Interview mit Viola Klein
„Wer einmal scheitert, ist gebrandmarkt“

Viola Klein hat lange Zeit Existenzgründer beraten. Daraus wurde die IT-Gruppe Saxonia Systems. Im Interview erklärt Klein, warum Unternehmer ein schlechtes Image haben und wie viel Risiko in einem Start-Up steckt.
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Handelsblatt: Sie haben in der DDR einen Kindergarten geleitet und sich nach der Wende selbstständig gemacht. Heute hat die Saxonia Systems AG mehr als 15 Millionen Euro Umsatz. Können Sie also jedem empfehlen, ein Unternehmen zu gründen?

Viola Klein: Wenn ich stets gewusst hätte, was da auf mich zukommt, hätte ich es wahrscheinlich sein lassen.

Wo liegen denn die Probleme?

Was viele Menschen davon abhält, sich selbstständig zu machen, ist das schlechte Image des Unternehmers in Deutschland.

Woran zeigt sich das?

Da müssen Sie nur fernsehen. Die Unternehmer im „Tatort“ sind meistens Betrüger. Und da ist jeder Unternehmer steinreich. Dabei gibt es in Deutschland vor allem Klein- und Kleinstunternehmer. Gerade die bilden das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. In den USA sind Gründer und Unternehmer anerkannt, bei uns dominiert Neid.

Es gibt also ein Imageproblem?

Ja. Viele vergessen, dass der Unternehmer mit allem haftet, was er hat. Der angestellte Manager macht sich mit einer Abfindung davon, wenn etwas schiefläuft. Die Gründer tragen dagegen eine große Verantwortung gegenüber Mitarbeitern, Banken und ihrer eigenen Familie. Das wird zu wenig anerkannt.

Die Wirtschaft braucht aber innovative Neugründungen. 

Es macht mir darum ein wenig Angst, dass die Zahl der Neugründungen sinkt.

Mussten Sie viele bürokratische Hindernisse überwinden? 

Ich habe nie einen Kredit von einer Bank bekommen – als alleinerziehende Mutter gab es das nicht. Aber ich habe es auch so geschafft.

Was muss der Staat tun?

Man muss nicht das zwölfte Nagelstudio in einer Straße fördern. Doch wenn es wirklich kreative Ideen gibt, für die die Anschubfinanzierung fehlt, muss der Staat mit Zuschüssen helfen. Noch wichtiger ist die öffentliche Akzeptanz.

Haben es Gründer in Deutschland schwerer, die schon einmal gescheitert sind?

Oh ja, wer in Deutschland einmal gescheitert ist, ist gebrandmarkt. Dabei müsste gelten: Wer nichts macht, macht auch keine Fehler.

Können Sie eine Gründung also letztlich doch nicht empfehlen?

Ich würde es immer wieder tun. Man kann frei entscheiden und eigeninitiativ sein.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München

Kommentare zu " Interview mit Viola Klein: „Wer einmal scheitert, ist gebrandmarkt“"

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  • Entweder alle sind bei Staatsunternehmen beschäftigt, wie wir das in der DDR bis zum Untergang hatten - und wovon manche immer noch träumen - oder wir pflegen Unternehmen und Existenzgründer, denn DIE schaffen Arbeitsplätze. Der deutsche Mittelstand war zwischen 2005 und 2010 die treibende Kraft des Beschäftigungswachstums. Das Plus von 1,8 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland ist ausschließlich vom Mittelstand getragen worden. Allein 2010 haben öffentlicher Sektor und Konzerne 170.000 Stellen abgebaut, während im Mittelstand 670.000 Jobs geschaffen wurden. http://www.pt-magazin.de/newsartikel/archive/2012/january/10/article/die-stillen-stars-im-mittelstand.html
    Viola Klein gehört mit ihrer Firma Saxonia Systems zu den Preisträgen des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes." Eine Powerfrau, der Ehre gebührt, nicht Besserwisserei oder Häme.
    Helfried Schmidt

  • Da kommt doch richtig Freude auf, wenn sich der Laden Deutschland gerade davon verabschiedete "Existenzgründungen" ein Startkapital zur Verfügung zu stellen.

    Leider ist das auch wiederum nur die halbe Wahrheit. Das Startkapital auf das jeder Anspruch hatte, wurde in vielen Fällen von denen, die für die Versorgung der Unternehmen gerade stehen, völlig hintertrieben. Im Klartext kamen solche "Kreditnehmer" erst gar nicht in Frage, mangels Sicherheiten. In manchen Fällen war die Sicherheit der Überziehungskredit, der so gehandelt wurde, daß von vorneherein ein Insolvenz förderte. Noch Fragen?

    Bitte einfach mal an die Deutschland AG, Bundeswirtschaftsministerium und auf der anderen Seite an Sparkassen, Volksbanken und nicht zu vergessen, diejenigen Banken, die sich letztlich sehr vornehm am Trog Deutschlands und Europas bedienten, um nicht sagen zu müssen,durchgefressen haben.

  • Frau Klein weiß, wovon sie spricht, und sie spricht mir aus dem Herzen. Wir leben in einer Neidkultur, die Leistung verachtet und bestraft und Schnorrertum fördert und belohnt. Das findet seinen Ausdruck nicht nur in den explodierenden Sozialabgaben, sondern auch in der Transferunion, die uns zwangsläufig eine gallopierende Inflation bescheren und vor allem die mittleren und kleineren Einkommen treffen wird. Es wird Zeit zum Umsteuern!

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