Insolvenz-Studie Schuldenkrise befeuert Firmenpleiten in Südeuropa

Die lahmende Konjunktur in Europa zeigt deutlich Wirkung: In Griechenland, Spanien und Italien steigt die Zahl der Insolvenzen stark an. Doch auch in Deutschland drohen nach einer Creditreform-Prognose verstärkt Pleiten.
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Wachwechsel vor dem Parlamentsgebäude in Athen: Die Zahl der griechischen Unternehmensinsolvenzen stieg 2011 um gut 27 Prozent. Quelle: dapd

Wachwechsel vor dem Parlamentsgebäude in Athen: Die Zahl der griechischen Unternehmensinsolvenzen stieg 2011 um gut 27 Prozent.

(Foto: dapd)

DüsseldorfMit dem Druckmaschinenbauer Manroland, dem Autozulieferer Sellner und dem Tiefdruck-Dienstleister Schlott mussten im vergangenen Jahr drei große Arbeitgeber hierzulande den Weg in die Insolvenz antreten. Gleichwohl steht Deutschland bei den Unternehmensinsolvenzen im europäischen Vergleich besser da als viele Nachbarländer. Vor allem in Südeuropa waren deutlich mehr Firmen von der Pleite betroffen als noch 2010. Das geht aus der Studie hervor, die die Wirtschaftsauskunftei Creditreform heute in Düsseldorf vorgelegt hat. Creditreform-Vorstand Helmut Rödl würdigte die deutsche Wirtschaft mit ihren starken Exporten als „Konjunkturlokomotive“, mahnte aber auch das „bedenklich hohe Insolvenzniveau in Europa“ an.

Von einer drohenden Pleitewelle will Rödl jedoch nichts wissen: „Die Aussichten sind nicht rosig, zur Panik besteht aber kein Anlass.“ Creditreform prognostiziert für 2012 einen leichten Anstieg der Insolvenzen. Danach werden in Europa 177.000 (Vorjahr: 175.000) Unternehmen in die Pleite schlittern, in Deutschland werden es der Schätzung zufolge 32.000 (30.200) sein.

Schuldenkrise und lahmende Konjunktur sorgten bereits 2011 für einen starken Anstieg der Unternehmensinsolvenzen in Griechenland (plus 27,3 Prozent), Spanien (plus 18,7 Prozent), Italien (plus 16,9 Prozent) und Portugal (plus 17,1 Prozent). Dem gegenüber stand die vergleichsweise gute Entwicklung in Deutschland (minus 5,8 Prozent), Österreich (minus 7,0 Prozent) und den Niederlanden (minus 2,9 Prozent). Frankreich verbuchte ein Minus von drei Prozent, blieb mit 49.506 Insolvenzen dennoch der europäische Spitzenreiter vor Deutschland (30.200) und Großbritannien (18.571).

Insgesamt mussten in Europa (ohne die Länder Osteuropas) im vergangenen Jahr exakt 174.917 Unternehmen Insolvenz anmelden. Gegenüber 2010 bedeutet dies ein Plus von 0,3 Prozent. Dabei verloren 1,5 Millionen Arbeitnehmer ihre Jobs. In absoluten Zahlen steht Deutschland zwar deutlich vor Italien (11.792), Spanien (5.752) oder Griechenland (452). Dies erklärt sich aber vor allem durch den deutlich höheren Unternehmensbestand in Deutschland. Zudem gibt es in südeuropäischen Ländern seltener ein geregeltes Insolvenzverfahren. Viel häufiger wird dort der Weg der Geschäftsaufgabe beschritten. Schuld daran ist nicht zuletzt das unterschiedliche Insolvenzrecht der verschiedenen EU-Länder. So müssen etwa in Spanien die Gläubiger die Kosten eines Insolvenzverfahrens tragen.

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4 Kommentare zu "Insolvenz-Studie: Schuldenkrise befeuert Firmenpleiten in Südeuropa"

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  • langsam kommt der Mist hoch, den die da, wie es aussieht, fabriziert zu haben scheinen:

    Mafia als "Geschäftsmodell" zu bezeichnen: das bedeutete geradezu Geldwaschsalons mir seriös arbeitenden Unternehmen gleichzusetzen.

  • Soeben, 07. Februar 2012, 17:00 Uhr sehe ich daß ein
    Wahlbenachrichtigungsschein für einen "M. P.,
    App. 2 " auf unsrer Briefkastenanlage liegt. Ich gehe davon ausdaß es sich um die Wahl Oberbürgermeister Frankfurt/Main nach dem Rücktritt von Amtsinhaberin Roth handelt.

    Meine Wahlbenachcichtigung fehlt erneut.

  • Ah ja.

    2011: Deutschland -5,8%, Europa +0,3% ggü 2010.

    2012: Deutschland +6%, Europa +1,1% ggü 2011.

    Allerdings weden für D Äpfel und für EU Birnen gezählt, aber dennoch interessant...

    Wir werden sehen.

  • Die Kroeten (weiblich?/) CrÜtins beschweren sich übers erwischt worden sein beim Drogenlegen im Korruptionssumpf.

    War ja nicht etwa absehbar schon als vor ca. 15 Jahren die ersten Multimedia-CD-Roms die Brockhaus Drückerkolonne ablösten.

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