Innenarchitektur
Beton avanciert zum Lieblingsbaustoff

Beton galt lange als unedles Baumaterial. Doch seit sich die graue Masse besser bearbeiten lässt, ist Beton der Marmor der Neuzeit und aus vielen modernen Küchen und Badezimmern nicht mehr wegzudenken. Selbst Möbel aus Beton werden immer beliebter.

HAMBURG. Günter Peterhoff kostete es ganz schön Nerven, bis er die bestellte Waschschale aus Beton mit Goldbeschichtung fertig hatte. "Das war sehr anstrengend und zeitraubend", sagt der Designer von der Firma "Form in Funktion" in Esslingen. Zusammen mit seinen Mitarbeitern baute er so manchen Prototypen. "Bis wir sicher waren", erinnert sich Peterhoff. Schließlich tüftelte Peterhoff ein Verfahren aus, bei dem das Echtgold aufgesprüht und fixiert wird. Nun fließt das Wasser golden schimmernd die Betonschale herab.

Ob in Bad oder Küche, die Möbel darin sahen über Jahrzehnte meist gleich aus: die Kücheneinbauten waren aus Holz oder Metall, die Bäder aus Kacheln und Keramik. Doch das war einmal. Derzeit hält Bambus im Bad Einzug, Luxus-Kunststoffe wie Corian sorgen für Design-Atmosphäre in der Küche. "Es wird viel mehr mit Materialien experimentiert als bisher. Das ist eine starke Tendenz im Innenausbau", sagt Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie in Bad Honnef.

Und es gehe in der Inneneinrichtung immer mehr darum, wie Ressourcen geschont und gespart werden können. Gefragt seien daher Materialien mit ökologischen Vorteilen wie etwa Wood-Plastic-Composites (WPC), die aus Kunststoff- und Holzspänen gemischt werden. Arbeitsplatten aus WPC werden nach Geismanns Ansicht künftig Spanplatten ersetzen. "Man verwendet recycelte Kunststoffe oder auch Gebrauchtholz und verbraucht dadurch weniger wertvolle Materialien."

Der auffälligste Trend ist aber der Einsatz von Sichtbeton in der Wohnung. Die britische Stararchitektin Zaha Hadid bezeichnet Beton als "samtig" und "irgendwie sexy", ihr japanischer Kollege Tadao Ando nennt ihn den "Marmor des 20. Jahrhunderts". "Beton wird im Innenausbau zunehmend beachtet", sagt Volker Albus, Professor für Produktdesign an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe.

Ob als Küchenarbeitsplatte, Dusche, Sideboard, Lautsprecherbox oder gar Heizkörper: "Die Leute interessieren sich verstärkt für Möbel aus Beton", beobachtet auch Jan-Marc Kutscher, Geschäftsführer des Kölner Unternehmens Werkform, das seit rund zehn Jahren Objekte aus dem Material fertigt.

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