Investments auf Umwegen
Rendite mit faulen Krediten

Kreditverkäufe im Mittelstand kommen in Mode. Bekannte Namen wie die Spielzeugfirma Märklin und der Lackieranlagenbauer Dürr sind davon betroffen und sorgen für Aufsehen. Immer häufiger investieren Investmentbanken und Hedge-Fonds in deutsche Mittelständler.

FRANKFURT. Investmentbanken engagieren sich neben Finanzinvestoren und Hedge-Fonds über den Aufkauf von Schulden immer häufiger bei deutschen Unternehmen, bei denen das Geld knapp ist, und bringen sie auf Vordermann. Unter den Investmentbanken in Deutschland machen sich vor allem Credit Suisse, Deutsche Bank, Goldman Sachs und Morgan Stanley Konkurrenz. „Unser Engagement dauert drei bis fünf Jahre“, sagt Rüdiger Teuner, der das Geschäft mit Problemkrediten bei Credit Suisse in Deutschland leitet. Er peilt 20 Prozent Rendite an.

Das Geschäftsmodell der Investmentbanken ist einfach: Sie kaufen leistungsgestörte Kredite (Non-Performing-Loans/NPL) eines Unternehmens, das durch eine Restrukturierung wieder flott gemacht werden soll. Oftmals werden die Forderungen mit einem Abschlag von 30 bis 70 Prozent erworben. In vielen Fällen geht es nach der Erfahrung von Teuber um ein Gesamtvolumen von 15 bis 20 Mill. Euro, in der Spitze könnten es auch 500 Mill. Euro sein. Die Spieler in diesem Markt fordern nach den Worten von Karsten Hartmann, Geschäftsführer von Hg Capital, „Kontrollrechte und drängen auf einen Tausch der Kredite gegen eine Beteiligung an den Firmen“. Teilweise wird das Engagement verbunden mit einem Forderungsverzicht oder einer Kapitalspritze. Bei der Sanierung arbeiten die Banken mit Bilanzspezialisten wie PWC und Ernst & Young zusammen.

Der deutsche Markt für derartige Transaktionen ist groß. Die Beratungsgesellschaft Ernst & Young geht von über 300 Mrd. Euro aus. Allein Credit Suisse hat seit 2004 rund 0,5 Mrd. Euro in den Kauf von Unternehmen investiert. Dazu gehören Deutschlands drittgrößter Herrenmodehersteller Bäumler in Ingolstadt und der Aufzugszulieferer Wittur aus Wiedenzhausen bei Augsburg. „Zurzeit verfolgen wir 20 bis 25 Situationen bei Unternehmen näher“, sagt David Abrams, Leiter des NPL-Geschäfts bei Credit Suisse weltweit. Wie wichtig der Einstieg von Investoren sein kann, zeigt die Drogeriekette Ihr Platz, die nach Einschätzung von Experten ohne den Einstieg von Goldman Sachs Pleite gegangen wäre.

Als die großen künftigen Verkäufer von Krediten gelten Landesbanken. Eine Umfrage der auf den NPL-Bereich spezialisierten Investmentbank Houlihan, Lokey, Howard & Zukin unter Fondsmanagern untermauert das: 54 Prozent der Befragten sehen bei Einzelkrediten die Landesbanken als die wahrscheinlichsten Verkäufer an. Auch von Versicherungen dürfte einiges auf dem Markt kommen.

Die Unternehmen selbst haben kaum Einfluss, wie Udo Simmat, Partner der Kanzlei CMS Hasche Sigle deutlich macht: Nach deutschem Recht „kann vertraglich nicht vereinbart werden, dass die Darlehensverbindlichkeiten nicht an Dritte abgetreten werden dürfen“. Die Unternehmen könnten nur vereinbaren, dass die Bank über einen geplanten Kreditverkauf frühzeitig informieren müsse. Das führt teilweise zu Ärger wie bei Dürr. Die Commerzbank verkaufte 29 Prozent des Forderungsvolumens an Hedge-Fonds. Ab einem Drittel hätten die Fonds bei Kreditverhandlungen mitreden können. Aber da die anderen Banken zu Dürr hielten, blieben die Hedge-Fonds bei den Verhandlungen draußen.

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