dies erfordert Aufwendungen in Höhe von etwa 40 Mrd. Zl bis 2017.

Die notwendigen Finanzmittel sollen durch Kredite und Aktienemissionen generiert werden. Der Gruppe angeschlossen sind die Kraftwerksgruppen BOT, die der größte Energieerzeuger des Landes ist, und Dolna Odra sowie acht Verteilergesellschaften, die die Abnehmer direkt beliefern. Zu BOT gehören auch zwei Braunkohlebergwerke. Die Einnahmen von PGE sollen 2007 etwa 18 Mrd. Zl erreicht haben mit einem Gewinn von zwischen 1 Mrd. und 2 Mrd. Zl.

Ein weiterer Energiekonzern entstand um den zweitgrößten Erzeuger, Poludniowy Koncern Energetyczny (PKE, Südenergiekonzern). Der Energetyka Poludnie (EP) wurden außer 85 Prozent der PKE-Aktien die Verteiler Enion und EnergiaPro sowie das kleine Kraftwerk Stalowa Wola angeschlossen. Auch EP muss nun neu strukturiert werden. Bis 2020 will allein PKE fast 11 Mrd. Zl vor allem in neue Kapazitäten und Umweltschutzmaßnahmen investieren. Geplant sind neue Blöcke mit insgesamt 2.260 MW, die alte, umweltschädliche ersetzen. Laut Regierungsprogramm sollen noch zwei weitere, kleinere Energiegruppen gebildet werden.

Der schwedische Vattenfall-Konzern, dem die Warschauer Wärmekraftwerke gehören, baut bei dem im Süden der Stadt gelegenen EC Siekierki für 2 Mrd. Zl einen neuen Block mit einer Kapazität von 480 MW, den Vattenfall Heat Poland 2013 in Betrieb nehmen will.

Erneuerbaren Energiequellen wie Wind-, Wasser- oder Sonnenkraft kommt eine wachsende Bedeutung zu. Auch Biomasse als Brennstoff ist im Kommen. So plant das Wärmekraftwerk von Elbing, Elektrocieplownia Elblag, ab Mitte 2008 die Errichtung eines neuen Blocks für 100 Mill. Zl. Zu dem Biomasseblock werden zwei Dampfkessel und eine Dampfturbine mit einem Generator gehören, dessen Kapazität rund 20 MW betragen wird. Das zur Kapitalgruppe Energa gehörende Kraftwerk will den Block gegen Ende 2010 übergeben.

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