International Financial Reporting Standards
Bilanzregeln schrecken den Mittelstand

Bereits im Herbst vergangenen Jahres sollte er vorgelegt werden, am Donnerstag kam er endlich auf den Tisch: der Entwurf der „International Financial Reporting Standards (IFRS) for SME“, also die internationalen Rechnungslegungsvorschriften für kleine und mittlere Unternehmen.

FRANKFURT. Für die kleinen und mittleren Unternehmen sind die „großen“ „International Financial Reporting Standards“ (IFRS) für kapitalmarktorientierte Konzerne von 2 400 auf 250 Seiten eingedampft worden. Das International Accounting Standards Board in London, das die Vorschriften entwickelt hat, verweist stolz auf die Beseitigung von Wahlrechten, das Weglassen nicht mittelstandsrelevanter Vorschriften und die Vereinfachung der Bewertungsmethoden, die das Regelwerk für nicht kapitalmarktorientierte oder publizitätspflichtige Unternehmen praktikabler machen sollen. Die IFRS sind schon seit den siebziger Jahren in Arbeit und zielen auf eine Annäherung der weltweit sehr unterschiedlichen Buchhaltungssysteme.

Praktiker stehen der Mittelstandsvariante eher kritisch gegenüber, weil ihrer Ansicht nach wesentliche Probleme ungelöst bleiben. So verfügen deutsche Personengesellschaften gemäß den IFRS praktisch über kein Eigenkapital, weil ihre Gesellschafter ein gesetzliches Kündigungsrecht für ihre Einlagen haben. Damit sind diese nach IFRS-Diktion Fremdkapital – eine für die Unternehmen inakzeptable Definition, die sie ihre Kreditwürdigkeit kosten könnte.

Hinzu kommt, dass ein Abschluss nach IFRS für Mittelständler teurer wird, denn die neue Rechnungslegung erfordert einen deutlich höheren Aufwand als der traditionelle HGB-Abschluss, zumal die Bilanzen für Steuerzwecke ungeeignet sind.

Oliver Roth, einziger deutscher Mittelstandsunternehmer in der KMU-Arbeitsgruppe des IASB, zieht das vorläufige Fazit: „Internationale Bilanzstandards haben für den Mittelstand nur dann Sinn, wenn sie die Bedürfnisse und Besonderheiten börsenunabhängiger Unternehmen berücksichtigen. Das ist mit dem Entwurf noch nicht erreicht.“

Interessenten finden den Entwurf ab dem 26. Februar auf der Internetseite des Deutschen Standardisierungsrats (www.drsc.de). Vermutlich im April soll eine deutschsprachige Version folgen.

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