Innovativer Mittelstand
Heimat der Tüftler

Der deutsche Mittelstand darf stolz auf sich sein: Als Entwickler finden die Betriebe immer wieder Innovationen, die wie für manche Nischen gemacht scheinen. Theoretisch könnte dies der Beginn einer außerordentlichen Erfolgsgeschichte sein. Praktisch jedoch könnte es mit etwas Systematik und Kapital noch viel besser sein.
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DÜSSELDORF. Wenn es tatsächlich einmal soweit sein sollte, dass Mediziner im Reagenzglas menschliche Ersatzteile aus körpereignenen Zellen züchten, dann will auch Reinhard Herrmann seinen Beitrag dazu geleistet haben. Herrmann ist Geschäftsführer des Unternehmens Aviso in Greiz-Gommla bei Gera. Mit seinen 60 Mitarbeitern entwickelt der ehemalige Carl-Zeiss-Manager optische Systeme, die Zellen erkennen, auswählen, erfassen und schließlich einzeln ablegen können. Zellernte heißt dieser Prozess im Fachjargon der Biotechnologen, und bisher ist das ein manueller, sehr aufwendiger Prozess. Mit einer von Herrmanns Neuentwicklungen, dem sogenannten CellCelector, soll das nun ganz automatisch klappen.

Den Innovationspreis des Landes Thüringen hat Aviso im vergangenen Jahr gewonnen, die ersten Geräte in alle Welt verkauft. Zu den Kunden zählen Universitäten, Institute und Unternehmen. Mit mehr als 20 Forschungseinrichtungen hält Herrmann ständigen Kontakt, um möglichst präzise auf die Wünsche seiner Abnehmer eingehen zu können und keine wichtige Entwicklung zu verpassen. Auch zu Unternehmen pflegt er enge Beziehungen. Und obwohl er sein Produkt derzeit für weltweit konkurrenzlos hält, ist er mit seiner Lage nicht ganz zufrieden. „Um wirklich durchzustarten", sagt er, "fehlt uns Wachstumskapital." Mehrere Gespräche mit Risikokapitalgebern hat er geführt. Interessiert waren fast alle, zugesagt hat noch keiner.

Aviso ist damit typisch für die Situation der innovativen Unternehmen des deutschen Mittelstands. Sie suchen die enge Bindung an Universitäten und Forschungseinrichtungen, sie vernetzen sich mit Kunden und Zulieferern, um deren Bedürfnisse optimal zu erfüllen. Sie investieren überdurchschnittlich in die Forschung und entwickeln Produkte, für die es weltweit eine Nische gibt. Sie haben erkannt, dass sie ihre Zukunft nur sichern, wenn sie ständig an Neuem arbeiten. Und sie haben häufig Probleme, für ihre Ideen genügend Kapital aufzutreiben, um sie wirklich erfolgreich auf den Markt bringen zu können. Außerdem fehlt ihnen oft qualifiziertes Personal, und die Bürokratie wirkt hemmend auf ihren Expansionsdrang.

Knapp ein Fünftel der deutschen Mittelständler gehört zu diesen Innovationsführern. Das zeigt eine Studie, für die das Forsa-Institut im Auftrag der von der Commerzbank initiierten Initiative "Unternehmerperspektiven" und der Wirtschaftswoche 4 000 Geschäftsführer und Eigentümer mittelständischer Unternehmen zu ihren Innovationszielen und Konzepten befragt hat. Als Innovationsführer gelten danach Unternehmen, die regelmäßig Forschung und Entwicklung betreiben, sich systematisch dem Thema Produktinnovation widmen und ihren Aufwand für Innovationen steigern wollen.

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