Interview mit Dirk Roßmann
„Das Schlimmste habe ich hinter mir“

Gehört lieber zu den Jägern als zu den Gejagten: Dirk Roßmann, Chef der Drogeriemarkt-Kette, spricht im Handelsblatt-Interview über den Kampf gegen die Bundeswehr, seinen ersten SB-Markt 1972 und Platons Anmerkung zum Einkaufsverhalten von Sokrates.

Handelsblatt: Herr Roßmann, Sie wehren sich gerade gegen ein kartellrechtliches Bußgeld wegen des Verkaufs von Markenartikeln unter Einstandspreis. Sind Sie gerne ein Querkopf und Rebell?

Dirk Roßmann: Rossmann hat nie Markenartikel unter dem eigenen Einkaufspreis verkauft. Und genau darum geht es: Das Kartellamt definiert Einkaufspreise nach meiner Überzeugung recht willkürlich und will mir damit meine Verkaufspreise vorschreiben. Das mache ich nicht mit und gehe notfalls bis zum Europäischen Gerichtshof. Ein Querkopf bin ich nicht. Ich spreche lieber von "weicher Hartnäckigkeit".

Was meinen Sie damit?

Ich versuche bei aller Entschiedenheit auch immer achtsam und sensibel zu sein, auf Menschen einzugehen und kompromissbereit zu bleiben. Auf der anderen Seite kann ich aber auch richtig hartnäckig sein, wenn ich überzeugt bin, eine Sache muss jetzt durchgefochten werden. Ich bin eher beweglich als ein Querkopf. Schopenhauer hat mal gesagt, die meisten Menschen haben keinen Erfolg, weil sie zu früh aufgeben. Und das ist mir auch wichtig: nicht zu früh aufzugeben.

Im Wettbewerb gelten Sie als knallhart ...

Ich werde oft gefragt, ob ich denn kein schlechtes Gewissen habe, wenn wir kleineren Wettbewerbern mit unserer Preis- und Expansionspolitik Probleme machen. Doch ich gehöre lieber zu den Jägern als zu den Gejagten. Wenn man im scharfen Wettbewerb steht, kann man es nicht allen Recht machen. Aber dieser Wettbewerb fördert günstige Preise, was ja letztlich dem Verbraucher zugute kommt.

Durchsetzungsvermögen haben Sie auch bewiesen, als Sie nicht zur Bundeswehr wollten.

Ich wurde mit 18 Jahren eingezogen, obwohl ich für unseren kleinen Familienbetrieb unabkömmlich war. Die Bundeswehr hat darauf in meinem Fall keine Rücksicht genommen. Deshalb habe ich mich mit allen Mitteln-auch unkonventionellen - gewehrt, bis ich schließlich aus der Bundeswehr entlassen wurde.

Gingen Sie gern zur Schule?

Nein, ich habe auch nur einen Volksschulabschluss, wie wir früher sagten, bin also nach acht Jahren abgegangen und habe dann Drogist gelernt. Ich habe nicht verstanden, was die Lehrer von mir wollten, das fing schon mit dem frühen Aufstehen an. Noch heute kriege ich abends schlechte Laune, wenn ich am nächsten Morgen um zehn nach sieben ein Flugzeug nehmen muss. Ich weiß natürlich auch, dass Disziplin sein muss, aber ich mag sie nicht sonderlich. Jedesmal wenn starre Strukturen vorgegeben werden, habe ich damit Probleme. Aber ich habe immer viel gelesen. Schon als 15-Jähriger wollte ich die großen Philosophen verstehen, Kant, Hegel, Schopenhauer, doch das war meine eigene Entscheidung.

War Ihre Berufswahl dem Wunsch der Eltern geschuldet?

Nein, nicht nur, ich hatte auch Spaß daran. Mich hat das Kaufmännische immer interessiert. Wir hatten eine ganz kleine Drogerie in Hannover, von der auch die Großeltern lebten. Als ich zwölf war, starb mein Vater, und meiner Mutter ging es gesundheitlich nicht so gut. Wir wohnten damals vor Hannover am Stadtrand in einer langen Straße mit vielleicht 50 Häusern. Weit und breit gab es keine Einkaufsmöglichkeiten. So entstand meine erste kaufmännische Geschäftsidee: Ich habe mir ein Fahrrad mit einem Korb an der Lenkstange besorgt, bei den Familien in den 50 Häusern geklingelt und gesagt: Ich kann euch die Ware besorgen. Ich liefere euch das immer freitags an. Ihr müsst mir nur am Donnerstag sagen, was ihr haben wollt. Ich nehme auch nur die ganz normalen Preise, ihr kriegt sogar die Rabattmarken. Ich hatte die Ware allerdings von meiner Mutter zehn Prozent billiger eingekauft. Sie hatte mir neben der Küche die Speisekammer leergeräumt, und da habe ich mein Grundsortiment gelagert. Jedenfalls habe ich mit zwölf Jahren meinen Betrieb angefangen und schon ganz gute Gewinne gemacht. Mit 14 habe ich mir vom Ersparten die ersten Aktien gekauft und mit 16 eine eigene Zweizimmerwohnung.

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