Investment-Banking
Finanzinvestoren sehen sich verstärkt beim Mittelstand um

Lange Zeit war es mehr Wunschdenken als Realität, den deutschen Mittelstand mit außerbörslichem Beteiligungskapital zu beglücken. Aber in den vergangenen Jahren haben sich die mittelständischen Unternehmer offenbar tatsächlich mit den Finanzinvestoren anfreunden können.

FRANKFURT/M. Der Trend zu einer Öffnung der mittelständischen Firmen gegenüber außerbörslichen Beteiligungskapital lässt sich jetzt auch mit Zahlen untermauern. Nach einer Auswertung des Informationsdienstleisters Dealogic wurden 2004 im Marktsegment mit einem Transaktionsvolumen zwischen 100 Mill. und 500 Mill. Euro in Deutschland insgesamt 20 Deals abgewickelt, im Jahr zuvor waren es 19 Abschlüsse. Zum Vergleich: im Jahr 2000, als sich die Finanzinvestoren fast ausschließlich auf junge Internet- und Biotechfirmen konzentriert hatten, gab es gerade mal sechs Transaktionen.

Der Private-Equity-Markt gehört zu den wenigen Wachstumsfeldern in der Finanzwirtschaft. Die Investitionen europäischer Finanzinvestoren sind 2004 auf einen Höchststand von 36,9 Mrd. Euro gestiegen. Deutschland liegt dabei mit einem Marktanteil von zehn Prozent bei investierenden Fonds und 14 Prozent bei Private-Equity-finanzierten Unternehmen auf Rang drei nach Großbritannien und Frankreich, geht aus Statistiken des europäischen Branchenverbandes EVCA hervor.

Private-Equity-Fonds sammeln ihre Mittel bei institutionellen Investoren wie Versicherungen und Pensionskassen ein, oftmals in Milliardenhöhe. Damit kaufen sie Unternehmen, restrukturieren sie, und bringen diese nach vier bis zehn Jahren entweder an die Börse oder reichen sie an industrielle Interessenten weiter. In jüngster Zeit ist es auch vermehrt zu so genannten Secondaries gekommen, bei denen Finanzinvestoren sich gegenseitig die Unternehmen weiterverkaufen. Die Renditen auf das eingesetzte Kapital liegen zwischen 15 und 20 Prozent.

Ein Beispiel für den Wandel liefert die britische Private-Equity-Gesellschaft 3i. Ihr Schwerpunkt lag lange Zeit auf Investments in junge Technologien und Gründerfirmen, doch das Bild hat sich mittlerweile grundlegend geändert. Heute sei man zu 90 Prozent der Partner für den Mittelstand, sagt Stephan Krümmer, der seit Anfang Februar in Deutschland die 3i-Geschäfte leitet. „Wir sehen in Deutschland noch deutliches Wachstumspotenzial“, sagt Krümmer, wobei aber auch die Zahl der Wettbewerber stetig zunehme. Auch die Investmentbanken tummelten sich trotz einiger sehr großer Transaktionen verstärkt in diesem Segment. „Mega-Deals sind nicht beliebig vermehrbar“, erklärt Krümmer eine der Ursachen, warum der Mittelstand in den Fokus geraten ist.

Private-Equity-Investoren sind salonfähig geworden

Über viele Jahre habe der deutsche Mittelstand von einem Generationenwechsel gesprochen. Die Familienunternehmen seien jedoch sehr vorsichtig gewesen, meint John Jetter, Deutschland-Chef der amerikanischen Investmentbank JP Morgan Chase. Das habe sich aber geändert. Private-Equity-Investoren seien salonfähig geworden, betont Jetter. Inzwischen werde zunehmend auch an Finanzinvestoren verkauft. Diese hätten zurzeit sehr viel Geld zur Verfügung. In den vergangenen Jahren seien viele mittelgroße Fonds aufgelegt worden, deren Mittel eine attraktive Anlage suchten, die der deutsche Mittelstand in Europa bieten könne.

Im Mittelstandsgeschäft geht es oft darum, das Wachstum und die Auslandspläne der Mittelständler zu finanzieren. Dabei streben die Finanzinvestoren normalerweise die Mehrheit an, auch 3i will beispielsweise in Zukunft fast immer auf dem Fahrersitz Platz nehmen. Dabei gilt für 3i, deren Mutter in Großbritannien an der Börse notiert, das Marktsegment mit rund 50 Mill. bis 100 Mill. Euro eingesetztem Eigenkapital beziehungsweise einem daraus abgleiteten Transaktionsvolumen von 150 Mill. bis 300 Mill. Euro als attraktiv. Bei den Deals kommen als Faustformel rund 30 Prozent Eigenkapital zum Einsatz, der Rest wird über Kredite und anderen Fremdfinanzierungen bestritten. Als attraktiv im Mittelstand gelten vor allem die Bereiche Gesundheit, Medien, Konsumgüter, Maschinenbau und industrielle Dienstleistungen.

Traditionell sind auch Kfz-Zulieferer begehrt, die den Autobauern in der globalisierten Fertigung folgen müssen und oft Kapital brauchen. Das auf mittelgroße Unternehmen spezialisierte Private-Equity-Haus PPM Capital hat in diesem Jahr mit BST und Jost schon zwei Autozulieferer in Folge übernommen. Sebastian Kern, Geschäftsführer von PPM Capital – die zum britischen Versicherer Prudential gehört – kann sich 2005 noch weitere Zukäufe im Mittelstand vorstellen. Hermann Prelle, Vorstand von UBS in Deutschland, sieht den Trend zum verstärkten Engagement der Finanzinvestoren „zumindest die nächsten ein bis zwei Jahre anhalten.“ Nach harten Jahren versuchten die Mittelständler wieder zu expandieren, was angesichts einer dünnen Eigenkapitaldecke vielfach alleine nicht möglich sei, zumal die Banken nicht mehr so freigiebig mit Krediten umgingen.

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