Insolvenz
Nici schockt Mittelstandsfinanzierer

Die Pleite des Plüschtierherstellers belastet den Markt. Nach Handelsblatt-Informationen war Nici gleich in vier Mezzanine-Programmen der deutschen Großbanken zum Zug gekommen, die jetzt allesamt mit einem Reputationsschaden zu kämpfen haben.

FRANKFURT. Die Insolvenz des Plüschtierherstellers Nici AG sorgt für erhebliche Unruhe im Markt für Mittelstandsfinanzierungen. Nach Handelsblatt-Informationen war Nici gleich in vier so genannten Mezzanine-Programmen der deutschen Großbanken zum Zug gekommen, die jetzt allesamt mit einem Reputationsschaden zu kämpfen haben.

Mezzanine-Finanzierungen, die zwischen Eigen- und Fremdkapital stehen, sollen die Brücke schlagen zwischen dem Finanzierungsbedarf der Mittelständler und dem internationalen Kapitalmarkt. Nach einem regelrechten Boom immer neuer Produkte ist der Markt mittlerweile auf zwei Mrd. Euro angeschwollen. Nici hat sich Branchenschätzungen zufolge etwa 30 Mill. bis 40 Mill. Euro über die verschiedenen Mezzanine-Programme beschafft.

Betroffen sind in zwei Fällen die Programme der Hypo-Vereinsbank (Produkt „Preps“), der Commerzbank („CB MezzCap“) und der Deutschen Bank in Kooperation mit der IKB Deutsche Industriebank AG („Equinotes“).

Da die Papiere nachrangig sind, werden jetzt diejenigen in- und ausländischen Investoren die Zeche zahlen, die die Tranchen mit dem höchsten Ausfallrisiko gezeichnet haben. Diese „first loss pieces“ oder auch „Junior Notes“ genannten Tranchen haben vor allem sehr wohlhabende Einzelpersonen und spezialisierte Vermögensverwalter (Family Offices) eingekauft, die jetzt das Nachsehen haben.

„Nici holt den Markt in die Realität zurück“, sagt Sami Chakroun, Managing Director bei der Capital Efficiency Group, die maßgeblich an der Produktentwicklung von „Preps“ beteiligt war. Beim Mezzanine-Boom habe man immer aus Marketinggründen die Chancen für den Mittelstand und die Investoren in den Mittelpunkt gestellt und die Risiken weggedrückt“, sagt ein Mezzanine-Experte einer deutschen Großbank. Jetzt sei der Erklärungsbedarf bei den ausländischen Investoren groß. Andererseits verleite die hohe Liquidität im Markt die Investoren offenbar zu riskanten Investments.

Indes verdichten sich die Hinweise, dass bei dem zahlungsunfähigen Plüschtier-Hersteller Bilanzbetrug im Spiel ist. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet in der heutigen Ausgabe, Wirtschaftsprüfer seien bei Nici in großem Umfang auf Scheinrechnungen und manipulierte Lieferscheine gestoßen. Der entstandene Fehlbetrag könne „etliche zehn Millionen Euro“ betragen. Im Zusammenhang mit den Vorwürfen hätten Staatsanwälte und Polizei am Donnerstag unter anderem die Nici-Zentrale und das Privathaus von Ex-Vorstandschef Ottmar Pfaff durchsucht. Die Staatsanwaltschaft hat für heute eine Erklärung dazu angekündigt.

Produkt mit Tücken

Konstruktion: Mezzanine soll die Kapitaldecke des Mittelstands stärken und institutionellen Investoren eine Risikostreuung erlauben. Die Banken bündeln dazu Mittelstandsforderungen in einer Zweckgesellschaft und platzieren sie am Kapitalmarkt.

Schwächen: Kernstück für viele Mezzanine-Programme ist ein quantitatives Firmenrating. Dabei wird die Qualität des Managements kaum beachtet, was sich im Fall von Nici womöglich als verhängnisvoll herausstellen wird.

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