Intellectual Property: Kredite auf geistiges Eigentum

Intellectual Property
Kredite auf geistiges Eigentum

Bislang galt die Regel: Kredit bekommen nur Unternehmen, die Maschinen, Fahrzeuge oder Immobilien als Sicherheiten stellen können. Weitgehend unbekannt hingegen ist, dass es „gutes Geld“ auch für Marken und Patente gibt.
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FrankfurtAuch wenn es selten genutzt wird: Marken und Patente stellen vor allem bei innovationsstarken Unternehmen einen der wichtigsten Wertfaktoren dar. Das sogenannte Intellectual Property (IP) erfüllt dabei alle Anforderungen wie Fungibilität und juristische Verwertbarkeit. Alternative, auf geistigem Eigentum basierende Finanzierungslösungen bieten daher interessante Möglichkeiten - zunehmend auch für Mittelständler.

IP birgt großes Potenzial: Auf über 32 Milliarden Euro wird der Wert der selbst entwickelten Patente vom Institut der deutschen Wirtschaft hierzulande eingeschätzt. Aber lediglich bei zwei Prozent aller besicherten Finanzierungen in Deutschland werden nach Daten der KfW-Bank Sicherheiten durch geistiges Eigentum gestellt.

Mittlerweile bietet der Finanzmarkt eine Vielzahl von auf IP basierenden Finanzkonstruktionen an, die eine gewinnbringende Verwendung von Marken und Patenten erlauben. Die Kreditbesicherung durch IP eignet sich vor allem für nicht börsennotierte Unternehmen. Allerdings sollten die Cash-Flows der Marken oder Patente bereits markterprobt sein.

Erprobtes Verfahren

Im Rahmen eines Sale-and-Lease-Back-Verfahrens werden immaterielle Vermögenswerte etwa an eine Objektgesellschaft veräußert und anschließend zur Nutzung an das Unternehmen zurücklizenziert. Vorteil: Die operative Markenführung verbleibt beim Unternehmen. Allerdings kommen in der Regel nur starke Marken infrage, die einen signifikanten Anteil an der Wertschöpfung haben. Bekannte Beispiele für das Marken-Sale-and-Lease-Back in Deutschland sind Asbach Uralt und Closed Jeans.

Dennoch lässt sich in Deutschland bislang nur eine zögerliche Nutzung von IP-Finanzierungen feststellen. Das hängt im Wesentlichen mit Unsicherheiten der Banken hinsichtlich der verlässlichen Wertermittlung des IP und der vermeintlichen Diskrepanz von Bewertungsverfahren zusammen. Aus diesem Grund haben sich in den vergangenen Jahren mehrere Initiativen mit dem Ziel der Standardisierung von immateriellen Vermögenswerten gebildet.

Fachverbände erarbeiten Standards

So hat beispielsweise der Arbeitskreis der Initiative Finanzstandort Deutschland den Entwurf des Standards „Grundsätze zur Bewertung von Patenten bei der Verwendung als Kreditsicherheit“ vorgelegt. Parallel dazu hat das Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. (IDW) den Standard S5 „Grundsätze zur Bewertung immaterieller Vermögenswerte“ entwickelt.

David Cayet ist Managing Partner und Stefan Herrmann ist Direktor bei Accuracy Deutschland.


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