Investitionen Private-Equity-Häusern
Die Ausstiegswelle rollt

Investitionen von Private-Equity-Häusern werden in der Regel mit Pressemitteilungen und Telefonkonferenzen laut angekündigt. Wenn die Finanzinvestoren dann aber früher als erwartet wieder aussteigen, vollzieht sich das eher im Stillen. Denn das Konfliktpotenzial ist groß, vor allem dann, wenn das vorhandene Management das Unternehmen selbst führen und nicht an den nächsten Finanzinvestor weitergereicht werden will.

FRANKFURT. Genau diese Konflikte werden aber in Zukunft vermehrt auftreten, weil sich das Rad im Beteiligungsmarkt immer schneller dreht. „Die erste große Welle der Exits aus den deutschen Beteiligungen der Finanzinvestoren steht an. Die Investments der Private-Equity-Häuser aus den Jahren 2000 bis 2003 kommen nun auf den Markt“, sagt Markus Loy, Sprecher der Geschäftsführung bei der WGZ Corporate Finance Beratung GmbH (WGZ CFB).

Das Unternehmen ist in die genossenschaftliche WGZ-Bankengruppe eingebunden und erhält 70 Prozent der Anfragen aus dem Netz der Volks- und Raiffeisenbanken vor Ort. Loy und sein Team wollen dem jeweiligen Management helfen, wenn es nach einem Ausstieg des Finanzinvestors die Firma mehrheitlich übernehmen will.

Das Fallbeispiel der Stahlwerke Bochum (SWB) zeigt, dass aus einem Portfoliounternehmen eines Finanzinvestors auch wieder ein inhabergeführtes Familienunternehmen werden kann. 2004 entschied der Thyssen-Krupp-Konzern, die SWB zu verkaufen. Im Rahmen eines Management-Buy-Outs übernahmen die Führungskräfte 14,5 Prozent der Anteile, den Rest bekam die Norddeutsche Private Equity. Obwohl eine Haltedauer von fünf bis sieben Jahren avisiert worden war, gab der Finanzinvestor schon im Januar 2006 wieder seinen Ausstieg bekannt.

Die SWB-Geschäftsführer Bruno Mayer und Wolfgang Callies wollten auf keinen Fall wieder in die Hände eines Finanzinvestors geraten, da sie weitere Schulden und höhere Finanzierungskosten befürchteten. Alleine konnten sie die Übernahme aber nicht finanzieren. Die WGZ CFB übernahm die Verhandlungen und finanzierte die Mehrheitsübernahme durch das Management mit einer Mezzanine-Tranche, die als Mischkapital zwischen Eigen- und Fremdkapital steht, sowie zwei separaten Darlehen. Letztlich ließ sich laut WGZ der Finanzinvestor auch überzeugen, dass ein Handeln gegen das Management die schlechtere Alternative gewesen wäre.

Das genossenschaftliche Bankenlager, zu dem neben der WGZ-Bank auch die DZ Bank zählt, will mit solchen Finanzierungen Boden gut machen im Mittelstand, zumal Konkurrenten wie die Commerzbank das Thema immer stärker besetzen. In den vergangenen Monaten hat die Beteiligungsgesellschaft der DZ Bank, DZ Equity Partner, die gesamte Palette an Eigenkapitalfinanzierungen neu strukturiert. Die Gesellschaft ziele auf Familienunternehmen, bei denen die Eigentümer bei den Finanzierungen die Zügel in der Hand behalten wollen, sagt Geschäftsführer Olivier Weddrien. So wolle man sich von den schnellen Methoden der übrigen Private-Equity-Häuser abheben.

Ein neues Spielfeld

Geschäftsmodell: Finanzinvestoren dringen verstärkt in den Mittelstand ein, weil das Angebot an sehr großen Deals begrenzt ist. Sie streben in der Regel Mehrheitsübernahmen an, bauen die Firmen dann um und geben ihnen eine neue Finanzstruktur.

Exit: Beim Ausstieg muss der Erlös deutlich über dem Einstandspreis liegen. Nur so können die Renditevorstellungen der institutionellen Geldgeber der Beteiligungsfonds erfüllt werden.

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