Investitionen in die Umwelt: Taiwan braucht ausländisches Know-how

Investitionen in die Umwelt
Taiwan braucht ausländisches Know-how

Der wirtschaftliche Aufstieg bleibt nicht ohne Folgen für die taiwanische Umwelt. Deshalb muss das Land umwelttechnisch aufrüsten und braucht dazu auch ausländisches Know-how. Mehrere deutsche Firmen nutzen diese Geschäftschance bereits.

TAIPEI. Die Fische aus dem südtaiwanischen Erjen-Fluss will schon lange niemand mehr essen. Und auf die Idee, dort zu schwimmen, käme wohl auch kein Einheimischer. Lange Jahre des industriellen Wachstums, teilweise ohne größere Rücksicht auf die Umwelt, haben den Fluss in einen der schmutzigsten des Landes verwandelt. Im April 2006 fing die Umweltbehörde an, Elektroschrott aus dem Wasser zu fischen – große Mengen sind dort von skrupellosen Firmen versenkt worden.

Leider ist dies kein Einzelfall. Die nicht umweltgerechte Entsorgung von Abwasser und Müll gefährdet Taiwans Boden und Grundwasser. Um die Versäumnisse der Vergangenheit zu korrigieren, benötigt das Land Umwelttechnik. So müssen über 150 größere illegale Müllkippen entweder verlagert oder zumindest fachgerecht saniert werden. Dabei wird verstärkt Abfallentsorgungstechnologie nachgefragt. Außerdem will Taiwan die anfallenden Müllmengen weiter verringern und verstärkt Rohstoffe zurückgewinnen. „Die taiwanische Regierung fördert schon seit Längerem Recyclingstrategien“, sagt Klaus W. Mehl, Präsident von Heidelberg Environmental Consult. Mehrere deutsche Firmen nutzen diese Geschäftschance bereits. So ist etwa Remondis im Bereich Kunststoffverwertung und Sonderabfallbehandlung aktiv.

Bedarf besteht auch bei der Abwasserentsorgung. Taiwan zählt zu den am dichtesten besiedelten Ländern der Erde, aber nur etwa 17 Prozent der Haushalte sind an das öffentliche Abwassersystem angeschlossen. Dieser Anteil soll bis 2008 auf 22 Prozent steigen. Bis dahin sind deshalb 36 Abwassersysteme als Build-Operate-Transfer-(BOT)-Projekte geplant, ein Betreibermodell, bei dem der private Investor für einen bestimmten Zeitraum auch den Betrieb der Anlage übernimmt, die anschließend in staatlichen Besitz übergeht.

Gefährlicher Müll aus der Hightechbranche

Die Kosten werden auf 3,8 Milliarden Euro beziffert, dabei sollen 95 Prozent von privater Seite kommen. Für 2006 ist unter anderem der Bau von Abwassersystemen in den Landkreisen Kaohsiung und Yuenlin mit Investitionssummen von 69 Millionen beziehungsweise knapp 55 Millionen Euro budgetiert. Außerdem werden Roboter zur Überprüfung der Kanalisation benötigt sowie Ausrüstung zur Klärung der Trinkwasserspeicher, die nach Taifunen häufig verschlammt sind.

In der Industrie gibt es ebenfalls Potenzial: „Die Abwasserbehandlung in den Gewerbeparks ist noch lange nicht auf dem neuesten Stand der Technik“, lautet die Einschätzung von Andreas Gursch, Umweltareamanager des Deutschen Wirtschaftsbüros Taipei (DWB). Bei der Herstellung von Hightech wie Halbleitern und Flachbildschirmen, Produkte, für die Taiwan bekannt ist, existiert großer Bedarf. So entstehen bei der Fertigung eines 8-Zoll-Wafers Branchenkennern zufolge etwa 4,1 Kilogramm gefährlichen Abfalls, die fachgerecht zu entsorgen sind.

Bis 2009 sollen sechs neue Produktionsstätten für Flachbildschirme und acht Halbleiterfabriken entstehen, für die entsprechende Umwelttechnik benötigt wird. Kein Wunder also, dass Hersteller von Abgas- und Abwasserbehandlungssystemen regelmäßig zu den Teilnehmern am deutschen Gemeinschaftsstand auf der Flachbildschirmmesse „FPD Taiwan“ zählen.

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