Interview mit dem WSM-Chef
„Die Stahlindustrie sorgt für die hohen Kosten“

Ulrich Galladé, der Präsident des Wirtschaftsverbands Stahl- und Metallverarbeitung (WSM), spricht im Handelsblatt-Gespräch über Rohstoffpreise, Bürokratie und seine Erwartungen an die Zollpolitik der Europäischen Union.

Handelsblatt: Der Umsatz in Ihrer Branche ist in den vergangenen Jahren ja stark gewachsen. Wie entwickeln sich eigentlich die Renditen? Und wie sind Ihre Aussichten für dieses Jahr?

Ulrich Gallade: Die erfreulichen Umsätze in der Stahl- und Metallverarbeitung haben natürlich mit der weltweit guten Konjunktur zu tun. Wichtig ist aber auch, dass etwa die Automobilindustrie wichtige Wertschöpfungsschritte in die Zulieferindustrie verlagert hat. Leider haben die Ergebnisse der Unternehmen mit den Umsätzen nicht immer Schritt gehalten. Auch im laufenden Jahr sind weitere Kostenerhöhungen zu erwarten, etwa bei den Energiekosten. Der Ergebnisdruck nimmt also weiter zu. Wir erwarten für 2008 insgesamt ein Umsatzwachstum von etwa vier Prozent.

Wo sehen Sie die größten Wettbewerbsvorteile deutscher Anbieter im internationalen Wettbewerb?

Die mittelständischen Unternehmen unserer Branche können schnell auf komplexe Kundenanforderungen reagieren. Sie sind hoch produktiv, durch die Leistungsfähigkeit und Kreativität kompetenter Mitarbeiter, aber auch durch die weitreichende Automatisierung der Herstellungsverfahren.

Welche Nachteile stehen dem gegenüber?

Belastend ist vor allem die Marktstruktur. Viele Unternehmen fühlen sich in einer Sandwich-Position zwischen marktstarken Vormateriallieferanten und nachfragemächtigen Kunden. Strukturell viel zu hoch sind auch die Bürokratiekosten. Die neue EU-Stoffverordnung REACH ist ein solches Thema, um das wir uns intensiv kümmern. Jetzt will die EU-Kommission auch noch den Emissionshandel auf unsere Branche ausdehnen. Das ist Wahnsinn wegen der Bürokratiekosten und Blödsinn für den Klimaschutz. Zusätzliche Wettbewerbsnachteile werden hinzukommen, falls die Bundesregierung die Erbschaftssteuerreform wie geplant umsetzen sollte.

Der Export ist in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich gewachsen. Welche Absatzmärkte halten Sie derzeit denn für besonders lukrativ – und wo entsteht neue Konkurrenz?

Die wichtigsten Wachstumsmärkte liegen eindeutig in Osteuropa, von dort ist mittelfristig aber auch die größte Konkurrenz zu erwarten. Und wir müssen wachsam sein gegenüber Produkten aus asiatischen Ländern mit deutlich niedrigeren und nur langsam steigenden Kosten. Dem dürfen wir nicht Sozialromantik entgegensetzen, sondern nur höhere Wertschöpfung.

Die Rohstoffpreise sind zuletzt deutlich gestiegen. Hält dieser Trend an?

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