Investieren in Russland
Für deutsche Mittelständler rollt der Rubel

Der deutsche Mittelstand entdeckt Russland immer mehr als Markt. In dem 140-Millionen-Einwohner-Staat gibt es gutes Geld zu verdienen. Die Kaufkraft der Russen steigt - Handel, Lebensmittel- und Bauwirtschaft florieren. Doch bei aller Euphorie: Das Riesenreich hat Regeln, die Investoren kennen sollten.

DÜSSELDORF/MOSKAU. Über 3500 deutsche Unternehmen sind in Russland inzwischen mit einer Repräsentanz oder eigener Fertigung vertreten. Erfolgsgeschichten aus dem Mittelstand bieten die Nahrungsmittelindustrie mit Firmen wie Ehrmann, Onken, Hochland, Campina oder Ritter Sport. Ein weiteres Paradebeispiel ist der bayerische Baumaterialhersteller Knauf. Die Firma erhöht seit zehn Jahren die Zahl seiner Produktionsorte in Russland.

Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder und Präsident Wladimir Putin machten die „strategische Wirtschaftspartnerschaft“ zwischen Deutschland und Russland zur Chefsache. Die Wirtschaftsliberalisierung in Russland mit einer weiteren Privatisierung von Unternehmen werde fortgesetzt, warb der Kreml-Chef zuletzt auf der Hannover Messe im April um deutsche Investoren. Der vierte Platz Deutschlands im internationalen Vergleich bei den Investitionen in Russland sei „nicht zufrieden stellend“.

Tatsächlich hat sich die Bundesrepublik in den vergangenen Jahren zum wichtigsten Handelspartner Russlands entwickelt. Die Ein- und Ausfuhren steigen seit mehreren Jahren im zweistelligen Bereich. Nach Angaben des Bundesamtes für Statistik verkaufte Deutschland 2004 Waren im Wert von fast 15 Mrd. Euro in die Russische Föderation, 23,5 Prozent mehr als 2003. Nach Deutschland eingeführt wurden Waren für 16,2 Mrd. Euro (zum Vorjahr plus 14 Prozent). Umgekehrt war Russland 2004 auf dem 13. Platz der wichtigsten Handelspartner Deutschlands, ein Platz besser als 2003.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag zählt Russland mit China, Indien und Brasilien zu den größten Wachstumsmärkten der Welt. Die wichtigsten deutschen Exportgüter nach Russland sind bislang Maschinen und Anlagen, Autos und Autozubehör, Lebensmittel sowie elektronische und chemische Erzeugnisse. Angesichts des großen Modernisierungsbedarfs ist zu erwarten, dass sich diese Entwicklung weiter forsetzt.

Doch bei Investitionen ist große Sorgfalt gefragt - der russische Bär ist ein höchst launisches Wesen. Das Land hat Regeln, über die sich jeder Anleger vor einer Investitionsentscheidung informieren sollte. Das größte Problem bleibt die Korruption. Weitere Hindernisse sehen westliche Unternehmen in der russischen Justiz, den Steuerbehörden und dem Zoll. Vor allem der Fall Yukos verunsicherte zahlreiche Investoren und sorgte dafür, dass eine Reihe geplanter Projekte ausblieben.

„Allgemein ist das Gesetzessystem kein Grund, nicht nach Russland zu gehen“, sagt Rechtsanwalt Gerd Lenga. „Innerhalb von 10 Jahren wurde eine vollständig neue Rechtsordnung geschaffen.“ Die meisten Gesetze orientierten sich dabei europäischen Modellen und seien durchaus modern. „Leider hackt es in einigen Fällen bei der Umsetzung“, so Lenga. Schwierigkeiten gebe es immer wieder im Steuerbereich. „Hier können Missverständnisse fatale Folgen haben.“

Seite 1:

Für deutsche Mittelständler rollt der Rubel

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%