Interessenten aus Asien
Die neuen Käufer aus Indien

Mittelständische Unternehmen müssen sich bei Verkaufsverhandlungen immer häufiger auf strategische Käufer aus asiatischen Wachstumsmärkten einstellen. Indische Unternehmen sind dabei die größte Einkäufergruppe. Derzeit gibt es mehr Anfragen als bedient werden können. Und davon profitieren verkaufswillige Unternehmer.

FRANKFURT. Garne und Zwirne waren lange das Leben von Leopold Schoeller. Denn darum drehte sich das Geschäft des Dürener Familienunternehmens Schoeller Textil, das vor mehr als hundert Jahren im Textilgeschäft startete. Kein leichtes Geschäft heutzutage mit der Billigkonkurrenz aus dem Ausland. 1999 holte Schoeller zum Befreiungsschlag aus. Er verlagerte die Produktion mit rund 750 Beschäftigten nach Tschechien und beließ nur einen kleinen Vertriebsteil in Deutschland. Doch dann stieg der Kurs der Krone, der vermeintliche Kostenvorteil der Verlagerung schrumpfte ebenso schnell wie der Gewinn des Unternehmens mit einem Umsatz von 45 Mill. Euro.

„Da dachte ich, das ist nicht mehr unsere Spielwiese", erinnert sich der 56-Jährige heute. „Und bevor wir gezwungen werden, zu verkaufen, betreiben wir das lieber aktiv." So machte sich Schoeller im Frühjahr 2006 auf die Suche. „Ich habe einen Käufer gesucht, der neben der Produktionsstätte das bestehende Vertriebs- und Servicenetz auch nutzen wollte." Denn ein solcher Interessent, so sein Kalkül, würde mehr zahlen und das Unternehmen zugleich weiter entwickeln. „Wenn man den Laden selbst aufgebaut hat, dann muss das schon ein Käufer sein, der auch strategisch richtig etwas damit vorhat."

In Frage kamen die größten Konkurrenten – und die kamen aus Asien. Nach zähen Verhandlungen wurde Schoeller mit Spentex Industries Ltd. aus Neu Dehli in Indien bei 25 Mill. Euro brutto in diesem Frühjahr handelseinig. Und damit liegt er voll im Trend. Mittelständische Unternehmen müssen sich bei Verkaufsverhandlungen immer häufiger auf strategische Käufer aus asiatischen Wachstumsmärkten einstellen, ergab jüngst auch eine Studie von Deloitte. Und indische Unternehmen sind dabei die größte Einkäufergruppe.

„Wir haben derzeit so viele Anfragen, wie können sie gar nicht alle bedienen", beschreibt Hans Bethge, der für Angermann M&A International den Verkauf von Schoellers Textilgeschäft betreut hat, das Interesse aus Indien. Derzeit arbeite er an Projekten mit zehn potenziellen indischen Käufern. Die gestiegene indische Währung und die hohen Börsenkurse indischer Unternehmen führten dazu, dass ihnen die Preise für Unternehmen in Europa günstig erscheinen. Oder anders ausgedrückt: Bei Käufern aus Indien erzielen Inhaber häufig höhere Preise.

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