Mittelstand

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Inkasso-Verband: Zahl der Insolvenzen wird wieder steigen

Schlechte Zahlungsmoral der Kunden und Konjunkturabkühlung - die Zahl der Pleitefirmen wird einer Prognose zufolge erstmals seit Jahren wieder steigen. Besonders eine Branche hat mit zahlungsunwilligen Kunden zu kämpfen.

Leere Taschen: Der positive Trend bei der Zahlungsmoral werde sich abschwächen. Quelle: dpa
Leere Taschen: Der positive Trend bei der Zahlungsmoral werde sich abschwächen. Quelle: dpa

BerlinDie Eintrübung der Konjunktur wird aus Sicht des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen wieder für mehr Insolvenzen sorgen. Zwar sei die Zahl der Firmenzusammenbrüche im vergangenen Jahr zum dritten Mal in Folge gesunken. Jetzt aber drohe wegen des abgeschwächten Wirtschaftswachstums ein Dämpfer, sagte BDIU-Präsident Wolfgang Spitz am Dienstag in Berlin. „Mit einem weiteren Rückgang ist nicht zu rechnen.“ Stattdessen geht der Verband davon aus, dass die Unternehmensinsolvenzen in diesem Jahr wieder auf 29.000 steigen.

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Der Frühjahrsumfrage des Verbands zufolge belasten vor allem hohe Zahlungsausfälle der eigenen Kunden die Unternehmen. Derzeit allerdings sei die Zahlungsmoral überraschend gut. Fast drei Viertel der 560 befragten Inkasso-Unternehmen gaben an, dass Rechnungen trotz Euro-Krise und Konjunktureintrübung im Vergleich zum Herbst 2012 besser oder genauso gut bezahlt würden. Spitz führte das auf niedrige Arbeitslosigkeit, stabile Verbraucherpreise und steigende Kaufkraft zurück.

Doch der positive Trend bei der Zahlungsmoral werde sich abschwächen, sagte Spitz voraus. Rund 40 Prozent der Unternehmen erwarten, dass Rechnungen bis Ende des kommenden Jahres schlechter bezahlt werden.

Die größten deutschen Firmenpleiten

  • Platz 16

    Schlott

    Druckerei/1480 Beschäftigte

    (Quelle: Statista)

  • Platz 15

    Hansa

    Pflegeheim/1600 Mitarbeiter

  • Platz 14

    Mäc Geiz

    Discounter/1600 Mitarbeiter

  • Platz 13

    Sellner

    Autozulieferer/1600 Mitarbeiter

  • Platz 12

    Escada

    Modekonzern/2200 Mitarbeiter

  • Platz 11

    Q-Cells

    Solarindustrie/2300 Mitarbeiter

  • Platz 10

    Schiesser

    Textilhersteller/2300 Mitarbeiter

  • Platz 9

    Edscha

    Autozulieferer/2300 Mitarbeiter

  • Platz 8

    Wadan-Werften

    Schiffsbau/2400 Mitarbeiter

  • Platz 7

    Honsel

    Autozulieferer/3000 Mitarbeiter

  • Platz 6

    Karmann

    Autozulieferer/3400 Mitarbeiter

  • Platz 5

    Quimonda

    Chiphersteller/4600 Mitarbeiter

  • Platz 4

    Manroland

    Maschinenbauer/6500 Mitarbeiter

  • Platz 3

    Woolworth

    Kaufhaus/9300 Mitarbeiter

  • Platz 2

    Schlecker

    Drogeriekette/25.000 Mitarbeiter

  • Platz 1

    Arcandor

    Handel und Touristik/52.000 Mitarbeiter

Besonders der Versandhandel hat Probleme mit der Zahlungsmoral seiner Kunden, hieß es. Im Handwerk, dessen Betriebe bei fehlenden Zahlungen besonders schnell in ihrer Existenz bedroht sind, habe sich die Lage dagegen gebessert. Ein besonders schlechtes Zahlungsverhalten wurde auch bei der öffentlichen Hand beobachtet. Leere Kassen verleiteten Städte und Gemeinden dazu, Fristen teils erheblich zu überschreiten oder durch Mängelrügen hinauszuzögern.

Problematisch ist dem Verband zufolge auch die hohe private Verschuldung. Jeder zehnte Verbraucher gilt als verschuldet und könne deshalb Rechnungen oft nicht begleichen. Jeder zwölfte Erwachsene in Deutschland hat Angst vor der Schuldenfalle. Das zeigt der Schuldnerklima-Index für das Frühjahr 2013, den die Auskunftei Creditreform am Dienstag in Neuss vorlegte. Demnach hätten 8,3 Prozent der Befragten häufig das Gefühl, dass ihnen die finanziellen Verbindlichkeiten über den Kopf wachsen.

„Zwischen sechseinhalb und sieben Millionen Bundesbürger haben so viele Schulden angehäuft, dass sie theoretisch einen Antrag auf ein Verbraucherinsolvenzverfahren stellen könnten“, sagte BDIU-Vizepräsidentin Marion Kremer. Sie haben Schulden bei Banken, Energieversorgern oder Onlinehändlern, durch Handy-Verträge oder das Fitnessstudio. Auch die Verschuldung junger Erwachsener sei ein steigendes Problem.

Für dieses Jahr erwartete der BDIU daher auch bei den Verbraucherinsolvenzen keinen Rückgang. Die rund 100 000 Verfahren, die derzeit jährlich bearbeitet würden, seien nur die Spitze des Eisbergs, sagte Kremer. Die geplante Reform der Verbraucherinsolvenz könne die Hemmschwelle zum Schuldenmachen noch weiter senken. Die Zeit bis zu einer möglichen Befreiung von Restschulden solle kürzer werden. Dadurch entstehe beim Verbraucher der Eindruck, er könne leichter von seinen Schulden runterkommen.

  • 23.05.2013, 16:01 Uhrlindenborn50


    Wäre es vielleicht sinnvoll, alles wieder abzufackeln? Das schafft Arbeitsplätze und trägt vielleicht ein bißchen dazu bei, der Überbevölkerung vorzubeugen.
    Ironie aus

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