Internationale Messen
Chinesen schmücken sich mit perfekten Kopien

Häufig entdecken viele Aussteller erst auf internationalen Messen, dass es täuschend echte Kopien ihrer Produkte gibt. Gerade Aussteller aus Fernost sind es, die stolz ihre Plagiate deutscher Produkte präsentieren. Doch die betroffenen Unternehmer wehren sich – mit Erfolg.

KÖLN. Der Messeauftritt beginnt für Hans Sondermann im Internet. Hier nimmt der Geschäftsführer des Automobilzulieferers SEW Eurodrive die Produkte der Konkurrenz unter die Lupe. Denn diese sehen den Dingen, die in seinem Unternehmen hergestellt werden, oftmals sehr ähnlich - oder besser gesagt: zu ähnlich. Es sind Fälschungen, die Hans Sondermann das Leben schwer machen: „Sie stellen ihre Plagiate unverhohlen auf den einschlägigen Messen aus.“

Nachdem ihm schon früher vereinzelt Fälschungen seiner Motoren aufgefallen waren, entschloss sich Sondermann vor der Hannover Messe 2005, gegen die Fälscher vorzugehen. Drei chinesische und eine türkische Firma boten Nachbauten seiner Getriebemotoren an. Nachdem Sondermann die Behörden und den Veranstalter informiert hatte, erklärten sich zwei chinesische Unternehmen bereit, eine Unterlassungserklärung zu unterschreiben und die gefälschten Produkte zu entfernen. Die beiden anderen Firmen weigerten sich: Der Veranstalter ließ ihre Stände schließen.

„Auf Messen entdecken viele Aussteller häufig zum ersten Mal, dass es täuschend echte Kopien ihrer Produkte gibt“, sagt Peter Neven, Geschäftsführer beim Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (AUMA). Der volkswirtschaftliche Schaden liegt nach Angaben des Aktionskreis der Deutschen Wirtschaft gegen Marken- und Produktpiraterie (APM) bundesweit bei jährlich 25 Mrd. Euro. Allein der Maschinenbau erleidet jedes Jahr Umsatzeinbußen von 4,5 Mrd. Euro. Das kostet 70 000 Stellen, die verloren gehen oder gar nicht erst entstehen.

„In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Fälschungen sprunghaft angestiegen“, sagt Marc Wiesner, Rechtsexperte vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Zwei Drittel der VDMA-Mitgliedunternehmen hätten bereits Fälschungen ihrer Produkte entdeckt. Betroffen sind Werkzeugmaschinen, Textilmaschinen, Pumpen, Kompressoren oder Armaturen. Jedes zweite Unternehmen erfährt von den unzulässigen Nachbauten erstmalig auf Messen, belegt eine Untersuchung des Verbandes. Dabei sind es zu 70 Prozent chinesische Unternehmen, die ihre Plagiate auf den hiesigen Ausstellungen präsentieren. „Das Unrechtsbewusstsein ist hier oftmals kaum ausgeprägt“, sagt Wiesner. Offenbar handeln die Asiaten frei nach Konfuzius, wonach derjenige dem Meister eine große Ehre erweist, der ihn kopiert.

Mittlerweile sind sich die Deutsche Messe AG und der Maschinenbauverband einig, dass Fälscher und unzulässige Nachbauten auf Messen nichts zu suchen haben. „Wir wollen ein eindeutiges Signal an die Kopierer aussenden“, sagt Hannes Hesse, Hauptgeschäftsführer des VDMA. Mit Merkblättern und Empfehlungen hat der Verband eine groß angelegte Kampagne gestartet.

So ist es bereits vor Messebeginn wichtig, sich mit dem Kampf gegen Plagiate zu beschäftigen. Jeder Hersteller sollte eine Mappe mit den aktuellen Schutzrechten, insbesondere der Patent-, Gebrauchs- und Geschmacksmuster sowie Markenanmeldungen zusammenstellen, um Ansprüche geltend machen zu können. „Wenn die Mitarbeiter ein Plagiat entdecken, ist schnelles Handeln gefragt“, sagt Wiesner. Zunächst gilt es, die Beweise zu sichern. Hierzu können Prospekte des Fälschers oder Fotos der Fälschungen dienen. Als nächsten Schritt empfiehlt sich eine Abmahnung und dann die einstweilige Verfügung. Diese muss jedoch bei Gericht beantragt werden und kann Kosten verursachen. „Die Kosten des Kampfes gegen die Fälscher sind ohnehin ein wichtiger Punkt“, sagt Wiesner. Nicht immer lohnt sich der Streit.

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