Interlogistik-Anbieter
Innovationen sollen die Trendwende bringen

Mit intelligenten Transportsystemen und dezentralen Logistiknetzen versprechen Intralogistik-Anbieter ihren Kunden, die Effizienz zu steigern und die Kosten zu senken. Um die hohen Erwartungen zu erfüllen, müssen die Anbieter dem Modernisierungsdruck gewachsen sein.

BREMEN. Am Nürnberger Flughafen finden Koffer scheinbar selbständig ihr Ziel: Die Weichen des Fördersystems leiten die Behälter stets in die richtige Richtung. Die Anlage kommuniziert per Digitalfunk und kann so den schnellsten Transportwege für jedes Gepäckstück ermitteln. Gibt es irgendwo einen Stau, leitet das System die Koffer kurzerhand um. "In der Intralogistik gibt es derzeit große Veränderungen", sagt Thomas Lorenz, Projektmanager beim Berliner Logistikanbieter PSI Logistics, der das intelligente Transportsystem derzeit am Nürnberger Flughafen testet. "Statt zentralen, hierarchischen Systemstrukturen, gibt es jetzt vermehrt dezentrale Logistiknetze."

Mit innovativen Produkten wie dem neuen Koffer-Transportsystem will sich die deutsche Intralogistik-Branche durch die Wirtschaftskrise retten. Platzsparende, besonders effiziente und günstige Anlagen sollen selbst solche Kunden überzeugen, die eigentlich nicht investieren wollen.

Bei PSI Logistics haben deshalb so genannte IDD-Materialflusssysteme wie jenes am Nürnberger Flughafen oberste Priorität. Der Name steht für "Internet der Dinge". Dahinter steckt die Vision eines sich selbst organisierenden Logistiknetzes, das nach dem Vorbild des Internet funktioniert: Dort finden sich Datenpakete, die über verschiedene Umwege durchs "World Wide Web" laufen, am heimischen Rechner wieder zusammen. Nach diesem Prinzip sollen auch Güter ihren Weg in logistischen Netzwerken selbständig finden. Dabei hilft ein Chip, der neben Produktinformationen auch das Transportziel speichert. "Noch befinden wir uns in der Testphase, aber wir rechnen zum Ende dieses Jahres mit den ersten Pilotprojekten", sagt Lorenz.

Wie stark der Innovationsdruck in der Intralogistik-Branche ist, weiß auch Christoph Hahn-Woernle, Geschäftsführer von Viastore Systems in Stuttgart, einem weltweit führenden Anbieter von Intralogistik-Anlagen: "Noch nie war die Nachfrage unserer Kunden nach Effizienz so groß wie jetzt", sagt Hahn-Woernle. Zwar verspüre sein Unternehmen seit einem halben Jahr einen leichten Auftragsrückgang, aber Viastore profitiere nach wie vor von einem starken Geschäft mit Bestandskunden. "Viele Unternehmen wollen ihre Anlagen modernisieren. Aus diesen Aufträgen setzt sich rund die Hälfte unseres Umsatzes zusammen." Im vergangenen Jahr übernahm das Unternehmen den amerikanischen Fördertechnikanbieter Blesco und erwirtschaftete mit 310 Mitarbeitern rund 100 Mio. Euro Umsatz, 2007 waren es erst 75 Mio. Euro gewesen. "Eine Prognose für 2009 ist schwierig", sagt Hahn-Woernle. "Firmen vergeben zwar weiter Großprojekte, doch der Mittelstand ist vorsichtig. Uns fehlen die vielen kleineren Aufträge."

Gerade deshalb müsse die Intralogistik auf Modernisierung setzen: "Ein 15 Jahre alter Antrieb verbraucht doppelt so viel Energie wie ein moderner", wirbt Hahn-Woernle. In der Intralogistik-Branche sei daher Energieeffizienz das wichtigste Ziel. Doch auch bei platzsparender Verpackung in der Automatisierung werde die Intralogistik weiter auf Innovationen setzen. So hat Viastore zum Beispiel im vergangenen Jahr ein vollautomatisches Kommissioniersystem entwickelt: Völlig eigenständig entnimmt die Anlage Waren aus Lagerbehältern und legt sie in einen Auftragsbehälter - 600 Mal pro Stunde. Menschliche Kommissionierer schaffen dagegen nur rund 300. Hahn-Woernle bleibt trotz des Innovationsdrucks gelassen: "Wir sind keine Branche, die technologische Quantensprünge macht, sondern sich Schritt für Schritt weiterentwickelt."

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