International Financial Reporting Standards
Viel Aufwand – wenig Nutzen

Für mittelständische Unternehmen ist die Umstellung der Bilanzierung auf die neuen internationalen Rechnungslegungsregeln IFRS noch wenig attraktiv. Erfahrungen der Unternehmen, die IFRS bereits anwenden, zeigen: Die Umstellung ist zeitraubend und teuer, auch auf Dauer steigen die Kosten. Zudem entsteht Doppelarbeit, denn für die Steuererklärung müssen Mittelständler nach wie vor auch noch nach deutschem HGB bilanzieren.

FRANKFURT. Der Aufwand ist hoch – der Nutzen der IFRS-Anwendung vor allem für kleine und mittelgroße Unternehmen bislang gering. Das gilt vor allem für die viel zitierten Vorteile einer besseren Bewertung durch die Banken und einen leichteren Zugang zum Kapitalmarkt. Eine Untersuchung der Universität Frankfurt ergab: Firmen, die bereits auf die neuen Vorschriften umgestellt haben, werden nicht mit geringeren Kosten für Fremdkapital belohnt. Diese Erfahrung äußerten Unternehmen auch in einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags und der Prüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC).

Zumindest für ein schwerwiegendes Problem bei der Anwendung der IFRS bahnt sich nun eine Lösung an. Dabei geht es um IAS 32: Die Bilanzregel besagt, dass nur zum Eigenkapital gezählt werden darf, was nicht zurückzahlbar oder nicht kündbar ist. Bei oHGs, Kommanditgesellschaften und Genossenschaften wären Gesellschaftereinlagen oder Genossenschaftsanteile somit als Fremdkapital auszuweisen; denn sie sind kündbar. Konsequenz: Familienbetriebe mit diesen Gesellschaftsformen würden ihres Eigenkapitals beraubt – und sie würden wesentlich weniger Gewinn ausweisen, weil ihre Ausschüttungen als Quasikapitaldienst ergebniswirksam wären.

Unternehmen und Verbände protestierten in den vergangenen Monaten heftig gegen die Anwendung dieser Regel. Sie stießen beim International Accounting Standards Board (IASB) in London, das die IFRS erarbeitet, zunächst auf wenig Verständnis. Inzwischen sind dort aber Bemühungen erkennbar, das „deutsche Sonderproblem“ zu lösen. Absehbar ist, dass die umstrittenen Positionen schlicht umetikettiert und dann im Anhang zur Bilanz eingehender beschrieben werden.

Was genau ist IFRS? Lesen Sie es im neuen Handelsblatt-Wirtschaftswiki nach - und wenn Ihnen die Erklärung nicht ausreicht, ergänzen und verbessern Sie sie:
» IFRS im Wirtschaftswiki.

Trotz solcher und anderer Schwierigkeiten werden die IFRS auf lange Sicht der Standard auch für kleine und mittlere Unternehmen werden – so lautete die einhellige Meinung von Professoren, Wirtschaftsprüfern und Managern auf einem Symposium, das die Schmalenbach-Gesellschaft und PwC vorige Woche in Düsseldorf veranstalteten.

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