Insolvenzanwalt Bruno Kübler
Überflieger in rettender Mission

Insolvenzverwalter, Unternehmer, Verleger. Bruno Kübler trägt viele Hüte, und wechselt sie oft täglich. Schlaf findet er nicht so wichtig. Das Porträt eines "besessenen Arbeiters".
  • 0

KÖLN. Ein kalter Januarmorgen, 4 000 Meter über dem Ärmelkanal. Bruno Kübler düst mit knapp 300 Stundenkilometern durch die Lüfte. Mit geübter Pilotenhand lenkt der Insolvenzanwalt seine Propellermaschine in Richtung London, wo ein Schiedsgerichtstermin auf ihn wartet. Unter ihm ziehen graue Wolkenungetüme ihre Bahn, hinter ihm studiert Küblers Anwaltskollege ein letztes Mal die Akten.

Kurz vor der Landung knackt es plötzlich im Funklautsprecher. Der Londoner Tower informiert Kübler, er möge am Boden sofort sein Kölner Büro anrufen. Minuten später erfährt er, dass er als Verwalter eines Automobilzulieferers mit 1 000 Beschäftigten im Bergischen Land eingesetzt wurde. Kübler lässt sich beim Schiedsgericht entschuldigen und macht umgehend kehrt.

Zwei Stunden später taucht Küblers weiße Piper Seneca über dem verregneten Himmel von Köln auf. Noch in London hat sich der Verwalter die wichtigsten Daten des neuen Falls durchgeben lassen. Die nächsten Monate ist Kübler mit der Sanierung des Bremsbelagherstellers beschäftigt und kann den Gläubigern im Sommer dank der Fortführung des Betriebes und des Verkaufs an einen englischen Konzern die außergewöhnlich hohe Quote von 85 Prozent zusagen. Dann ist Kübler bereit für den nächsten Fall.

Kübler arbeitet bundesweit, viele andere nur vor eigener Tür

Der Verband der Insolvenzverwalter führt keine Statistik darüber, mit welchen Fortbewegungsmitteln ihre Mitglieder zu ihren Einsatzplätzen gelangen. Sicher jedoch ist, dass Bruno Kübler nicht nur in der Kategorie Mobilität seit mehr als 30 Jahren eine Sonderstellung einnimmt.

Während die meisten Vertreter seiner Zunft traditionell nur vor der eigenen Hoftür um Mandate buhlen, hat Kübler im Laufe der Jahre eine bundesweite Präsenz aufgebaut, ein Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern und Büros in 28 Städten. Und Kübler selbst, so scheint es oft, ist überall zugleich.

"Wenn es einen gibt, der die Ubiquität gern als persönliche Eigenschaft hätte, dann ist es Kübler", sagt Rechtsprofessor Reinhard Bork, der an der Universität Hamburg lehrt.

Bork kennt Kübler seit mehr als 20 Jahren und fragt sich immer noch, wie der Insolvenzverwalter es eigentlich anstellt, morgens in Dresden, mittags in München, abends in Köln zu sein - und dann nachts auch noch E-Mails beantwortet. "Er braucht nur vier Stunden Schlaf, darum beneide ich ihn sehr", sagt Bork. "Kübler ist wirklich im positiven Sinne ein besessener Arbeiter."

Seite 1:

Überflieger in rettender Mission

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Seite 5:

Kommentare zu " Insolvenzanwalt Bruno Kübler: Überflieger in rettender Mission"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%