Interview mit dem Rimowa-Chef
D. Morszeck: „Ich habe schon tausend Ohrfeigen kassiert“"

Sein Großvater gründet vor 111 Jahren die Kofferfabrik Paul Morszeck. Der Vater benennt das Unternehmen später in „Richard Morszeck Warenzeichen“, kurz Rimowa um und entwickelt den ersten Koffer aus geriffeltem Aluminium. Seit 1981 leitet Dieter Morszeck erfolgreich die Geschicke des Familienbetriebs. Im Interview spricht der Kölner über Plagiate aus Asien und Product Placement in Hollywoodfilmen.

Herr Morszeck, Sie tragen gern rote Krawatten. Lässt das, kurz vor der Wahl, auf politische Vorlieben schließen?

Nein, ich bin kein großer Krawattenfan, ich laufe lieber ohne durch die Gegend. Aber wenn ich eine anziehe, dann eine rote. Rot ist einfach meine bevorzugte Krawattenfarbe, das hat nichts mit Politik zu tun, ganz und gar nicht. Politiker interessieren sich nicht für uns Mittelständler.

Warum nicht?

Es gibt nicht viele Politiker - mit Ausnahme vom noch amtierenden Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma, die zu mir kommen und sagen: "Wir sind stolz, dass Rimowa ein Kölner Unternehmen ist und ihr die Krise gut meistert." Mittelständische Unternehmen bekommen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten genauso wenig Aufmerksamkeit wie sonst auch. Einen Rezessionsbonus gibt es nicht. Das ist schade.

Ärgern Sie sich, dass der Staat Opel mit Milliarden unterstützt?

Ich weiß nur, dass er uns nicht helfen würde, wenn wir im Notfall nach dem Staat riefen. Wir müssten mit unseren rund 650 Mitarbeitern alleine zurechtkommen. Viele mittelständische Unternehmen stecken momentan in der Kreditklemme, weil die Banken die Hand auf dem Geld halten, statt die Wirtschaft mit Kapital zu versorgen.

Inwieweit spüren Sie die aktuelle Krise?

Es gibt Märkte, wie zum Beispiel Japan, die rückläufig sind, aber dafür läuft das Geschäft in Hongkong sehr gut, da viele Südchinesen hier einkaufen aufgrund der Preise. Früher waren wir abhängig von Japan, heute ist es immer noch unser größter Exportmarkt, aber wir sind auch in den USA stark. Das stellt uns insgesamt auf eine breitere Basis - unterm Strich haben wir momentan ein leichtes Plus.

Haben Sie überhaupt schon einmal richtig schlechte Zeiten erlebt?

Nach dem 11. September 2001. Die Terroranschläge auf das World Trade Center haben die ganze Reisebranche voll erwischt. Wir mussten einen Großteil der Leiharbeiter innerhalb von zwei Wochen freistellen, aber aus der Stammbelegschaft wurde niemand entlassen.

Sie beschäftigen seit 1996 im Kölner Werk Leiharbeiter.

Wir haben früher viele Arbeitslose eingestellt und damit leider schlechte Erfahrungen gemacht. In den 80er-Jahren hatten wir über zehn Prozent Lohnfortzahlung, weil sich die Leute oft krank gemeldet haben. Seitdem wir mit Leiharbeitern zusammenarbeiten, haben wir mit dem Thema keine Probleme mehr. Und wir sind viel flexibler. Viele Leiharbeiter werden bei uns auch später zu Festangestellten.

Ihr Großvater hat die Fabrik 1898 gegründet, ihr Vater baute 1950 den ersten Koffer aus geriffeltem Aluminium. 1972 kamen Sie - wie waren die ersten Jahre?

Ich bin als junger Mann mit 19 Jahren direkt nach Abitur und Wehrdienst eingestiegen. Das war nicht leicht, weil ich kritisch beäugt wurde. Die Mitarbeiter haben sich gefragt: Ist das nur der Sohn, der alles geschenkt bekommt, oder leistet der auch was - tut er was für uns und die Firma?

Wie haben Sie die Zweifel beseitigt?

Ich habe immer gerne und viel fotografiert. Anfang der 70er-Jahre habe ich für meine Kamera einen kleinen Koffer gebaut. Der Fotokoffer verkaufte sich sehr gut. Danach war es für mich leichter, und ich hatte in der Firma ein gutes Standing.

Woher konnten Sie Koffer bauen?

Ich war schon immer ein Typ, der sich einfach daneben gestellt und zugeschaut hat. Danach habe ich es dann selbst probiert. Ich gebe nicht auf, bis es klappt und ich zufrieden bin. Bei dem Fotokoffer habe ich zwei Jahre gebraucht, um ihn wasserdicht zu bekommen. Ich habe immer wieder den Gartenschlauch draufgehalten und war jedes Mal enttäuscht, wenn der Koffer voller Wasser war. Die Lösung waren eine Kunststoffwanne und eine Moosgummiplatte im Deckel. Ich habe mich nächtelang mit dieser Entwicklung beschäftigt.

Sie haben sich also über die Technik im Unternehmen etabliert?

Ja, richtig. Technik hat mich schon als kleiner Junge fasziniert. Ich hatte früher eine Modelleisenbahn, und mein Vater hat sich jedes Mal gewundert, warum ich die Anlage Woche für Woche ab- und wieder aufgebaut habe. Ich bin auch häufig zu einer Brücke an der Eisenbahnstrecke von Köln nach Aachen gegangen, und immer wenn der Zug mit der Dampflok kam, stand ich von jetzt auf gleich im Nebel - da lief es mir eiskalt den Rücken runter.

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