Interview mit Peter Schöffel
„Berater? Das funktioniert bei Schöffel nicht“

Für Peter Schöffel, Chef und Eigentümer der gleichnamigen Outdoorfirma, gehört Bescheidenheit zu den Unternhemenswerten. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht der Manager über Stellenabbau, Beraterfirmen und den Konkurrenten Adidas.

Herr Schöffel, in der Krise haben viele Firmen Weihnachtsfeier und Betriebsausflug als erstes gestrichen. Sie dagegen waren jüngst mit ihrer Belegschaft einen Tag in den Bergen.

Ja, und auch die Weihnachtsfeier wird es dieses Jahr wieder geben. 2008 war ein gutes Jahr für uns, und auch 2009 haben wir schon zu 80 bis 90 Prozent in trockenen Tüchern.

Sie sind also eines der ganz wenigen Unternehmen in Deutschland, das nicht sparen muss?

Doch, auch wir sind dabei, die Abläufe unter die Lupe zu nehmen. Da gibt es viele Prozesse, die historisch gewachsen sind und die man verbessern kann. Ich bin auch nicht so blauäugig, um zu glauben, dass die Rezession am privaten Konsum vorbei gehen wird.

Sie streichen also auch Stellen, wie fast überall in der Wirtschaft?

Nein, zu panikartigen Maßnahmen gibt es keinen Grund, denn es geht uns nach wie vor gut. Im Kerngeschäft werden wir auch dieses Jahr unseren Umsatz vermutlich leicht steigern, und wir werden neue Arbeitsplätze schaffen. Am Personal zu sparen wäre völlig falsch, schließlich zeigen sich die Werte einer Firma gerade in schlechten Zeiten.

Was sind denn Ihre Werte?

Zum Beispiel eine gewisse Bescheidenheit. Ich handle stets nach dem Leitspruch meines Vaters: ‚Die Firma ist nicht für die Schöffels da, sondern die Schöffels für die Firma.’ Natürlich wissen die Leute am Firmensitz in Schwabmünchen, dass wir nicht arm sind. Aber wir wohnen hier in einem normalen Haus, und unsere Kinder gehen auf eine gewöhnliche Schule und nicht auf ein Internat im Ausland.

Haben Sie Berater engagiert, um die Sparpotenziale zu finden?

Sie meinen solche jungen Leute mit dunklen Anzügen? Das haben wir vor acht, neun Jahren einmal probiert. Doch so was funktioniert bei uns nicht. Die Veränderung muss aus der Mannschaft heraus kommen. Wenn Berater durch die Flure laufen, entsteht doch der Eindruck, dass der Prophet im eigenen Haus nichts gilt. Das will ich unbedingt vermeiden. Außerdem bin ich überzeugt, dass es die ureigenste Aufgabe des Managements ist, ein Unternehmen zu führen.

Mit Ihrer Outdoor- und Skibekleidung befinden Sie sich in einem umkämpften Markt. Neulich hat Adidas einen Ihrer Top-Manager abgeworben, weil der Sportkonzern in Ihren Bereich drängt.

Schwer hatten wir es schon immer. Wir hatten nie die Zeit wie die Automobilfirmen, unser Geschäft mit Leasing oder ähnlich kreativen Finanzierungsmodellen aufzublasen. Wir sind der gnadenlosen Verdrängung im Handel ausgesetzt, auch durch Marken, die wesentlich größer sind.

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