Inhabergeführte Unternehmen
Familienunternehmer zeigen Einsatz

Viele inhabergeführte Unternehmen profitieren in der Krise von ihren konservativen Finanzstrukturen. Doch oft haben sie in den vergangenen Jahren große Teile ihres Eigenkapitals in Wachstum, mehr Effizienz und den Generationswechsel investiert. Nun müssen Familiengesellschafter einiges riskieren, um ihr Unternehmen zu sichern.

KÖLN. Götz Walter hatte einen langen Tag. Mehr als zwanzig Familiengesellschafter musste er in einer Gesellschafterversammlung von der Notwendigkeit einer Kapitalerhöhung überzeugen. Normalerweise bringt ihnen die Firma Geld. Jetzt sollen sie nicht nur auf Ausschüttungen verzichten, sondern auch noch eigenes Geld ins Unternehmen stecken. "Das kann vor allem bei größeren Gesellschafterkreisen schnell zum Reizthema zwischen den Familienmitgliedern werden", weiß Walter.

Der Unternehmensberater begleitet mit der BDE-Consulting GmbH Familienunternehmen bei strategischen Projekten. "In den vergangenen Jahren haben wir vor allem Schönwetter-Themen wie Wachstum, Markterschließung und Generationswechsel begleitet. In letzter Zeit stehen dagegen immer häufiger Krisen-Themen wie Restrukturierung und Sanierung auf der Agenda", berichtet Walter.

Denn auch Familienunternehmen spüren die Wirtschaftskrise. Zwar profitieren viele inhabergeführte Unternehmen jetzt von ihren konservativen Finanzstrukturen. Oft haben sie in den vergangenen Jahren aber auch große Teile ihres Eigenkapitals in Wachstum, mehr Effizienz und den Generationswechsel investiert - ihre Innenfinanzierungskraft ist nun zu schwach, um der Wirtschaftsflaute lange standzuhalten.

"Glücklicherweise haben Familienunternehmer eine sehr ausgeprägte Bereitschaft, ihre Firma in Krisenzeiten zu stützen", stellt Tom Rüsen vom Wittener Institut für Familienunternehmen fest. Der Familienforscher hat das Verhalten dieser Unternehmer in Krisenzeiten analysiert und blickt daher optimistisch in ihre Zukunft. "Familie und Firma sind bei diesen Unternehmen emotional verflochten. In guten Zeiten profitieren die Familien vom Unternehmen. In schlechten Zeiten sind sie aber meist bereit, auf Gewinnausschüttungen zu verzichten. Sie ziehen nicht ihr Kapital ab, nur weil es gerade einmal nicht gut läuft. Und sie schießen oft sogar frisches Geld nach, weil sie sich für Unternehmen und Mitarbeiter verantwortlich fühlen."

Auch Björn Köhnke zögerte nicht lange, als dem von seinem Urgroßvater gegründeten Hamburger Handelsunternehmen Dohr finanziell die Luft auszugehen drohte. Seit vier Generationen beliefert seine Familie die Fleisch- und Wurstwarenindustrie. 1911 hatte der Urgroßvater mit der Einfuhr von Naturdärmen aus China für deutsche Würste den Grundstein des Unternehmens gelegt. In der BSE-Krise brachen Köhnkes Vater neunzig Jahre später die Umsätze weg. "Wir hatten auf dem Tiefpunkt nur noch rund sechs Prozent Eigenkapital im Unternehmen", erinnert sich Köhnke.

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