Insolvenz: Wenn der Notarzt zum Retter wird

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Sehr rasch, innerhalb von maximal zwei Wochen, manchmal auch innerhalb der ersten beiden Tage, muss der Insolvenzverwalter ein Gefühl dafür entwickeln, ob es eine Überlebenschance gibt. Davon ist er bei dem oberhessischen Autozulieferer überzeugt, weil er an dessen Produkte glaubt. Zügig nimmt er Kontakt mit Lieferanten und Kunden auf, um deren Vertrauen zu gewinnen. Denn damit die Rettung gelingt, müssen daran auch andere Interesse haben. So ist es ein gutes Zeichen, "wenn die Kunden lauter schreien als die Lieferanten". In diesem Fall ist ausnahmsweise der Gesellschafter die treibende Kraft. Dieser vertraut auf eine profitable Zukunft des Betriebs nach der Krise und ist bereit, sich finanziell an einer Sanierung zu beteiligen.

Als Notoperation wählt Pfeil das Insolvenzplanverfahren, bei dem das Unternehmen in unveränderter Rechtsform saniert wird. Die zweite Möglichkeit ist eine übertragende Sanierung. Dabei wird der gesunde Kern eines insolventen Unternehmens herausgeschält, auf eine neue Gesellschaft übertragen und verkauft. Sie scheidet hier schon deshalb aus, weil sich kein Investor für den Standort in Oberhessen findet.

Wenn Unternehmen eine Insolvenz überstehen, haben sie laut Insolvenzverwalterverband VID danach sehr gute Zukunftschancen. Doch bis dahin ist es für Pfeil noch ein langer Weg. Zunächst einmal muss er nun die Mitarbeiter auf seine Seite ziehen. Schon in der ersten Woche nach dem Insolvenzantrag veranstaltet er eine Betriebsversammlung. Was ihn dort erwartet, weiß er vorher nicht. "Die Stimmung kann verbiestert oder unfreundlich sein. Die Stänkerer vom Dienst gibt es überall. Die gucken wissend: Erzähl Du mal, gleich komme ich." Diesmal aber sehen die Beschäftigten, denen der Arbeitgeber ein Monatsgehalt schuldig geblieben ist, in ihrem neuen Chef eher den Hoffnungsträger. Sie sind erleichtert, Klarheit zu haben. Pfeil vergleicht die Reaktion mit der eines Kranken, der sich lange gegen eine schwierige Operation gewehrt hat und sie schließlich doch als unausweichlich akzeptiert.

Für den Insolvenzverwalter ist der einstündige Auftritt in Oberhessen eine Gratwanderung. "Ich muss Leistungsträger halten und die Leute motivieren, darf ihnen die Wahrheit aber nicht verschweigen." Ohne Kündigungen wird Pfeil nicht auskommen. Die verfahrene Situation versucht er für die Mitarbeiter mit Galgenhumor erträglicher zu machen.

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