Investitionen in Afrika
China wird mit Schürfrechten bezahlt

China sticht den Westen aus: Die asiatische Wirtschaftsmacht drängt derzeit mit aller Macht auf den afrikanischen Kontinent, um sich Zugang zu den dortigen Rohstoffvorkommen zu sichern. Auch wenn diese Vorstöße kritisch beäugt werden, China kann in Afrika mit klarer Linie und ausgereiften Konzepten punkten – und lässt Taten sprechen.

JOHANNESBURG. Sie könnte einmal Licht ins Herz der Finsternis bringen: Eine Asphaltstraße von Kisangani im Norden quer durch die Demokratische Republik Kongo bis zur sambischen Grenze im Süden. 3 400 Kilometer durch bisher kaum passierbaren tropischen Regenwald und endlose Steppen. Dazu eine Eisenbahn von den Bergbaugebieten des Kupfergürtels zum Hafen Matadi an der Kongo-Mündung, 31 Krankenhäuser, 145 Gesundheitsstützpunkte, zwei Universitäten und Geld für den Wiederaufbau der verrotteten Bergwerke. Und für all dies muss das durch die einstige Mobutu-Diktatur, Misswirtschaft und Bürgerkrieg völlig zerrüttete Land nichts bezahlen, weil China die Baukosten von fünf Mrd. Dollar übernimmt. Im Gegenzug erhält das asiatische Boomland garantierte Lizenzen für den Abbau von Kupfer, Kobalt und den Einschlag tropischer Edelhölzer sowie Mauteinnahmen aus den neuen Verkehrswegen. So sieht es ein jetzt unterzeichneter Vertrag zwischen beiden Ländern vor.

„Dieses Abkommen erlaubt es uns, wichtige Großprojekte zu verwirklichen“, strahlt Kongos Minister für Infrastruktur und öffentliche Arbeiten, Pierre Lumbi. Der Vorteil für das arme afrikanische Land: Die Chinesen übernehmen nicht nur Planung und Materiallieferung, sondern auch einen Großteil der Bauarbeiten mit ihren eigenen Leuten. Damit verschwinden keine Gelder in Privattaschen und es gibt keine endlosen Verzögerungen durch die chaotische Bürokratie. Allerdings werden auch nur wenige und noch dazu schlecht bezahlte Arbeitsplätze für Einheimische geschaffen, kongolesische Unternehmen profitieren kaum und es gibt weder Umweltverträglichkeitsstudien noch einen akzeptablen Arbeitsschutz.

Wie im Kongo geht es China auch in anderen afrikanischen Ländern vor allem um die Rohstoffe. Die Europäer beklagen, dass Peking dabei weder auf die Einhaltung von Menschenrechten pocht noch den Umweltschutz oder Sicherheitsstandards einhält. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) ist aufgebracht: Zum einen erhalten Kongo und andere afrikanische Staaten Kredit, ohne die üblichen IWF-Vorgaben beachten zu müssen. Zum anderen warnt der Fonds vor einer drohenden Überschuldung. Skeptisch sehen das chinesische Engagement auch viele Minenkonzerne, die sich seit vielen Jahren selbst um Zugang zu den reichen Bodenschätzen Kongos bemühen. Sie werden immer wieder hingehalten, oder ihnen wird kurzerhand die Lizenz entzogen, wie es die Central African Mining & Exploration (Camec) jetzt erfahren musste. Camec wollte in Kongo für 1,1 Mrd. Dollar Katanga Mining kaufen und wäre so zum weltgrößten Kobaltförderer geworden. Doch die Regierung in Kinshasa, die gerade wieder einmal alle Bergbaugenehmigungen überprüft, entzog Camec die Lizenz, so dass der Konzern die geplante Übernahme aufgeben musste. Im Ergebnis sackte die Camec-Aktie um die Hälfte. Auch Anglo American, Rio Tinto, Billiton und andere klagen über den kongolesischen Bürokratie-Dschungel und sehen nun mit Verblüffung, wie leicht China den Zugriff bekommt.

Pekings Offensive in Kongo wie überall in Afrika erfolgt in geschlossener Formation. Regierung, Staatsunternehmen und private Firmen arbeiten Hand in Hand. Der Präsident der Volksrepublik, sein Premier und der Außenminister reisen immer wieder auf den Kontinent und schließen Abkommen. Die staatlichen chinesischen Banken geben günstige Kredite. Und die Unternehmen erhalten entweder Abbaulizenzen für Rohstoffe oder Liefer- und Baukontrakte. Wichtig ist für Peking nur eines: langfristig das eigene Wirtschaftswachstum zu sichern, indem eigene Rohstoffquellen in Afrika gesichert oder bindende Exportverträge ausgehandelt werden.

Zudem schafft sich China auch Arbeitsplätze für die eigenen Leute. Zwischen 750 000 und einer Million Chinesen arbeiten zur Zeit in Afrika – entweder auf Kontraktbasis eigener Firmen oder als Kleinunternehmer.

Noch befindet sich China im Aufholwettbewerb zu den westlichen Staaten in Afrika. Denn britische und französische Firmen sind dort mit viel größeren Investitionen und Tochterunternehmen vertreten als chinesische. Auch ihr Warenaustausch ist noch umfangreicher als der Pekings. Doch Chinas Offensive hat gerade erst begonnen. In drei Jahren soll der Warenaustausch mit Afrika bei 100 Mrd. Dollar liegen. Damit werden dann die USA voraussichtlich überholt sein. Und die nächsten Zielmarken sind die ehemaligen Kolonialmächte Frankreich und Großbritannien.

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