Inqa Unternehmens-Check

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Interview: „Mittelständler sind oft innovativer als große Konzerne“

Im Alltag wird oft improvisiert. Gerade kleine Firmen können nur von Auftrag zu Auftrag denken. Doch in Zukunft hat nur Erfolg, wer alle Möglichkeiten nutzt. Wie das geht, erläutern Experten der „Offensive Mittelstand“.

Ausbildung in der Glasfachschule in Zwiesel (Niederbayern): Für den Erfolg alle Möglichkeiten nutzen. Quelle: dpa
Ausbildung in der Glasfachschule in Zwiesel (Niederbayern): Für den Erfolg alle Möglichkeiten nutzen. Quelle: dpa

Welchen Herausforderungen stehen kleine und mittelständische Unternehmen gegenüber und wie können Sie bei deren Lösung unterstützt werden, um innovativ und wettbewerbsfähig zu bleiben? Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich die „Offensive Mittelstand – Gut für Deutschland“, ein Netzwerk der „Initiative Neue Qualität der Arbeit“.

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Helmut Ehnes und Oleg Cernavin von der „Offensive Mittelstand“ im Gespräch mit Handelsblatt Online über neue Möglichkeiten der Unterstützung mittelständischer Betriebe und den Inqa-Unternehmenscheck „Guter Mittelstand“.

Handelsblatt Online: Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Vor welchen Herausforderungen steht der Mittelstand aktuell und in absehbarer Zukunft?

Helmut Ehnes: Der wachsende internationale Wettbewerb, der demographische Wandel und der rasante Strukturwandel wirbeln die Arbeitsbedingungen durcheinander. Vieles, was heute noch stimmt, ist morgen bereits passé. Das Arbeitsleben wird dadurch immer intensiver, Zeit- und Wettbewerbsdruck nehmen kontinuierlich zu. Die zweite große Herausforderung besteht darin, gute Leute zu finden. Mitarbeiter, die diese Veränderungen bewältigen können. Schon heute bekommen viele Mittelständler den Fachkräftemangel deutlich zu spüren. Für kleine Unternehmen ist die Personalsuche eine riesige Herausforderung. Aber Veränderungsprozesse bieten immer auch große Chancen – die gilt es jetzt zu nutzen.

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Welche Potentiale sehen Sie hier?

Ehnes: Die Stärke des Mittelstands liegt bei den arbeitenden Menschen. Kleine Teams, die direkte Einbindung der Belegschaft in die Produktentwicklung und ihr unmittelbarer Kontakt zu Kunden – Mittelständler sind schneller, beweglicher und oft auch innovativer als große Konzerne. Flache Hierarchien sind schon wegen der Betriebsgrößen selbstverständlich und die Orientierung der Mitarbeiter am Produkt einerseits und an den Wünschen der Kunden andererseits ist sehr stark ausgeprägt. Deshalb finden wir unter den kleineren Unternehmen häufig auch besonders innovative und erfolgreiche.

Was können kleine und mittelständische Unternehmen hinsichtlich der Herausforderungen denn tun?

Helmut Ehnes ist Vorsitzender der Offensive Mittelstand. Quelle: PR
Helmut Ehnes ist Vorsitzender der Offensive Mittelstand. Quelle: PR

Ehnes: Der entscheidende Erfolgsfaktor liegt in den Mitarbeitern des Unternehmens: Wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zufrieden sind und Freude an der Arbeit haben, arbeiten sie motiviert und produktiv. Das fördert den Unternehmenserfolg, bindet gute Leute dauerhaft und macht das Unternehmen für neue Mitarbeiter attraktiv. Die Guten wissen deshalb, dass ihr Erfolg entscheidend von ihren Beschäftigten abhängt, und dass Erfolg kein Zufall ist. Er folgt klaren Regeln: Nötig ist ein systematisches Vorgehen und gute Führung, die Arbeitsbedingungen so gestaltet, dass Beschäftigte mit Freude arbeiten. Beschäftigte müssen die Strategie des Unternehmens kennen und verstehen, müssen wissen, welche Rolle sie darin spielen. Je besser es gelingt, Mitarbeiter einzubinden, umso größer sind Identifikation und Leistungsbereitschaft. Gute Führung heißt aber auch, sichere und störungsfreie Abläufe ebenso zu gewährleisten wie das Wohlbefinden und die Gesundheit der Beschäftigten im Blick zu haben. Unternehmen, die so vorgehen, lernen unentwegt – auch aus Fehlern.

Oleg Cernavin: Kleine Unternehmen haben es hier eigentlich leichter, weil die persönliche Nähe deutlich größer ist und Prozesse überschaubarer und direkter sind. Andererseits haben sie natürlich weniger Ressourcen zur Verfügung und gehen deshalb häufig nicht so systematisch und strategisch vor, wie es die größeren tun.

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