Institutionelle Investoren haben sich aus dem Markt für Risikokapital weitgehend verabschiedet
Innovative Gründer hängen am Finanztropf des Staates

Ohne Startkapital keine Firmengründungen, ohne Firmengründungen keine neuen Arbeitsplätze – auf diese einfache Formel lässt sich die Bedeutung des privaten Wagniskapitals für die Wirtschaft bringen. Doch der deutsche Markt für Venture Capital hat sich bis heute nicht von der Talfahrt erholt, die einsetzte, als die Internet-Blase platzte. „In Deutschland bietet sich im Frühphasenbereich weiterhin ein tristes Bild“, sagt Jürgen Schaaf, der als Analyst bei Deutsche Bank Research die weltweiten Beteiligungsmärkte verfolgt.

FRANKFURT. Mit Risikokapital werden junge Technologiefirmen und Dienstleister finanziert, die in der Gründerphase auf externes Kapital angewiesen sind. Da diese Unternehmen als besonders innovationsfreudig gelten, haben sie eine wichtige Bedeutung für den Forschungsstandort Deutschland. Und wenn es ihnen gelingt, ihre Produkte oder Dienstleistungen bis zur Marktreife zu entwickeln, können in den Wachstumsindustrien auch Tausende von neuen Arbeitsplätzen entstehen.

Milliardenschwere Transaktionen in den reifen Industrien haben jüngst den Blick auf die Misere bei den Gründern und Jungunternehmern verstellt, glaubt Schaaf: „Es mangelt an guten Unternehmensideen, außerdem haben die Investoren weiterhin keine Möglichkeit, ihre Investments an die Börse zu bringen.“ Ein Börsengang ist für die Beteiligungsfonds der wichtigste Weg, um aus ihren Investments auskömmliche Renditen zu erzielen. „Für dieses Jahr waren rund zehn Börsengänge geplant. Selbst dieses bescheidene Ziel wird bei weitem verfehlt werden“, so Schaaf.

Die fehlende „Exit“-Möglichkeit aus den Beteiligungen via Börse ist ein zentrales Hindernis für die Bewältigung der Venture-Capital-Krise in Deutschland. Denn die drei Phasen des Geschäfts – Mittelaufnahme („Fundraising“), Investition und Ausstieg aus den Beteiligungsfirmen – sind untrennbar miteinander verbunden. Fällt ein Glied der Kette aus, leidet der gesamte Markt.

Deshalb fordert der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), Thomas Kühr, einen Ersatz für den früheren Neuen Markt, um wieder über ein Börsensegment für junge Technologiefirmen zu verfügen. Da die US-Technologiebörse Nasdaq den Abschwung besser überstanden habe, sei dort der Motor für Börsengänge schon wieder angesprungen. Der deutsche Beteiligungsmarkt befinde sich dagegen derzeit in einer sehr kritischen Phase, betont Waldemar Jantz, einer der Gründer des Wagnisfinanzierers Target Partners. Die noch rund 20 bis 25 aktiven privaten Gesellschaften hätten kaum noch Mittel in ihren Fonds und müssten sich an institutionelle Investoren wenden, um aus neuen Fonds die notwendigen Folgefinanzierungen für die Unternehmen in ihren Portfolios zu gewährleisten. „Meine größte Sorge ist, dass viele Fonds neues Geld brauchen und 2005 gleichzeitig auf die Investoren zugehen“, so Jantz.

Aber die institutionellen Investoren in Deutschland haben sich aus dem Beteiligungsmarkt für Gründer weitgehend zurückgezogen. Nach den Erfahrungen aus den Totalabschreibungen zwischen 2000 und 2003 haben viele Banken und auch einige Versicherungen dem Markt den Rücken gekehrt. Jetzt hoffen Risikokapitalgeber wie Target Partners auf US-Adressen und europäische Pensionsfonds.

Die Politik hat die Gefahr für den Innovationsstandort Deutschland inzwischen erkannt. Zumindest für eine Übergangsphase könnte der vom Bund geplante, 250 Mill. Euro schwere „Startfonds“ für junge Technologieunternehmen die Durststrecke überwinden helfen. Stärkere Hoffnungen ruhen derzeit noch auf dem Anfang des Jahres gegründeten Dachfonds für Beteiligungskapital, der direkt Mittel an Venture-Capital-Fonds verteilt. Die Einlagen von 500 Mill. Euro steuern je zur Hälfte der Bund und der Europäische Investitionsfonds (EIF) bei. Nicht gut steht es derzeit um den ebenfalls geplanten Gründerfonds: Denn die Finanzierung dieses mit 240 Mill. Euro gefüllten Topfes ist eng an die Aufhebung der Eigenheimzulage im Wohnungsbau geknüpft.

Ohne den Staat würde die Innovationsfinanzierung in Deutschland also wohl endgültig zusammenbrechen. Das gilt vor allem für die Frühphase (Seed), wenn es um die Finanzierung von reinen Geschäftsideen oder anfänglichen Durststrecken geht, in denen noch keine Umsätze erwirtschaftet werden: „Im Bereich der Seed-Finanzierung erwarten wir für dieses Jahr keine Belebung“, sagt Uwe Fleischhauer von der Beratungsgesellschaft Mackewicz & Partner. „Im Gegenteil – der Anteil droht auf eine verschwindend geringe Bedeutung zurückzufallen.“

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