Interkulturelles Training
Ruhig bleiben, wenn Italiener ständig telefonieren

In Ungarn ist die Small-Talk-Mentalität stark ausgeprägt. Die Chinesen lieben es, um Preis oder Konditionen lange zu feilschen. Die Amerikaner beginnen meist mit einem ausgiebigen Brain-Storming. Firmen, die über Landesgrenzen hinweg agieren, sollten ihren Mitarbeitern in interkulturellen Trainings fremde Mentalitäten näher bringen.

DÜSSELDORF. Als Markus Hussmann mit seinen italienischen Geschäftspartnern im Meeting saß, wurde ihm wieder einmal klar: Es dauert auch dieses Mal länger als geplant. Der Grund: Ständig klingelten die Telefoninos, die Mobiltelefone der Italiener. „Während deutsche Manager das Handy in Meetings entweder ausschalten oder die Anrufe wegdrücken, gehen Italiener auch in Besprechungen immer an ihr Handy“, sagt Hussmann. Mittlerweile habe er das aber akzeptiert und sei entspannter. „Es wäre auch völlig kontraproduktiv, die italienischen Kollegen zurechtzuweisen. Denn der ,Oberlehrer‘ ist nirgendwo gerne gesehen, und das ist eben ihre Geschäftskultur.“

Die Telefoninos sind nur eines von vielen Beispielen, wo die Businesskulturen aufeinander prallen. So ist in Ungarn die Small-Talk-Mentalität stark ausgeprägt. Die Chinesen lieben es, um den Preis oder um Konditionen lange zu feilschen. Die Amerikaner starten ihre Geschäftstreffen meist erst mit einem ausgiebigen Brain-Storming.

Wer hier falsch reagiert, hat später das Nachsehen. Deshalb leisten sich immer mehr Unternehmen – angesichts der ständig wachsenden Zahl internationaler Teams – so genannte interkulturelle Trainings. Damit wollen sie die Mitarbeiter fit machen für den Umgang mit Kollegen aus anderen Ländern. Sie sollen lernen, wie sie unbekannte Verhaltensweisen einzuschätzen haben. Wie sie also etwa mit den telefonierenden Italienern umgehen sollten. Schließlich verderben Missverständnisse und schlechte Stimmung nur die Geschäftsbeziehung.

Die Auswahl des richtigen Kurses ist jedoch schwierig. Es gibt erhebliche Unterschiede bei Preis und Qualität. Die Stiftung Warentest hat jetzt in ihrem Sonderheft „Weiterbildung Marketing und Vertrieb“ interkulturelle Trainings für europäische Länder auf den Prüfstand gebracht (siehe Tabelle). Das Ergebnis: Die Kurse orientieren sich häufig zu wenig am beruflichen Alltag und an den Bedürfnissen der Teilnehmer. Auch praktische Übungen kommen in vielen Trainings zu kurz. Weitere Kritikpunkte: Mehrere Trainer versäumten es, konkrete Situationen einzuüben, wie eben beispielsweise Polen und Deutsche über ein Geschäft verhandeln. Das, obwohl Rollenspiele mit Videoaufnahmen im Unterricht dazu motivieren, das eigene Verhalten zu überdenken.

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