Innovative Wekzeugfabrikanten
Dübel für Dubai

Sie hängen zentnerschwere Steinplatten vor Hochhausfassaden – und das an nur millimetertiefen Schräubchen. Petra und Jürgen Bergfelder halten das nicht für beunruhigend, sondern für eine gute Geschäftsidee. Ein Besuch in ihrem Familienunternehmen, der Keil Werkzeugfrabrik.

Jürgen Bergfelder hält die Zukunft seines Familienbetriebs in der Hand. Der Dübel, den er stolz betrachtet, ist winzig, aber unverhältnismäßig kräftig. Der Tüftler freut sich über die Kraft des Kleinen wie über die eines Riesenbabys: „Er ist nur fingerkuppengroß, und trotzdem kann er einen Kleinwagen halten“, sagt der Geschäftsführer der Keil Werkzeugfabrik. Diese Kraft braucht der „Hinterschnittanker“ auch. Schließlich trägt er dafür Sorge, dass Steinplatten an Fassaden von Wolkenkratzern auch bei Wind und Wetter nicht herunterfallen.

Auch Bergfelders Frau Petra hat den kleinen Stahldübel ins Herz geschlossen. Während ihn der Gatte liebevoll aus der Warte des Techniknarren betrachtet, findet sie an dem Winzling eher als Kauffrau Gefallen. Die 47-Jährige zieht Fotos von Referenzobjekten hervor. „Die Zentrale von Gazprom in Moskau. In Montevideo, das zweithöchste Gebäude Südamerikas. Und hier, in Taipeh, eine Bahnstation, die 1999 ein schweres Erdbeben schadlos überstanden hat.“ Steinfassaden von mehr als 1000 Gebäuden hängen heute an Keildübeln. Das Besondere gegenüber anderen angeschraubten Fassaden: Ihre Oberfläche ist glatt. Von Schrauben und Muttern ist nichts zu sehen.

Das gefällt Architekten, hat aber seinen Preis. „Wer billig baut, macht eine Putzfassade“, sagt Jürgen Bergfelder. Was in Deutschland viele Bauherren nicht stört, kommt in Scheichtümern oder asiatischen Megacitys nicht infrage. Hier herrscht kein Geldmangel für Prestigebauten mit extravaganten Fassaden. Über 70 Prozent der Engelskirchener Anker gehen ins Ausland, Tendenz steigend. Bautechnik-Professor Alfred Stein von der Fachhochschule Trier, der viel von der Hinterschnitttechnik hält, stört sich an dieser Marktspaltung: „Das Entwicklerland Deutschland weiß seine eigene Technik nicht zu würdigen“, sagt er. Das Keil-System sei zwar anfangs teurer, spare aber langfristig Kosten. Die hohe Tragfähigkeit lasse eine geringere Plattendicke zu, was den Materialverbrauch verringere. Zudem dienten vorgehängte Fassaden als zusätzliche Dämmung, das senke den Energieverbrauch.

Für das alteingesessene Unternehmen Keil ist der Hinterschnittanker das Aushängeschild – und die Rettung. Das traditionelle Geschäft, die Produktion von Spezialbohrern, verliert an Bedeutung. Engelskirchen im Oberbergischen Land war einmal die Bohrerhauptstadt Deutschlands. Nur wenige Hersteller haben überlebt. Spezialisten wie Keil, die mit Konzernen wie Bosch konkurrieren, müssen sich etwas Neues einfallen lassen. So etwas wie den Dübel. Ein ähnliches Befestigungssystem hat nur der Schwarzwälder Branchenriese Fischerwerke im Angebot. Um in solcher Konkurrenz zu bestehen, wird das Dübelsystem ständig weiterentwickelt. Inzwischen hat das Unternehmen fast 50 Patente auf seine Befestigungstechnik angemeldet. „Unser Patentanwalt ist kein armer Mann“, sagt die Chefin, die zehn Prozent des Umsatzes in die Forschung und Entwicklung steckt.

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