Interview mit Norbert Thiel, VDI
„Chinesen sind noch keine Konkurrenz“

Norbert Thiel ist Beiratsvorsitzender beim VDI „Kompetenzfeld Optische Technologien“. Deutschland ist der größte Markt für Lasertechnologie. Mit dem Handelsblatt spricht Thiel über Forschung, chinesische Konurrenz, Innovationstreiber und Mangel an Ingenieuren.

Handelsblatt: Herr Thiel, wie konkurrenzfähig ist die deutsche Laserindustrie?

Norbert Thiel: Technologisch sind die deutschen Laserproduzenten absolut Spitze. Und das auf breiter Basis. Beim Schneiden, Schweißen und Beschriften sowie im medizinischen Bereich sind wir weltweit führend. Nur die Japaner machen es uns manchmal schwer, weil sie Laseranwendungen genau wie wir als Schlüsseltechnologie ansehen und sich gerade im industriellen Sektor bemühen, unseren Vorsprung zu verkleinern. Die USA dagegen haben die Nase allenfalls vorn, wenn es um den militärischen Einsatz von Lasertechnik geht.

Mehr als zehn Prozent des Branchen-Umsatzes fließen in Forschung und Entwicklung. Das ist ungewöhnlich viel.

Der schnelle Technologiewechsel zwingt die Unternehmen zu Investitionen. Die Technik entwickelt sich rasant. Dabei fließt der größte Teil der Forschungsaufwendungen nicht in die Entwicklung neuer Technologien, sondern vielmehr in die Stabilität und Sicherheit bereits bestehender Anwendungen. Es geht darum, robuste Laser zu bauen, die reproduzierbare Leistungen bringen. Wenn ein Laser in der Industrie oder Medizin zum Einsatz kommt, ist er ein gutes Stück von der technologisch möglichen Grenze entfernt. Nur dann besitzt er genug Langzeitstabilität und lässt sich bedenkenlos einsetzen. Man kann sich ja leicht vorstellen, dass Augenoperationen mit unausgereiften Lasern verheerende Folgen haben könnten.

Laser sind mittlerweile aus der Industrie nicht mehr wegzudenken. Wo finden die Anwendungen ihre Grenzen?

Laser sind echte Querschnittstechnologien, die beim Autobau, zur Kommunikation und im Operationssaal zu Einsatz kommen. Manche träumen sogar schon von Röntgenlasern. Die Grenzen dieser Technologie sind nur schwer fassbar. Allerdings müssen sich die Anwendungen stets gegen gute Alternativen durchsetzen – und die Anbieter verdrängter Technologien wehren sich natürlich. Der Abstandhalter beim Einparken mit dem Auto funktioniert beispielsweise noch immer besser mit Radarsystemen. Erst wenn der Laser es schafft, billiger und besser zu sein als das Konkurrenzprodukt, können sich die Unternehmen der Lasertechnologie durchsetzen. An manchen Stellen ist ein Laser jedoch auch einfach unnötig. So ist es etwa schwer vorstellbar, dass ein Laser mal die Küchenschere ersetzen wird.

In welche Länder verkaufen deutsche Hersteller ihre Laser?

Der größte Markt für Lasertechnologie ist noch immer Deutschland. Etwa ein Viertel der Produkte werden hier abgesetzt. Kurz dahinter folgen die USA, Westeuropa und Japan, die in der Regel alle Produkte kaufen, die sie selbst nicht in dieser Qualität herstellen können. Allerdings sind Osteuropa und in jüngster Zeit auch China als Absatzmärkte nicht zu unterschätzen.

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