Innovationsfreudige Unternehmen wollen ihre Position gegenüber Banken stärken
Neues Bewertungsverfahren macht Patente kreditfähig

Die Vereins- und Westbank (VuW) in Hamburg will Unternehmen mit hoher Innovationstätigkeit nun entgegen kommen und in einem Pilotprojekt patentbesicherte Kredite anbieten.

DÜSSELDORF. „Wenn Unternehmen selbst entwickelte Patente als Kreditsicherheit einsetzen könnten, wäre das die größte Innovationsförderung für Deutschlands Mittelstand“, sagt Michael Kuckartz, Leiter des Patent-Centrums der Handelskammer Hamburg. Denn kleine und mittelständische Betriebe seien zwar sehr innovationsstark, oft fehle ihnen aber das Geld, Patente in marktfähige Produkte umzusetzen. Bei Gesprächen mit Banken hätten sie schlechte Karten, weil Patente zunächst einmal nur Kosten bedeuten. „Bilanziell treten Patente nach HGB nur dann positiv in Erscheinung, wenn sie von anderen Unternehmen erworben wurden oder wenn Geld aus der Vergabe von Lizenzen fließt“, sagt Martin Zieger, Partner bei KPMG.

Die Vereins- und Westbank (VuW) in Hamburg will Unternehmen mit hoher Innovationstätigkeit nun entgegen kommen und in einem Pilotprojekt patentbesicherte Kredite anbieten. Später sei dann geplant, die Kredite als verbriefte Schuldverschreibung am Kapitalmarkt zu handeln, sagt Klaus Leusmann, Gesamtbankdirektor und Leiter des Bereichs Unternehmenssteuerung. „Wir streben an, Patente mit einer vergleichbaren Standardisierung und Systematisierung wie Immobilien zu bewerten“, sagt Leusmann.

Das Verfahren dazu liefert die IP Bewertungs AG (IPB). Hervorgegangen aus einer Tochter der Vereins- und Westbank, kennt sie die Ansprüche der Kapitalgeberseite. „Wichtig für Bewertungsverfahren bei Kreditsicherheiten ist, dass sie schnell und kostengünstig betrieben werden können, damit sie für das Massengeschäft tauglich sind“, sagt Karsten Müller, Vorstand der IPB. Der von seiner Gesellschaft entwickelte Ansatz erfülle diese Anforderungen. Im Gegensatz zu anderen Bewertungsmethoden, die beispielsweise Entwicklungskosten ansetzten oder auf Kaufpreisen ähnlicher Patente basierten, komme IPB ausschließlich mit öffentlich zugänglichen Informationen aus. „Wir schauen uns zum Beispiel an, in wie vielen Patentklassen (so genannten IPC) und Ländern ein Patent geschützt ist und bewerten diese Merkmale in einem sehr mathematisch- statistischen Verfahren“, sagt Müller. Zwar würden auch Markterwartungen berücksichtigt, aber eine individuelle Bewertung in Form von Gutachten wie sie Banken bisher präferierten, werde nur notwendig, wenn der ermittelte Wert eines Patents 5 Mill. Euro übersteige. Im Januar hat KPMG das IPB-Verfahren für das Kreditgeschäft der Vereins- und Westbank als geeignet befunden.

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