Internationale Beteiligungen
Stahlhütten sind weltweit auf großer Einkaufstour

Nach ihrer erfolgreichen Konsolidierung sehen sich die großen Stahlkonzerne nun nach internationalen Beteiligungen um. Die amerikanischen Hütten sind besonders begehrt - und die Kriegskassen sind voll.

KÖLN. Als sich die Stahlbranche dieser Tage zur Weltstahlkonferenz in Washington traf, hatten die Amerikaner etwas von einem Gastgeber, dem ein Teil des Hauses nicht mehr gehört: Russische Stahlkonzerne haben sich mit Milliardenbeträgen in den amerikanischen Stahlmarkt eingekauft. Allein in diesem Jahr investierte Severstal 2,5 Mrd. Dollar in den Zukauf US-amerikanischer Firmen und wuchs zum viertgrößten US-Stahlkocher heran. Der Konkurrent Evraz kaufte schon Anfang 2007 die amerikanische Oregon Steel. Zusammen decken sie mit knapp 13 Mill. Tonnen bereits 15 Prozent des amerikanischen Stahlbedarfs.

"Die Konsolidierung des weltweiten Stahlmarktes schritt in den vergangenen fünf Jahren rapide voran, und sie geht weiter", sagt Thomas Gibson, Präsident des amerikanischen Stahlverbands AISI. "Das hilft Stahlherstellern dabei, effiziente Lieferketten um den Globus zu spannen." Die ertragreichen Jahre haben den Stahlkochern genügend Kapital eingespielt, um ihre Kriegskassen zu füllen und sich nach Beteiligungen im Ausland umzusehen. Fusionen wie die von Thyssen und Krupp sowie ausländische Beteiligungen ließen deutsche Stahlhütten größer werden als je zuvor. Auch die russischen Stahlkonzerne haben in den vergangenen Jahren besonders große Überschüsse angehäuft, weil sie jahrelang dem Nachbarn China gewaltige Mengen zuliefern konnten. Darum setzen Konzerne wie Evraz auf Wachstum durch Übernahmen, wie zum Beispiel den Kauf des italienischen Stahlproduzenten Palini e Bertoli und des tschechischen Unternehmens Vitkovice Steel.

Der nordamerikanische Stahlmarkt, nach China und der EU der drittgrößte der Welt, ist besonders begehrt. Zum einen sind die amerikanischen Stahlhütten offen gegenüber Investoren, um ihre rückständigen Anlagen zu modernisieren. Zum anderen suchen ausländische Stahlkonzerne die Nähe zur amerikanischen Autoindustrie und zu Rohrbauern und Elektroherstellern. Außerdem können in den amerikanischen Stahlwerken auch Halb- und Fertigfabrikate hergestellt werden, was oft lukrativer ist als die Rohstahlproduktion. "Um hoch qualitativen Flachstahl für die Blechproduktion herstellen zu können, braucht es viel technologisches Wissen", sagt Steffen Röhle, Analyst bei Independent Research. "Mit Zukäufen katapultieren sich Hersteller von Massenware auf den Markt für Qualitätsstähle."

Auch ThyssenKrupp wagt den Sprung über den großen Teich. Das Unternehmen baut in Alabama ein eigenes Weiterverarbeitungswerk. Statt den Stahl aus Deutschland über den Atlantik zu schippern, kann ThyssenKrupp demnächst verschiedene Qualitätsstähle vor Ort produzieren und auch das eigene Edelstahlwerk in Mexiko mit Warmbreitbandstahl beliefern. Trotz neuer Kostensteigerungen beim Bau der Anlagen und des Einbruchs der amerikanischen Automobilkonjunktur gab sich Unternehmenschef Karl-Ulrich Köhler jüngst optimistisch.

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