Investmentbank-Boutiquen
Kleine kommen groß heraus

Investmentbank-Boutiquen spielen für den Mittelstand eine immer wichtigere Rolle. Besonders bei den kleineren Instituten zieht das Geschäft spürbar an – den Großen sind die Abschlüsse oft zu gering. Doch inzwischen kommen auch ausländische Boutiquen nach Deutschland, um die Chancen zu nutzen.

FRANKFURT. Die Investmentbanken-Boutiquen kommen. Mit der wachsenden Rolle des Mittelstandes beim Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M & A) rücken die neuen Berater ins Rampenlicht. „Die kleineren Investment-Boutiqen haben in der jetzigen Boomphase einen visibleren Anteil am Markt. Bei Deal-Größen von 20 bis 30 Mill. Euro spielen sie munter mit“, sagt Ernst Faßbender, Ko-Chef der Investmentbank Lazard in Deutschland. Andere gehen noch einen Schritt weiter. Michael Drill, Chef der Investment-Boutique Lincoln International hält Transaktionen im Volumen von 150 Mill. Euro und mehr problemlos für möglich und sieht gute Perspektiven in diesem Bereich.

Die attraktiven Aussichten für das M & A-Geschäft im Mittelstand haben nicht nur große etablierte Adressen wie Drueker und Sal. Oppenheim, das Bankhaus Metzler und Close Brothers erkannt. Inzwischen kommen auch ausländische Boutiquen nach Deutschland, um die Chancen zu nutzen. Jüngstes Beispiel ist die Wall-Street-Bank Jefferies, die mit einem Team um die beiden Berater Richard Markus und Waren Scott den Markt erobern will; die US-Boutique Miller Buckfire ist jetzt eine Kooperation mit Sal. Oppenheim eingegangen, die von den Privatbankern mit einer Eigenkapitalbeteiligung unterlegt wurde. Neben der Konzentration auf den Mittelstand trumpfen die Boutiquen mit ihrer Unabhängigkeit auf in einer Zeit, in der große Investmentbanken wie Goldman Sachs über ihre Private-Equity-Töchter immer mehr in Konkurrenz zur Industrie treten.

Für Faßbender folgt Deutschland nur dem Trend aus den USA und aus England: „Dort gibt es eine Vielzahl von Boutiquen, die sich im M & A-Geschäft auf bestimmte Bereiche konzentrieren.“ Nach den Berechnungen des Finanzdatenanbieters Thomson Financial stehen die Boutiquen Michel Dyens, Ferber & Co sowie GCI Management im ersten Halbjahr bei Transaktionen bis 200 Mill. Dollar in Deutschland an der Spitze.

Nach der Erfahrung von Joachim Spill, Partner bei der Unternehmensberatung Ernst & Young zeigen die großen etablierten Investmentbanken erst ab einer Größenordnung von 100 Mill. Euro Interesse an der Beratung bei Übernahmen. Wegen des großen und teuren Apparates lohnen sich für Institute wie Deutsche Bank oder Goldman Sachs Mandate für Fusionen und Übernahmen erst ab einem dreistelligen Millionenbetrag. Zwar ähnelten die Gebührenmodelle denen der Banken, insgesamt seien die Boutiquen aber etwas billiger, urteilt Drill. In Branchenkreisen gilt eine Provision von einem Prozent vom Transaktionswert als Daumenregel, die oft durch einen „Fee-Kicker“ angereichert wird. Der Sonderbonus wird bezahlt, wenn die Banken beim Verkauf eine bestimmte Preisschwelle überschreiten. Vom zusätzlichen Betrag werden in der Regel noch einmal drei bis fünf Prozent bezahlt.

Beim Gesamtvolumen von kleineren Transaktionen beobachtet Faßbender deutliche Steigerungsraten. Das hänge eng mit der Professionalisierung des Managements der Unternehmen zusammen, die inzwischen immer häufiger auf den Rat der Investmentbanker zurückgriffen. Früher hätten die Firmen das im Zweifel selbst gemacht, sagt Faßbender. „Gleichzeitig stärken besonders Finanzinvestoren den Wettbewerb um attraktive deutsche Übernahmeziele“, erklärt Florian von Alten, geschäftsführender Partner bei Angermann M & A International. Durch die Geldaufnahme im vergangenen Jahr verfügten die Private-Equity-Häuser über umfangreiche Finanzmittel, die nunmehr investiert werden müssten.

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