Initiative Finanzstandort Deutschland legt nächsten Dienstag Maßnahmenbündel vor
Banken und Sparkassen kommen Mittelstand entgegen

Die deutschen Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken wollen gemeinsam etwas für den deutschen Mittelstand tun. Dies ist die zentrale Botschaft, die die „Initiative Finanzstandort Deutschland“ (IFD) am kommenden Dienstag (2.12.) nach dem Gipfeltreffen mit Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) und Bundesbank-Präsident Ernst Welteke an die kleinen und mittleren Unternehmen aussenden will.

FRANKFURT/M. Der IFD gehören Spitzeninstitute der deutschen Kreditwirtschaft an: Großbanken aus allen drei Lagern, Versicherungskonzerne, Börse, Bundesbank und Finanzministerium.

„Wir müssen aus der Verklemmung der Kreditfinanzierung heraus“, sagte ein Insider im Umkreis der IFD zum Handelsblatt. Heute gebe es einen gnadenlosen Preiswettbewerb um die Kunden mit den guten Bonitäten, während Firmen mit mittlerer oder schlechter Bonität kaum noch Zugang zur klassischen Kreditfinanzierung hätten. Die Kreditvergabe müsse sich für die Banken, die in diesem Geschäftsbereich in den letzten Jahren entweder rote Zahlen geschrieben oder nur geringe Gewinne erwirtschaftet hätten, wieder lohnen. Außerdem müsse der Prozess der Kreditvergabe für die kleinen und mittleren Unternehmen schneller, transparenter und einfacher werden.

Um dies zu erreichen, will die Kreditwirtschaft ein ganzes Bündel von Einzelmaßnahmen umsetzen. Die verschiedenen Arbeitsgruppen der IFD, die in den vergangenen Monaten diese Ziele erarbeitet haben, sollen sich im nächsten Jahr um konkrete Umsetzungsprojekte bemühen. Unter anderem ist vorgesehen, dass alle Institute die Standardisierung von Kreditprodukten vorantreiben. Als konkreter Ansatzpunkt ist die Entwicklung von „Krediten von der Stange“ als zusätzliches Angebot einzelner Institute vorgesehen, zumindest innerhalb der drei Säulen Privatbanken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen/Landesbanken. Eine säulenübergreifende Kreditfabrik, wie sie einmal vom Chef der staatlichen Förderbank KfW, Hans W. Reich, ins Spiel gebracht worden war, ist dies aber – noch – nicht. Ein weiteres Beispiel dafür, wie die Banken mehr Spielraum für die Kreditvergabe bekommen können, ist die Verbriefung und der Handel mit Kreditrisiken, die die IFD-Architekten vorantreiben wollen. Eine Vatiante ist die True-Sale-Initiative (TSI) der KfW und der großen Banken, die im Frühjahr starten und in den nächsten Wochen mit dem Kartellamt erörtert werden soll.

Darüber hinaus will die IFD neue Möglichkeiten für den Aufbau von Eigenkapital für den Mittelstand schaffen – die dünne Eigenkapitaldecke gilt seit langem als eines der größten Probleme des Mittelstands. Neue Produkte wie zum Beispiel Mezzanine-Finanzierungsinstrumente (Mischformen aus Eigen- und Fremdkapital) sollen die Angebote der Banken an die Unternehmen verbreitern. Zur Unterstützung dieses Prozesses hofft die IFD auf eine Verbesserung rechtlicher Rahmenbedingungen, etwa zur Änderung der Regelungen über eigenkapitalersetzende Darlehen. Die KfW hat angekündigt, in Kürze ein neues Mezzanine-Programm aufzulegen, und zwar über einen Förderkredit, der aus einem besicherten Kredit durch Geschäftsbanken und einem unbesicherten nachrangigen Förderkredit durch die KfW besteht.

Geplant ist zudem, dass die in der IFD zusammen geschlossenen Banken und das Land Hessen durch die Etablierung eines „Hessen-Fonds“ den Anstoß für die Öffnung des privaten Beteiligungsmarktes für den breiten Mittelstand geben. Zusätzliche Fonds mit anderen Bundesländern sollen folgen. Eine weitere Idee ist die Schaffung eines „Entry Markets“ für mittelständische Börsengänge. Die Unternehmen sollen nach der erfolgreichen Platzierung der Aktien für zwei Jahre durch einen Mentor betreut werden.

Hermann-Josef Knipper
Hermann-Josef Knipper
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