Interview mit: Olaf Janke
„Für manches Unternehmen wird es eng"

Olaf Janke, Experte für Fremdkapitalfinanzierungen bei der Investmentbank Cazenove, äußert sich im Handelsblatt-Interview über die Fehler vieler Kreditnehmer und die Folgen der Finanzkrise. Warum es für viele Mittelständler jetzt eng werden könnte.

Herr Janke, welche Überraschungen kommen in der Folge der Finanzkrise in den nächsten Monaten auf Deutschlands Mittelständler noch zu?

Die gute Nachricht: Auf der Finanzierungsseite ändert sich für gut geführte Unternehmen, die langfristig finanziert sind, wenig. Bei laufenden Finanzierungen gilt noch immer die Erfahrung, dass die Banken recht loyal sind. Anders ist es bei Unternehmen, denen es weniger gut geht und die neue Kredite oder sonstige Finanzierungen brauchen. Die sind bereits teurer geworden, und die Banken schauen genauer hin. Bei größeren Investitionen müssen sich die Unternehmen daran gewöhnen, dass sie mit mehreren Banken arbeiten, weil die Institute sich scheuen, größere Kreditvolumina für einen Kreditnehmer zur Verfügung zu stellen. Und die laufende Konsolidierung bei den Banken macht die Sache für die Mittelständler nicht gerade einfacher.

Warum? Weil die Auswahl kleiner wird?

Genau. Virulent wird für die meisten mittelständischen Unternehmen das Problem, weil der Zugang zu ausländischen Banken versperrt ist. Unternehmen mit einem Umsatz von beispielsweise 10 oder 20 Millionen Euro sind für ausländische Banken wenig interessant.

Wohin können kleine und mittlere Unternehmen ausweichen?

Factoring, also der Verkauf von Forderungen an Finanzdienstleister, und Leasing gewinnen an Bedeutung. Allerdings sind viele Alternativen zum klassischen Kredit, die sich in den vergangenen Jahren am Markt durchgesetzt hatten, durch die Finanzkrise weitgehend weggefallen. Nehmen Sie die Mezzanine-Finanzierung....

...also eigenkapitalähnliche Finanzierungen in Form von stillen Beteiligungen oder Genussrechten.

Ja genau. Die fanden im Mittelstand zunehmend Anklang, sind zurzeit aber so gut wie tot. Hinzu kommt: Selbst Anleihen bislang unproblematischer Risikoklassen können jetzt nur unter schwierigen Bedingungen begeben werden. Und bei Schuldscheindarlehen wurde dem Markt erhebliche Liquidität durch Emissionen großer Konzerne abgeschöpft.

Was bedeutet das für Unternehmen?

Für manchen Mittelständler, deren Mezzanine-Finanzierung in den kommenden Jahren ausläuft, wird es jetzt eng. Diese Firmen finden keine Anschlussfinanzierung durch ein neues Mezzanine-Programm und geraten damit gleich von zwei Seiten unter Druck. Denn auch die Kreditaufnahme wird für diese Unternehmen schwieriger, da die Banken häufig die Mezzanine-Finanzierung als Eigenkapital werten. Müssen Unternehmen Mezzanine zurückbezahlen und haben keine Anschlussfinanzierung, sehen Banken darin eine Minderung der Kapitaldecke.

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