Interview mit Rezzo Schlauch
"Keine Spur von Basar-Ökonomie"

Rezzo Schlauch, Staatssekretär und Mittelstandsbeauftragter im Handelsblatt-Gespräch über die Exportchancen deutscher Unternehmen.

Herr Schlauch, sind wir noch Exportweltmeister? Wo stehen die mittelständischen Unternehmen Deutschlands im internationalen Wettbewerb tatsächlich?


Ich gehe davon aus, dass Deutschland auch in diesem Jahr bei der Ausfuhr von Waren und Dienstleistungen wieder ganz vorne mit dabei ist. Dazu trägt auch und insbesondere unser Mittelstand bei. Was den Handel mit Waren angeht, sind wir schon jetzt sehr gut aufgestellt, während wir im Dienstleistungsbereich noch viele Potenziale ungenutzt lassen. Hier würde ich mir ein stärkeres Engagement, etwa von Freiberuflern und Handwerkern wünschen. Insbesondere die

grenzüberschreitenden Märkte innerhalb der erweiterten Europäischen Union bieten hierfür gute Einstiegsmöglichkeiten.

Von den Lohnkosten her kann der Standort Deutschland mit Osteuropa oder Asien nicht mithalten. Verlagerungen sind die Folge. Drohen jetzt Deindustrialisierung und Basarökonomie?
Die von Ihnen genannten Begriffe suggerieren, dass es mit unserer Wettbewerbsfähigkeit bergab geht. Dies ist aber keineswegs der Fall!Auf den Weltmärkten kann sich nur durchsetzen, wer in Technologie und Qualität Weltspitze, zuverlässig und zudem noch preislich wettbewerbsfähig ist. Dies trifft auf weite Teile unserer Unternehmen zu. Im Übrigen sehen ausländische Firmenchefs Deutschland als den attraktivsten Investitionsstandort in Europa an, weltweit liegen wir sogar hinter China und den USA auf Rang drei - also keine Spur von "Basarökonomie".

Und wie verhält es sich mit der Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland?
Bei dieser Diskussion wird gerne vergessen, dass viele Investitionen im Ausland erfolgen, um neue Märkte zu erobern oder aber weil die dortige Präsenz ausgebaut werden soll. Eine Umfrage der IHK Stuttgart zusammen mit der Steinbeiss-Stiftung unter 750 Unternehmen der Mittleren Neckar-Region zeigt ganz deutlich, dass durch das Auslandsengagement vielfach Arbeitsplätze im Inland gesichert bzw. sogar weiter aufgebaut werden konnten. Es stimmt natürlich, dass es auch Arbeitsplatzverluste gibt. Allerdings kann es nicht unsere Strategie sein, über die Lohnkosten mit den Niedriglohnländern zu konkurrieren. Vielmehr hängt es von unserer Innovationskraft ab, wie viel Wachstum und Beschäftigung wir erzielen können. Hier liegt unsere Stärke - nach wie vor!

Hat der Mittelstand in Deutschland überhaupt genügend Kredit, um das internationale Wachstum zu stemmen und damit die Standorte in Deutschland zu sichern?
Soweit es um den exportorientierten Mittelstand geht, der aufbauend auf seiner derzeitigen internationalen Wettbewerbsfähigkeit Erfolg versprechende Zukunftsinvestitionen plant, sehe ich die Finanzierung dieser Vorhaben als gesichert an. Diese Unternehmen dürften bei den Banken auf Grund ihrer guten Bonität und ihrer positiven Zukunftsaussichten gegenwärtig und zukünftig ,Kredit haben und finanziell hinreichend ausgestattet werden.

Meine Besorgnis im Hinblick auf die Mittelstandsfinanzierung richtet sich vielmehr auf die kleineren Mittelständler sowie die innovativen Unternehmen. Diese Unternehmen sind in der Regel weniger fest etabliert, ihre Zukunftsaussichten und die Ertragserwartungen aus ihren Vorhaben sind nicht so klar einzuschätzen, die beabsichtigten Innovationen für Banken schwerer kalkulierbar. Hier denke ich, wird die zunehmend stärkere Risikobetrachtung der Hausbanken zu höheren Anforderungen gegenüber diesen Unternehmen führen. Wir dürfen die Potenziale dieser Unternehmen nicht unterschätzen. Ihre Entfaltung darf an fehlender Finanzierung nicht scheitern.

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