Innovationen
Tipps von den Tüftlern

Um Innovationen zu forcieren, spannen Mittelständler immer häufiger ihre Kunden und Geschäftspartner ein. Doch eine Öffnung des Unternehmens stößt nicht überall auf Zustimmung. Noch immer haben viele Unternehmen Angst, Kunden an ihrer Entwicklung teilhaben zu lassen. Dabei könnte diese Zurückhaltung durchaus verhängnisvoll sein.

HB. Mattgrünes Gehäuse, zwei abgewinkelte Griffe - so sahen die Bohrmaschinen von Metabo in den vergangenen Jahren aus. Dagegen wirkt der neue Multihammer P 7911 des schwäbischen Familienunternehmens aus Nürtingen bei Stuttgart wie eine Laserwaffe aus einem Star-Wars-Film. Das Teil im Porsche-Design hat mit der gewohnten Metabo-Optik so gut wie nichts mehr gemein. Nur noch ein Griff statt zwei, und der oben statt unten, das Gehäusehinterteil verleiht dem Gerät die nötige Stabilität. Der Bohrer wird dadurch handlicher und soll, geht es nach Metabo, vor allem Frauen begeistern.

Das schicke Gerät verdankt seine Form einer neuen Methode, Produkte zu entwickeln. Im Gegensatz zu früher hat Metabo, noch bevor die Idee geboren war, Kunden und Hochschuldesigner in die Entwicklung miteinbezogen: "Vor zwei Jahren haben wir unsere Innovationsprozesse nachhaltig geöffnet", sagt Patricia Lorek, die bei Metabo für Innovation und Design sorgt.

Damit zählt Metabo zu den ersten Mittelständlern, die bei Neuentwicklungen gezielt die Grenzen des eigenen Unternehmens überschreiten. Große Unternehmen haben es erfolgreich vorgemacht: Der dänische Spielzeughersteller Lego oder der US-Konsumgüterproduzent Procter & Gamble ("Pampers", "Ariel") nutzen schon seit Jahren die Ideen von Kunden, Geschäftspartnern und Hochschulen für neue Produkte. Procter & Gamble lässt junge Eltern etwa im elektronischen Dorf "Pampers-Village" die neuesten Pflegetipps für Babys austauschen - und erhält dadurch Hinweise, wie sich die Windelhöschen verbessern lassen.

Das zahlt sich für die Unternehmen in barer Münze aus: Unternehmen, die Kunden und Geschäftspartner mitentwickeln lassen, sind innovativer und können außerdem ihre Produkte besser verkaufen, hat Professor Nikolaus Franke festgestellt. Franke lehrt am Institut für Entrepreneurship und Innovation der Wirtschaftsuniversität Wien und ist zudem wissenschaftlicher Leiter der deutschlandweiten Mittelstandsinitiative "Top-100", die von der Benchmarking-Agentur Compamedia aus Überlingen am Bodensee organisiert wird und innovative Unternehmen kürt.

Laut Franke arbeiten 96 der innovativen, mittelständischen Top-100-Unternehmen in Deutschland intensiv mit Kunden zusammen. Ähnlich inspirierend wirkt sich danach auch die Kooperation mit Forschungseinrichtungen oder gar Wettbewerbern auf den Erfolg des Unternehmens aus. Dagegen setzen Unternehmen, die nicht zur Innovations-Elite gehören, die gemeinsame Projektarbeit deutlich seltener ein (28 Prozent).

Trotz dieser klaren Vorteile haben aber immer noch viele Unternehmen Angst, sich zu öffnen und Kunden an der Entwicklung teilhaben zu lassen. Viele Mittelständler fürchten sich vor Informations-Lecks - die dann von Konkurrenten ausgenutzt werden könnten. Johann Füller von der Hyve AG in München, einer Innovationsberatung, hält dagegen: Auf Konferenzen erfahre man doch sowieso, was die Konkurrenz vorhabe - ebenso durch Mitarbeiter, die das Unternehmen wechselten.

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