Ingenieurmangel
Direkter Draht zur Uni löst Nachwuchssorgen

Die konjunkturelle Erholung ist auch in der Messtechnikbranche spürbar. Damit sind Ingenieure – allen voran Elektrotechniker – wieder heiß begehrt. Doch die Zahl der Studierenden der Ingenieur- und Naturwissenschaften nimmt seit vielen Jahren kontinuierlich ab.

HB KÖLN. Ein wenig stolz ist Wolfgang Blessing schon auf die vergangenen vier Jahre. Gemeinsam mit seinem Partner Christian Schuldt gründete er 2002 die CS Messtechnik GmbH. Mittlerweile beschäftigen die beiden 24 Mitarbeiter – die Hälfte davon arbeitet in China. Im gleichen Tempo soll es auch weitergehen: Bereits im Mai nimmt das norddeutsche Unternehmen eine weitere zweite Produktionshalle in der Nähe von Villingen-Schwenningen in Betrieb. Interessant ist die Arbeitsteilung innerhalb des Messgeräte-Herstellers: Geforscht wird am chinesischen Standort, die Produktion erfolgt dann in Deutschland.

Die konjunkturelle Erholung ist auch in der Messtechnikbranche spürbar. Damit sind Ingenieure – allen voran Elektrotechniker – wieder heiß begehrt. Wurde Anfang der 90er Jahre noch der Überhang an Ingenieuren beklagt, werden sie über kurz und lang zur Mangelware. Die Zahl der Studierenden der Ingenieur- und Naturwissenschaften nimmt seit vielen Jahren kontinuierlich ab. Zudem scheiden die geburtenstarken Jahrgänge bald aus dem aktiven Arbeitsleben aus.

In zehn bis fünfzehn Jahren werden viele Unternehmen nach Aussage von Arbeitsmarktexperten ihren Arbeitskräftebedarf nicht mehr decken können. Und das schmälert die Wachstumschancen deutscher Unternehmen. Gerade kleine Messtechnikfirmen müssen daher rechtzeitig auf die Suche nach Verstärkung ihres Mitarbeiterteams begeben. Persönliche Kontakte zu Hochschulen und Instituten gehören zu den Erfolg versprechenden Strategien.

Darauf schwört auch Walter Schott, Geschäftsführer der Sios Messtechnik GmbH. 1991 als Spin-Off der Technischen Universität Ilmenau gegründet, beschäftigt der Hersteller von Präzisionsmessgeräten heute 25 Mitarbeiter. Die enge Kooperation mit der Hochschule ist dabei entscheidend für den Erfolg des thüringischen Unternehmens. Sios lässt in den Laboren der TU forschen und vergibt Praktikumsplätze an die dortigen Studenten. „So lernen wir die jungen Ingenieure früh kennen, und können einigen von ihnen nach Beendigung ihrer Ausbildung direkt einen Job bei uns anbieten“, sagt Schott. Sein Unternehmen liegt in einem Technologie-Park direkt neben der Uni. So bleiben die Wege kurz und der direkte Draht in die Labore erhalten. Auch die TU profitiert von der Zusammenarbeit: Sios finanziert teils direkt, teils über Förderprojekte Forschungsstellen in den Laboren.

Ein weiterer Trumpf für das thüringische Unternehmen sind die traditionell exzellenten Beziehungen der TU zu Forschungseinrichtungen in Mittel- und Osteuropa. Bereits zu DDR-Zeiten herrschte ein reger Austausch von Wissenschaftlern, heute kommen Ingenieure aus Russland, Polen oder der Ukraine nach Ilmenau. Die gut ausgebildeten Osteuropäer nutzen den Aufenthalt, um sich bei deutschen Unternehmen präsentieren zu können - und kehren meist gar nicht in ihre Heimatländer zurück, sondern finden eine Anstellung in der neuen Wahlheimat.

Einen Mangel an Nachwuchsingenieuren hat Walter Schott daher nicht zu beklagen: „Über das Arbeitsamt mussten wir noch nie gehen. Lieber suchen wir unsere Leute direkt an der TU.“ In diesem Jahr stellte Sios bereits zwei neue Mitarbeiter ein, im vergangenen waren es drei. Auch Wolfgang Blessing hat die Personalsorgen im Griff:.“Bei der Suche nach Ingenieuren nutzen wir oft unsere persönlichen Kontakte zu anderen Unternehmen in der Branche und Fachhochschulen in der Region. Ehe wir noch Inserate schalten können, melden sich bei uns Interessenten für den Job.“

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