Investitionsboom
Private Investoren beflügeln Brasiliens Wirtschaft

Brasilien erlebt einen Investitionsboom wie zuletzt in den 1970er-Jahren. Bis 2011 sollen rund 600 Milliarden Euro in die Sektoren Industrie, Infrastruktur, Bau und Agrarwirtschaft fließen - überraschend hoch ist das große Engagement der Privatwirtschaft.

SÃO PAULO. Nach einer aktuellen Auswertung der Regierung wollen private und staatliche Geldgeber bis 2011 umgerechnet 600 Mrd. Euro in die Sektoren Industrie, Infrastruktur, Bau und Agrarwirtschaft stecken. Damit erhöhen sich die Investitionen gegenüber dem Zeitraum 2004 bis 2007 um 69 Prozent. Vor allem Privatkonzerne aus dem In- und Ausland bauen ihr finanzielles Engagement aus.

Während Unternehmen in den vergangenen Jahren vor allem im Bergbau und in der Landwirtschaft investierten, konzentrieren sie sich jetzt darauf, die Wertschöpfungskette im Land aufzubauen. "Der Nachholbedarf in der Infrastruktur, die Exportdynamik und die guten Aussichten für die Binnenkonjunktur haben die Zuversicht der Unternehmer erhöht", sagt Luciano Coutinho, Präsident der staatlichen Entwicklungsbank BNDES, die Finanzierungen und Investitionshilfen in Höhe von 20 Mrd. Euro vergeben hat.

Den Investitionsboom hat Brasilien dringend nötig, wenn es den Sprung von einer aufstrebenden Volkswirtschaft zu einer entwickelten Ökonomie schaffen will: Denn die Investitionsquote beträgt derzeit nur 18,6 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) und liegt damit deutlich unter jener der aufstrebenden Volkswirtschaften in Fernost. Durch die neue Investitionsdynamik soll sich die Quote in zwei Jahren auf 21 Prozent erhöhen, was im internationalen Vergleich aber immer noch wenig ist.

Die BNDES bereitet im Moment ein umfassendes Förderprogramm für den Öl- und Energiesektor vor. Rund ein Drittel aller neuen Investitionen werden bis 2011 auf diese Branche entfallen. Der Staat ist dabei durch den von ihm kontrollierten Konzern Petrobras überdurchschnittlich beteiligt. Doch die staatliche Förderung des Energiesektors, die wegen der Erschließung neuer Vorkommen vor der Küste noch zunehmen wird, wirkt sich auch auf andere Branchen aus: So sollen sich etwa die Investitionen im Schiffbau auf 15 Mrd. Euro versiebenfachen. Brasilien will wieder - wie bereits in den 1970er-Jahren - ein weltweit führender Werftstandort sein. Auch in der Chemie- und Petrochemiebranche beflügelt der staatliche Einfluss über Petrobras die Investitionen.

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