Interview
„Investitionsstau schadet Anbietern“

Hassan Hosseini ist Analyst bei Pierre Audoin Consultants. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er über die Zukunft der Software-Branche, die Mittelstandsoffensive von SAP und den Nutzen von OpenSource-Angeboten für den Mittelstand.

Handelsblatt: Herr Hosseini, die großen Softwareunternehmen wie SAP und Microsoft versuchen seit Jahren, den Mittelstand als Kunden zu gewinnen - bisher mit eher mäßigem Erfolg. Überschätzen die Anbieter vielleicht den Bedarf?

Hassan Hosseini: Der Bedarf ist da, das ist nicht die Frage. Nur haben mittelständische Unternehmen sehr unterschiedliche Anforderungen an die jeweilige Software. Daher kaufen sie oft lieber bei Spezialisten, die Programme auf sie zuschneiden oder Standardanwendungen wie SAP ergänzen. Ein Beispiel: Ein Fleisch verarbeitendes Unternehmen muss beispielsweise mit seiner Software eine doppelte Mengenführung in Stück und Gewicht abbilden können. SAP hatte lange Zeit Probleme damit, diese Kombination darstellen zu können.

Das sollte doch eigentlich kein Problem sein.

Eben doch. Die meisten Mittelständler arbeiten in Nischenmärkten - und die haben besondere Anforderungen. Es lohnt sich aber für die großen Softwareanbieter nicht, ihre Systeme für eine Handvoll Kunden umzuprogrammieren, um ihre Standardanwendungen um genau diese branchenspezifischen Ausprägungen zu erweitern. Das würde jedes Mal enorme Summen verschlingen. Dafür hat SAP beispielsweise Partnerfirmen, die die Standardprogramme für verschiedene Industrien erweitern, und Microsoft setzt ohnehin auf sein Partner-Ecosystem. Das sind oft kleinere Anbieter, die es sich erlauben können, sich auf bestimmte Kunden einer Industrie zu konzentrieren.

Trotzdem hat SAP zahlreiche Mittelstandsoffensiven gestartet. Was halten sie vom jüngsten Versuch mit der Mietsoftware Business by Design?

Grundsätzlich sind kleine und mittlere Unternehmen heute offener für solche Angebote, auch sicherlich von der Tatsache unterstützt, dass eine neue Generation von jüngeren Firmenchefs Einzug hält, welche mit moderner IT aufgewachsen ist. Mietsoftware, also Software as a Service, bieten neben SAP auch andere Anbieter wie SoftM, CAS oder Microsoft an. Für mittelständische Unternehmen sind solche Angebote reizvoll, denn das bedeutet für sie auch geringere Kosten und somit Mittelbindung.

Schauen die Unternehmen bei ihren IT-Investitionen wieder stärker auf die Ausgaben?

Der Markt für Mittelstandssoftware ist vorwiegend zyklisch geprägt - und wegen der Finanzkrise im Moment leider sehr schwierig. Die Unternehmen sehen, dass ihre Auftragseingänge zurückgehen und sie somit vermehrt Schwierigkeiten bekommen, Kredite zu erhalten. Viele überlegen sich daher, Investitionen in ihre IT noch zu verschieben.

Also ist Unternehmenssoftware für den Mittelstand doch kein Wachstumsmarkt?

Es ist derzeit kaum abzusehen, wie stark die Auswirkungen der Finanzkrise sein werden. Keiner kann sagen, wo es hingeht. Sicher wird der Mittelstand aber weiter einer der treibenden Märkte im Softwarebereich sein. Ich denke auch, dass der Umsatz langfristig weiter wachsen wird. Immerhin gibt es einen regelrechten Investitionsstau.

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