Intelligente Netze
Installateure hoffen auf digitale Stromzähler

Intelligente Stromzähler sind ab 2010 bei Modernierungen und Neubauten Pflicht. Auf lange Sicht müssen 44 Mio. Stromanschlüsse in Deutschland umgerüstet werden. Darum wittern nicht nur Telekom und Google das große Geschäft - auch Gerätehersteller und Handwerker wollen mitverdienen.

KÖLN. In Baden-Württemberg hat der Umbau der Stromnetze schon begonnen. Seit Oktober 2008 können alle Kunden des Energieversorgers EnBW ihren alten Stromzähler gegen ein "Smart Meter" tauschen. Der digitale Stromzähler sendet die Verbrauchsdaten des Kunden in Echtzeit an dessen DSL-Router. Und der dann sekundengenau auf den Computerbildschirm. Der Verbraucher werde damit zum "hauseigenen Energiemanager", verspricht Stefan Eller, Projektleiter Smart Metering bei EnBW. "Nur wer seinen Verbrauch kennt, kann ihn auch steuern."

Was in anderen europäischen Ländern längst gängige Praxis ist, soll nun auch in Deutschland kommen: Ab 2010 wird der Einbau intelligenter Stromzähler in Neubauten und bei Modernisierungen Pflicht. Ab 2011 müssen die Energieversorger flexible Tarife anbieten; nachts wird der Strom dann preiswerter. Der Gesetzgeber verspricht sich davon ein effizienteres Stromnetz - die Industrie verspricht sich einen neuen Wachstumsmarkt.

Neben den Energieversorgern wollen jetzt auch Gebäudetechniker, Elektroinstallateure und IT-Firmen dem Stromnetz mehr Grips verpassen und damit Geld verdienen. Das smarte Stromnetz braucht eine komplett neue Mess-Infrastruktur, mit der sich die Verbrauchsdaten aller angeschlossenen Haushalte auswerten und sogar Haushaltsgeräte fernsteuern lassen. Zusätzlich zur technischen Umrüstung entstehen neue Dienstleistungen rund um das Strommessen-ein Markt, der ohnehin erst seit kurzem liberalisiert ist und neue Anbieter auf den Plan ruft.

"Wir sehen hier eine ganz große Chance für elektrohandwerkliche Betriebe", sagt Bernd Dechert, Geschäftsführer Technik beim Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH). "Innerhalb der kommenden fünf Jahre wird sich ein Markt für intelligente Stromnetze entwickeln, und auf dem kann das Elektrohandwerk eine wichtige Rolle spielen." Die Elektroinstallateure wollen ihre Kompetenz nicht nur beim Einbau intelligenter Haustechnik ins Spiel bringen, sondern auch bei Wartung, Beratung und anderen Dienstleistungen rund um das Strommessen und den effizienten Energieverbrauch.

Auf das Dienstleistungsgeschäft haben auch die Gerätehersteller ein Auge geworfen - zum Beispiel der Schweizer Smart-Metering-Anbieters Landis + Gyr. "Wir decken mit unseren Produkten und Dienstleistungen die gesamte Wertschöpfungskette ab", sagt Peter Heuell, Deutschland-Chef des Spezialisten, der mit einem Umsatz von weltweit mehr als einer Milliarde US-Dollar nach eigenen Angaben Weltmarktführer für Energiemanagement-Lösungen ist. In Deutschland hat das Unternehmen bereits mehrere zehntausend intelligente Zähler installiert und will sich mindestens ein Viertel der Neuinstallationen sichern. "Wir rechnen mit bis zu 400 000 Neuinstallationen allein im Jahr 2010", frohlockt Heuell.

Auch der Metering-Spezialist Görlitz will nicht nur die Hardware für das schlaue Stromnetz liefern, sondern auch Dienste dazu anbieten. Dazu arbeiten die Koblenzer mit dem Münchener Energiedienstleister Enseco zusammen. Görlitz liefert die Hardware, also intelligente Haushaltszähler, außerdem das zentrale System zur Erfassung und Verteilung der Daten. Enseco installiert und betreibt das System. "Damit ist der gesamte Smart-Metering-Prozess komplett abgedeckt", sagt Thorsten Causemann, Leiter Produktmanagement bei Görlitz. "Auf diese Weise erleichtern wir den Stadtwerken den Einstieg enorm."

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