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Inkasso-Büros: Jetzt ist die Zeit der Inkasso-Unternehmen

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten sinkt die Zahlungsmoral und die Zahl der Mahnungen nimmt zu. Viele Firmen wollen den Verwaltungsaufwand verringern und lagern das Forderungsmanagement aus. Darum sind Inkasso-Unternehmen in der Krise besonders gefragt.

Auch der Geschirrspülmaschinen-Hersteller Winterhalter kooperiert mit Inkasso-Unternehmen. Quelle: Winterhalter
Auch der Geschirrspülmaschinen-Hersteller Winterhalter kooperiert mit Inkasso-Unternehmen. Quelle: Winterhalter

HAMBURG. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten sinkt die Zahlungsmoral. Das ist auch in der aktuellen Krise so. Der süddeutsche Geschirrspülmaschinen-Hersteller Winterhalter kennt diese Situation. "Wir schreiben momentan im Geschäftskundenbereich rund 50 Prozent mehr Mahnungen als im Vorjahr", sagt Finanzvorstand Viktor Faller. "Trotzdem müssen wir natürlich unsere Lieferanten bezahlen." Dadurch kann das Gleichgewicht zwischen Geldzufluss und-abfluss erheblich gestört werden.

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Vor diesem Problem stehen derzeit viele Mittelständler. Es sei denn, man steuert gegen oder hat entsprechend vorgesorgt, wie im Fall der Firma Winterhalter: Beste Gegenmaßnahme ist ein professionelles Liquiditätsmanagement. Vor allem gilt es, die Forderungen schneller zu realisieren. Faller: "Das ist sehr zeitaufwendig. In Zeiten wie diesen brauchen wir aber unsere Mitarbeiter für das Kerngeschäft." Deshalb hat Winterhalter schon vor fünf Jahren das Inkasso-Unternehmen EOS aus Hamburg beauftragt, sich um die säumigen Kunden zu kümmern. Faller: "So waren wir auf die krisenbedingten Außenstände bestens vorbereitet." Die einzige Veränderung in diesem Jahr: Während die Firma vor fünf Jahren noch drei Mahnungen schrieb, bevor sie die offene Rechung an den Inkassodienstleister schickte, wartet sie heute nur noch zwei Mahnungen ab.

Das Traditionsunternehmen Winterhalter mit etwa 1 000 Mitarbeitern erzielt rund 30 Prozent seines Jahresumsatzes von 175 Mio. Euro im Inland, den Rest im Ausland. Im vergangenen Jahr wurden 50 Prozent mehr Profi-Geschirrspüler als 2003 verkauft.

Das komplette Outsourcing des Forderungsmanagements im deutschen Geschäftskundenbereich hat sich ausgezahlt: Die Außenstände konnten um die Hälfte reduziert werden. Die Rechnungsverfolgung ist ein sensibler Bereich, und viele Unternehmer wollen sie nicht an einen externen Dienstleister geben. Finanzchef Markus Kohler: "Wir mussten aber unsere Buchhaltung entlasten. Das Zuordnen und Abschicken von Mahnungen an säumige Kunden und die anschließenden Gespräche mit Anwälten nahmen einfach zu viel Zeit in Anspruch." Das Management der Firma aus Meckenbeuren befürchtete vor allem, die Kunden zu verschrecken - unbegründete Sorgen. Faller: "Unser Inkasso-Unternehmen arbeitet absolut seriös, der Umgang mit den Kunden entspricht unseren Vorstellungen." Winterhalter hat mit EOS eine Rahmenvereinbarung getroffen. Darin enthalten ist zum Beispiel eine Vollmacht, Ratenzahlungen zu vereinbaren. "Vertrauen zum Dienstleister ist wichtig", erklärt Kohler. Nur, wenn die Inkasso-Firma genau so arbeite, als sei sie eine Abteilung des Auftraggebers, "ist eine Kooperation sinnvoll".

Die deutsche Inkasso-Branche wächst. "Das ist eine Folge der Wirtschaftskrise", erklärt Jochen Schatz, Geschäftsführer vom Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) in Berlin. Rechnungen werden heute oft spät oder im Falle einer Insolvenz gar nicht bezahlt. Auch Stephan Spieckermann, Geschäftsführer von EOS Deutschland, stellt eine "deutlich steigende Nachfrage" nach Forderungsmanagement fest: "Immer mehr Firmen lagern diesen Bereich aus. Ziel ist die Optimierung des Arbeitsaufwands. Die Arbeit von Inkasso-Unternehmen hilft dem deutschen Mittelstand, auch in Zeiten unruhiger See zu überleben."

Die Angebote der rund 1 400 Inkasso-Firmen zwischen Nordsee und Alpen sind unübersichtlich und nur schwer vergleichbar. Schatz: "Viele Unternehmen bieten neben Inkasso weitere Dienstleistungen wie Bonitätsprüfung, Mahnwesen oder Zahlungsüberwachung." EOS-Deutschland-Chef Spieckermann beispielsweise verspricht "exakt auf die Bedürfnisse des Kunden abgestimmte Leistungspakete" zu schnüren. Die meisten Anbieter erwarten, dass der Auftraggeber ihnen die Eintreibung sämtlicher Rechnungen überträgt, einige geben sich auch mit Einzelaufträgen zufrieden. Die Preise für die Dienstleistung sind laut Schatz "frei verhandelbar" und variieren je nach Rechnungssumme, Aufwand und Risiko. Der Verbandschef warnt vor schwarzen Schafen: "Seriöse Anbieter sind im Rechtsdienstleistungsregister registriert oder Mitglieder des BDIU." Er rät Firmen, die auf der Suche nach einem guten Geldeintreiber sind: "Schauen Sie sich die Methoden der Firmen genau an." Abzuraten sei von Anbietern wie der ehemaligen Briefkastenfirma Moskau-Inkasso, die mit Briefen in gebrochenem Deutsch Druck auf Schuldner ausüben wollte: "Wir kommen nicht um zu trinken Kaffee. Bezahlen Sie ihre Rechung, so bleiben wir gute Freunde."

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