Intralogistikbranche
Acht Prozent Umsatzminus

Der Bedarf an Gütern geht weltweit zurück und auch die Exportwirtschaft leidet unter der Wirtschaftskrise. Für die Intralogistik-Branche ist das eine schlechte Nachricht: Ihr Geschäft bricht ein, weil die Kunden weniger Produkte durch ihre Lager schleusen – und deshalb auch weniger neue Gabelstapler, Hochregale und Kommissioniersysteme brauchen.

KÖLN. Allein der Markt für Flurförderfahrzeuge ist zuletzt bereits um acht Prozent geschrumpft. „Wir erwarten deutlich rückläufige Auftragszahlen“, sagt Theodor Maurer, Mitglied der Geschäftsleitung bei Linde Material Handling, einem Hersteller von Gabelstaplern. „Die Investitionszurückhaltung ist in allen Branchen zu spüren.“

Dabei sah es für Intralogistik-Hersteller vor wenigen Monaten noch gut aus. Trotz des schlechten vierten Quartals verzeichnete der Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) im vergangenen Jahr in der Intralogistik ein Wachstum um neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Während 2007 noch 17,8 Mrd. Euro umgesetzt wurden, waren es 2008 schon 19,4 Mrd. Euro. „2008 war ein sehr gutes Jahr für die deutsche Intralogistik-Branche“, sagt Christoph Hahn-Woernle, Sprecher des Forums Intralogistik im VDMA.

Doch jetzt ist die Erfolgssträhne vorbei: Der Verband rechnet für das laufende Jahr mit einem Umsatzrückgang von acht Prozent. „Wenn wir die Auftragszahlen der letzten drei Monate von 2008 anschauen, erscheint das noch optimistisch“, sagt Hahn-Woernle. Manche Intralogistik-Anbieter verspüren die Krise schon länger, bei anderen kommt sie gerade erst an. „Bei den Kranen gibt es teilweise noch ganz gute Auftragsbestände. Die Anbieter von Flurförderfahrzeugen dagegen merken die Umsatzrückgänge deutlich früher“, sagt Peter Günther, Geschäftsführer des Fachverbandes Fördertechnik und Logistiksysteme beim VDMA.

Wer sich auf den Bau großer Lager-Anlagen spezialisiert hat, hat aufgrund der längeren Bauzeiten noch Aufträge aus den Vorjahren in den Büchern, die abgearbeitet werden müssen. „Unser Auftragsrückgang liegt derzeit bei unter zehn Prozent“, sagt Wolfgang Albrecht, Geschäftsführer des in Hamburg ansässigen Intralogistik-Anbieters PSI. Mit einem hohen Stammkundenanteil und langfristig laufenden Wartungsverträgen fühlt er sich der Krise gewachsen. So geht es auch anderen Intralogistik-Firmen: Sie verfügen bislang noch über Aufträge aus dem Vorjahr und arbeiten diese ab.

Dennoch merkt die Intralogistik-Branche, dass die Kunden sehr genau prüfen, welche Investitionen sie tätigen und welche nicht. „Wir wissen, dass die Vergabeprozesse bei unseren Kunden sensibler laufen“, erklärt Wolfgang Albrecht von PSI. Im Klartext: Vor jedem Auftrag fragen sich die Kunden, ob die Investition unbedingt notwendig ist. „Das Verhalten der Unternehmer ähnelt dem aller Verbraucher: Was verschoben werden kann, wird verschoben“, sagt Renate Hergöth von der IWL AG, die in der Intralogistik-Beratung tätig ist. Diese Einschätzung teilen viele Logistik-Anbieter: „Der Zustand, dass Vergaben verschoben werden, hält an. Wann sich dieser Investitionsstau auflöst, ist momentan nicht zu sagen“, meint Christoph Beumer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Beumer Gruppe aus dem westfälischen Beckum.

Kunden scheuen vor allem davor zurück, große Investitionen zu tätigen, so die Erfahrung der Unternehmen. „Die Betreiber sparen besonders dort, wo es um die Erweiterung von Lagerkapazitäten oder die Erhöhung von Umschlagzahlen geht“, sagt Bert-Jan Knoef, Mitglied der Geschäftsführung bei Still. Der Anbieter von Staplern und Logistik-Systemen verspürt dagegen eine größere Nachfrage bei der effizienteren Nutzung von bereits bestehenden Staplerflotten.

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