Insolvenzverwalter Kübler: "Wer nur vor sich hinproduziert, kommt unter Druck"

Insolvenzverwalter Kübler
"Wer nur vor sich hinproduziert, kommt unter Druck"

Der Insolvenzverwalter Bruno Kübler hat die Autozulieferer Happich und Sachsenring durch die Insolvenz geführt. Im Gespräch mit Handelsblatt Online erklärt er, warum trotz guter Konjunktur weitere Zulieferer pleite gehen werden, an welchen Problemen Unternehmen scheitern und wie sich diese vermeiden lassen.
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Handelsblatt: Autozulieferer wie Grammer und Leoni melden wieder gute Geschäftszahlen und der Export boomt. Hat sich das Geschäftsfeld Autozulieferer für Insolvenzverwalter wie Sie damit erledigt?

Bruno Kübler: Das glaube ich keinesfalls. Mit dem Aufschwung ist die Zahl der Insolvenzen rückläufig. Aber es ist leider auch eine allgemeine Erkenntnis, dass gerade in Zeiten des Aufschwungs Unternehmen mit etwas Zeitverzögerung insolvent gehen, weil sie Finanzierungsprobleme bekommen und die Banken sich dann doch eher mit der Vergabe von Krediten zurückhalten. Folge: Es tauchen echte Liquiditätsprobleme auf.

HB: Spitzt sich die Lage dann nicht eher zu, weil langfristige Investitionen getätigt werden müssen? Kommt die viel befürchtete Insolvenzwelle vielleicht also doch noch?

Kübler: Ob das gleich ein Tsunami wird, wie vor Jahren bereits vorausgesagt worden ist, bezweifle ich. Aber die Zahl der Insolvenzen wird gerade in dieser Branche weiter zunehmen. Das ist sicherlich keine falsche Prognose.

HB: Sie haben den Autozulieferer Happich auf dem Höhepunkt der Autokrise in der Insolvenz übernommen, saniert und dann einen Käufer für das Unternehmen gefunden. Wie optimistisch waren Sie, dass sie das Ruder noch würden drehen können?

Kübler: Happich hatte unabhängig von der Finanzkrise erhebliche Probleme, die in den Vorjahren bereits zu einem erheblichen Liquiditätsmangel und zur schlechten Lage des Unternehmens geführt hatten. Es gab zum Beispiel einen viel zu hohen Personalstamm.

HB: Das Problem wird das Management doch aber auch erkannt haben?

Kübler: Es gab zwar Versuche, die Zahl des Personals zu reduzieren, aber das ist außerhalb von Krisenzeiten erstens generell keine leichte Aufgabe und zweitens mit Blick auf dafür notwendige Sozialpläne auch ausgesprochen kostspielig. Erschwert wurde bei Happich die Lage dadurch, dass die Mitarbeiter im Schnitt bereits seit 28 Jahren dem Unternehmen angehörten. Die Löhne bewegten sich dementsprechend auf einem hohen Niveau von durchschnittlich 4000 Euro im Monat. Der Weg in die Zahlungsunfähigkeit war unabhängig von der Finanzkrise deshalb schon vorgezeichnet. Wir konnten die Personalkosten halbieren, was außerhalb der Insolvenz aber kaum zu schaffen gewesen wäre.

HB: Zu hohe Personalkosten - das klingt schnell nach individuellen Managementfehlern.

Kübler: Das ist kein spezifisches Problem von Happich allein. Viele ältere Unternehmen sind ähnlich strukturiert und haben nicht rechtzeitig ihre Personalstruktur angepasst - auch teilweise aus Scheu vor den hohen Kündigungskosten.

HB: Hat Happich auch strategische Fehler gemacht?

Kübler: Strategisch war Happich auf zwei Großkunden konzentriert, was natürlich zu einer gewissen Abhängigkeit geführt hat. Wenn dann beide Kunden einen starken Preisdruck ausüben, wird es für ein Unternehmen natürlich schnell schwierig. Das ist wieder eine Problematik, unter der viele Zulieferer leiden. Dazu gehört auch, dass Unternehmen sich nicht nur auf eine Branche fokussieren sollten, um bei einer Branchenkrise, wie sie etwa die Automobilindustrie erlebt hat, nicht gleich in Schieflage zu geraten. Uns ist es bei Happich in der Insolvenz gelungen, Verträge neu zu verhandeln und das Preisgefüge wieder zu optimieren. Wir haben zum Beispiel kürzere Zahlungsziele setzen können. So konnten wir einen positiven Umschwung erreichen, der auch für das Nachfolgeunternehmen noch anhält.

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  • Kübler und Junker ja sind beid voll im Geschäft,und das was er hier beschreibt hat hand und fuss,so war schon lange vor der insolvenz zu erkennen das Sachsenring einfach nur politisch gewollt als leuchturm in die landschaft gestellt wurde.Der Neue Markt ein Spiel für schnelle Kohle,da gehen nun mal windige Geschäftsführer aller Rittinghaus hin dann noch ein wenig Aufbau Ost kohle abgreifen,noch ein wenig im Fussballclub mitmischen,und sich feiern lassen,betriebsrat weiss nichts von alledem,und in siener WG wurde auch über Existensproblem nie geredet.Man haben die dick aufgetragen mit bilanzen DER Neue Markt hats ihnen gedankt die moral von der geschichte Ob Gewerkschaftsführer Stachel oder der betriebsrat waren so richtige arbeitnehmerverträääter,wies halt so üblich ist wenn man schnellen reichtum für wenige realisieren will.zum Schluss sollte dann Mc.Cansy noch mal das ding reissen um den letzte heller herrauszupressen.Unser Konig Kurt Scommer Gillo haben von nichts gewusst.Millbradt da war doch auch was Aktien glaube ich.Sachsensumpf sind gebiete die geschützt werden müssen.was ist eigentlich aus der Meerwasserentsalzungsanlage geworden auf de Sychellen,da war doch auch noch einiges im argen.

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